Tür während Fahrt geöffnet

Todessturz aus U-Bahn: Spezl bekommen Geldstrafe

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Angeklagt wegen fahrlässiger Tötung: Benjamin S. (links) und Lukas W.

München - Sie hatten sich einen Sport daraus gemacht, bei fahrenden U-Bahnen die Türen aufzustemmen. Für ihren Spezl Stephan hatte das an einem verhängnisvollen Abend im März 2012 tödliche Folgen. Seine Freunde kamen nun vor Gericht mit einer Geldstrafe davon.

Stürzte aus der fahrenden U-Bahn: Stephan T.

Wie kommt jemand auf die wahnsinnige Idee, in einer fahrenden U-Bahn die Tür mit Gewalt aufzureißen? Mit gesenkten Köpfen sitzen Lukas W. und Benjamin S. (beide 23) auf der Anklagebank und bleiben einsilbig: "Weiß nicht." Ihre Tat in der Nacht zum 31. März 2012 in der U5 zwischen Innsbrucker Ring und Ostbahnhof hatte furchtbare Folgen: Ihr Freund Stephan T. (28) lehnte sich im Übermut hinaus und stürzte in den Tod!
Fast zwei Jahre nach dem Drama wurde der Fall vor Jugendrichterin Sigrun Broßardt aufgerollt. Die Angeklagten sind geständig. Lukas W. hat den Dreh schon länger raus: „Mit 15 habe ich ein Video gesehen“, sagt er. Man müsse mit dem Fuß gegen den Öffnungshebel treten. Sei die Verriegelung geknackt, „hat man den Pneumatik-Druck, der auf die Tür wirkt“. Mit Spezln habe er das gefilmt. Es gab Ärger: „Die Polizei hat das Video entdeckt.“

"Das Letzte, was ich gesehen habe, war sein Fuß (...)"

Die U-Bahn-Tür war technisch in Ordnung.

In der Tatnacht hatte Lukas seinen 21. Geburtstag mit Freunden in Riem gefeiert. Betrunken machte sich die Clique auf den Weg zum Kunstpark. Schon während der Fahrt in der U 2 stemmten er eine Tür auf. Benjamin: „Lukas hat mir gezeigt, wie ich mit dem Fuß gegen die Tür drücken muss.“ In der U5 begann das Spiel von vorne. 20 bis 30 Zentimeter hätten sie die Tür aufgekriegt, sagen die Angeklagten. „Die Tür war ganz offen“, so ihr Freund Michael L. (28) als Zeuge. Plötzlich sei Stephan T. zur offenen Tür gegangen: „Es hat so ausgeschaut, als habe er sich raushängen wollen.“ Mit vereinten Kräften versuchten alle, Stephan zurückzuziehen. Ohne Erfolg Michael: „Das Letzte, was ich gesehen habe, war sein Fuß, der aus dem Türspalt rutschte.“ Benjamin unter Tränen: „Ich werde nie vergessen, wie ein Mensch vor den eigenen Augen stirbt.“

„Die beiden sind gestraft genug“, sagt Stephans Vater. Er ist wütend: „Die MVG kennt die Schwachstelle und hat nicht gehandelt.“ Ein Gutachter kam aber zu dem Schluss, dass die Tür technisch in Ordnung war.

Die Richterin verurteilt beide wegen fahrlässiger Tötung und gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr. Benjamin muss 1500 Euro, Lukas 3000 Euro bezahlen. Broßardt: „Hätten die Angeklagten die Tür nicht aufgemacht, würde Stephan T. heute noch leben.“

Eberhard Unfried

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