Gribkowskys Steuerberater vor Gericht

Fall Ecclestone: Deckte ER den Millionen-Deal?

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Gerald T. (45) regelte Gribkowskys Steuergeschäfte. 

München - Der Schmiergeld-Skandal um Ecclestone und Gribkowsky ist noch immer nicht vollständig juristisch aufgearbeitet. Jetzt steht Gribkowskys Steuerberater vor Gericht

Bereits vor acht Jahren überwies Bernie Ecclestone 44 Millionen Dollar an Gerhard Gribkowsky - und wollte damit seinen Chef-Posten in der Formel 1 sichern. Gribkowsky musste daraufhin wegen Steuerhinterziehung in den Knast, Ecclestone kaufte sich frei (siehe unten) - und bis heute beschäftigt dieser Millionen-Deal die Justiz!

Mit Gerald T. (45) saß am Mittwoch, zweieinhalb Jahre nach dem Gribkowsky-Urteil, ein weiterer mutmaßlicher Strippenzieher auf der Anklagebank. Der Salzburger Professor war Gribkowskys Steuerberater und Anwalt. Nun ist er selbst angeklagt - wegen Beihilfe zur besonders schweren Steuerhinterziehung in zwei Fällen! Konkret geht es um die beiden Hauptzahlungen, die Ecclestone an Gribkowsky leistete. Zwischen Juni 2006 und Dezember 2007 überwies der Brite zunächst 21.199.902 Dollar und später nochmal 22.270.870 Dollar. Die erste Zahlung ging auf das Geschäftskonto der GG Consulting, die Gribkowsky in Salzburg leitete. Weil der Geldeingang aber nicht erklärbar war, erstattete der Salzburger Raiffeisenverband im September 2006 Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche. Daraufhin bekam Gribkowsky kalte Füße - und engagierte Gerald T.

Der Staranwalt arbeitete schon mit vielen Prominenten. Laut Anklage half er dem Banker, 14.911.258,37 Euro am Fiskus vorbeizuschleusen. Offenbar versuchte Gribkowsky, die Millionen-Zahlungen zwischen zwei seiner Firmen zu verlagern. Um eine Besteuerung am Wohnort München zu verhindern, gründete er laut Anklage die in Österreich gemeldete Firma GREP - offiziell für Immobiliengeschäfte, tatsächlich soll sie zum Schein existiert haben. Dort soll Gribkowsky auf Anraten des Steuerberaters auch ein Büro für seine GG Consulting eröffnet und Beraterverträge abgeschlossen haben. Gerald T. installierte er in Salzburg als Geschäftsführer. Ein Steuerfahnder am Mittwoch vor Gericht: „Gribkowsky hat mit seinen Firmen jongliert. Einige waren nur Zahlstellen. Und er selbst der Alleinentscheider.“ Gerald T. habe diese Vorgänge „wohlwollend akzeptiert“. Denn: „Er wollte das Mandat unbedingt haben. Für ihn ging’s ums Geld.“ Nun droht dem Steuerberater selbst der Knast. Er wird sich am Mittwoch äußern. Urteil voraussichtlich am 4. Februar.

Der Schmiergeld-Fall

Im April stand Formel-1-Boss Bernie Ecclestone (84) vor Gericht. Der Vorwurf: Bestechung. Er soll in den Jahren 2006 und 2007 insgesamt 44 Millionen Dollar an den Banker Gerhard Gribkowsky (56) gezahlt haben, damit dieser die Formel-1-Anteile der BayernLB an den Investor CVC verkaufte. So wollte Ecclestone seine Machtposition in der Rennserie erhalten. Anfang August wurde der Schmiergeld-Prozess gegen Ecclestone eingestellt: Gegen eine Zahlung von 100 Millionen Dollar kaufte er sich frei. Gribkowsky bestrafte die Justiz bereits zwei Jahre vorher aber knüppelhart: Er musste achteinhalb Jahre in den Knast. Denn die Ecclestone-Zahlung hatte er nicht versteuert…

Andreas Thieme

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