Bericht der Stiftungsverwaltung

Warum die Stadt München ein Rekordvermögen erbt

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Stiftungs-Immobilie: Auch das Haus Deisenhofener Straße 8 wurde der Stadt vermacht.

Viele soziale Leistungen wären ohne die Finanzierung durch Stiftungen nicht möglich. Immer mehr Münchner überlassen ihr Erbe der Stadt, um über ihren Tod hinaus Gutes zu bewirken. 2016 flossen 40 Millionen Euro in die städtische Stiftungsverwaltung – mehr als vier Mal so viel wie im Jahr zuvor.

München - Eine Ferienfahrt für Kinder aus bedürftigen Familien, ein Besuchsdienst für einsame Senioren, ein Ausflug für Waisenkinder – vieles davon wäre in München nicht finanzierbar, gäbe es nicht die Zuschüsse aus Stiftungsmitteln. Mehr als 200 Stiftungen verwaltet die Stadt München, 176 davon verfolgen soziale Ziele. Deutschlandweit ist die Landeshauptstadt größte kommunale Stiftungsverwaltung. „Wir freuen uns, dass uns so viele Menschen ihr Vermögen anvertrauten“, sagt Nathalie Lepper, die Leiterin der Stiftungsverwaltung im Sozialreferat. Münchner, die keine Kinder oder nahen Verwandten haben und über den Tod hinaus mit ihrem Vermögen Gutes tun wollen, kommen oft schon zu Lebzeiten auf die Stiftungsverwaltung zu und lassen sich beraten. Andere hinterlassen ihr Vermögen per Testament. „Einige vererben dabei viel Geld und haben selbst sehr bescheiden gelebt“, erzählt Nathalie Lepper. Und auch die lebenden Stifter sind meist keine Menschen, die ins Rampenlicht drängen. Sie wollen einfach Gutes tun.

Und das wollen immer mehr. „Der Stiftungsgedanke boomt, nicht nur in München, sagt Nathalie Lepper. Vor allem das vergangene Jahr war ein außerordentliches: 32 Münchnerinnen und Münchner überließen der Stadt Vermögen im Gesamtwert von 40 Millionen Euro – mehr als vier Mal so viel wie 2015. Das Spektrum der damit verbundenen Ziele war ebenso groß: von der Hilfe für Obdachlose und Kranke über Ausbildungen bis zur Unterstützung für die Münchner Altenhilfe. Nicht immer entstehen neue Stiftungen. Deckt sich das Ziel, wird auch in bestehende „zugestiftet“.

„Warum es 2016 so viele waren, können wir auch nicht so ganz erklären“, sagt Nathalie Lepper. Vermutlich weil die Stiftungsverwaltung immer bekannter und auch der Service der kostenfreien Nachlassabwicklung gern genutzt werde. Einen großen Anteil an der 40-Millionen-Summe haben sicher die 33 Immobilien, die der Stadt im vergangenen Jahr vermacht wurden. Für mehr als 100 Immobilien mit rund 580 Wohn- und Gewerbeeinheiten im ganzen Stadtgebiet ist die Stiftungsverwaltung mittlerweile verantwortlich – von der kleinen Eigentumswohnung bis zum ganzen Wohnblock. Ebenso für die sechs stiftungseigenen Altenheime sowie für drei Kinder- und Jugendheime. In diese sogenannten Zweckbetriebe flossen 2016 2,8 Millionen Euro an Stiftungsmitteln. Mit einer Million Euro wurden soziale Einrichtungen bei ihrer Arbeit unterstützt. Weitere zwei Millionen kamen rund 7000 Münchnern in Notsituationen zugute. Am meisten profitierten bedürftige Kinder und Familien von den Stiftungen (58 Prozent), aber auch bedürftige Senioren (26 Prozent).

Mit der Heiliggeistspital-Stiftung wurde vor mehr als 800 Jahren der Grundstein für die städtische Stiftungsverwaltung gelegt. Bis heute wird mit den Stiftungsmitteln das Altenheim Heiliggeist in Neuhausen betrieben. Auch im vergangenen Jahr entstanden neue Stiftungen: Die Stiftung „Hilfe für psychisch kranke Menschen in München“ unterstützt künftig bedürftige psychisch kranke Menschen jeden Alters bei der Stabilisierung, Gesundung und Wiedereingliederung in Alltag und Berufsleben. Die „Ludwig und Anna Gmelch-Stiftung“ hilft Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bei der Aus- und Weiterbildung, vor allem wenn sie es aufgrund ihres familiären Hintergrunds oder ihrer Lebenssituation schwer haben. Eine weitere Stiftung wurde für Sozialwaisen – Kinder, um die sich weder Eltern noch andere Verwandte kümmern – gegründet und bezuschusst Einrichtungen, die diese betreuen.

Auch wenn Nathalie Lepper nicht erneut mit einem derartigen Rekordjahr rechnet – das Team der Stiftungsverwaltung hat auch heuer viel zu tun. So viel, dass der Stadtrat gerade mehr Personal bewilligt hat. „Das Schönste sind die vielen Dankesbriefe, die uns erreichen“, sagt Lepper. Etwa von dem Rentner, der mit den hohen Zuzahlungen für Medikamente zu kämpfen hatte und 300 Euro Zuschuss bekam – „eine Riesenfreude“.

Wer mit dem Gedanken spielt, selber zu helfen, kann sich bei der Stiftungsverwaltung beraten lassen. Telefon: 089/233-493 01.

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