Bernd Fabritius aus München

CSU-Abgeordneter in der Ukraine: Schock-Bericht

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„Alles brandgefährlich und unglaublich tragisch für die Menschen vor Ort“ – Bundestagsabgeordneter Bernd Fabritius in Kiew.

Der Münchner CSU-Bundestagsabgeordnete Bernd Fabritius besuchte im Rahmen einer Delegationsreise des EU-Ausschusses des Parlaments die Krisengebiete in der Ukraine. Hier schildert er seine Eindrücke.

Es ist ein Konflikt, der anscheinend nicht mehr unter Kontrolle zu bringen ist: die Krise in der Ukraine. Der Münchner CSU-Bundestagsabgeordnete Bernd Fabritius (48) besuchte im Rahmen einer Delegationsreise des EU-Ausschusses des Parlaments die Krisengebiete im Osten des Landes sowie die Hauptstadt Kiew. In der tz berichtet der Truderinger über seine erschütternden Erlebnisse.

Der Riss durch die Ukraine verläuft längst durch Familien und Freundschaften: „Verwandte aus Russland rufen nicht mehr an, Betriebe hängen Listen aus mit Fotos, Namen und Adressen von Kollegen, die sie ,ukrainische Feinde der Russen’ nennen. Ukrainer trauen sich nicht mehr an die Arbeitsstätte – aus Angst vor aufgehetzten russischen Kollegen“, berichtet Fabritius von seiner Reise nach Donezk. Das ist die unsichtbare Seite der Krise. Was Fabritius selbst sah: „Zellen von bis an die Zähne bewaffneter und offen als Militärs aus Russland auftretender, fünf bis zehn Mann starke Trupps, in einheitlichen Uniformen, mit gleichen Schnellfeuerwaffen. Sie agieren professionell und sind offenkundig Elitesoldaten, sie scharen weitere ,Befreiungskämpfer‘ um sich.“ Fabritius meint „marodierende russischsprachige Ukrainer, schlampig in Tarnfleck gekleidet und dilettantisch mit Knüppeln und Jagdwaffen ausgerüstet, oft besoffen und mit selbstgebastelten Ausweisen.“

Während die Militärs beim Anblick der Besucher aus dem Westen sofort in Gebäuden verschwanden, drohten die selbsternannten „Befreiungskämpfer“, man sollte besser nicht Englisch oder Deutsch sprechen, „sonst könnten wir eins aufs Maul bekommen“. Die Besucher werden als „Faschisten“ beschimpft, weil sie „russisches Gebiet für die Nato und den faschistischen Westen besetzen“ würden. Tatsächlich haben auch rechte Schläger bei der Revolution mitgewirkt, sitzen Minister der radikalen Swoboda in der Regierung, die Russisch als Amtssprache verbot, obwohl dies für den Großteil der Ukrainer die Umgangssprache war. Für Fabritius ein „kapitaler Fehler“ der ukrainischen Übergangsregierung – und ein Vorwand für Putin: „Es findet ein knallharter Medienkrieg statt, mit dem Ziel Putins, die ukrainische Gesellschaft zu spalten und sich so den wirtschaftlich wichtigen Teil der Ostukraine zu sichern. Durch gezielte Falschmeldungen werden die russischen Bewohner der gegen die Ukraine und ihre ukrainischen Landsleute aufgebracht. Alle, die sich dagegen positionieren, werden von dem Mob massiv bedroht.“ Fabritius bedrückendes Fazit: „Das Hauptproblem auf ukrainischer Seite in der aktuellen Situation: die Abwesenheit des Staates und der Totalausfall des staatlichen Machtmonopols, der Bürgern Schutzgefühl vermitteln müsste.“

Exil-Ukrainer in München

München ist seit Ende des Zweiten Weltkrieges die Zentrale der Exil-Ukrainer. So floh der ukrainische Nationalist Stepan Bandera 1945 an die Isar. Heute ist er das große Vorbild der ukrainischen Rechtspopulisten und Nationalisten.

Bandera hatte ab 1939 mit den deutschen Nationalsozialisten gegen die Rote Armee gekämpft, er soll an Massakern an Juden und Kommunisten in Lwiw beteiligt gewesen sein. 1941 bis 1944 wurde Bandera in einem KZ inhaftiert, ab 1944 kämpfte er gegen die Nazis. Auch andere ukrainische Nationalisten flohen nach Kriegsende nach München. 1956 wurde Bandera vor seiner Wohnung in der Kreittmayerstraße von einem Agenten des sowjetischen Geheimdienstes KBG mit einer Art Blausäure-Pistole vergiftet, Bandera starb wenig später und wurde auf dem Westfriedhof beerdigt.

Heute ist München Sitz des Exarchats der ukrainisch-katholischen Kirche Deutschlands und der Ukrainischen Freien Universität. Außerdem gibt es eine Niederlassung der rechtspopulistischen Regierungspartei Swoboda.

Johannes Welte

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