Prozess in München

Ecclestone: Der alte Mann bleibt stur

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Ecclestone vor dem Verhandlungssaal in München. 

München - Bernie Ecclestone (83) steht in München vor Gericht. Die Frage um die es geht: Hat er Banker mit Millionen bestochen? Trotzdem wollen Fans Autigramme von ihm.

Der Tag, der an seinem Lebenswerk rüttelt, beginnt für Bernie Ecclestone (83) mit Applaus. Fans beklatschen den Formel-1-Boss vor dem Hotel Mandarin Oriental im Lehel. Er schreibt Autogramme, dann steigt er in den schwarzen BMW seines Anwalts und fährt zum Landgericht. Dem wichtigsten Termin seines Lebens!

Seit gestern muss sich Ecclestone wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall verantworten. 44 Millionen Dollar hatte er an Banker Gerhard Gribkowsky gezahlt – laut Staatsanwaltschaft war es Schmiergeld, um seine Macht in der Formel 1 zu erhalten. Ecclestone aber streitet die Vorwürfe ab. Der alte Mann bleibt stur!

Im schicken schwarzen Dreiteiler erscheint er vor Gericht. Pilzkopf, Nickelbrille, weißes Haar. Nur 1,58 Meter ist er groß – kaum höher als der mächtige Richterpult. Wirkt müde und zerbrechlich. Aber der Mann ist ein Menschenfänger. Der Saal lacht, als er Witze über seine Ehen macht.

Eine Stunde lang liest Staatsanwalt Christian Weiß die 24 Seiten lange Anklage. Demnach bestach Ecclestone Gribkowsky, damit dieser die Formel-1-Anteile der BayernLB an den britischen Investor CVC verkaufte. So wollte Ecclestone das Sagen in den wichtigen Gremien behalten – also seine Alleinherrschaft, die er durch beteiligte Banken wie die BayernLB und ihr gefordertes Mitbestimmungsrecht gefährdet sah.

Mit seinem Geld und Einfluss hätte er diesen Prozess verhindern können, tönte Ecclestone im Vorfeld – und will nun alles klarstellen. Der Prozess gleicht einem Rennen, dessen Tempo er um jeden Preis bestimmen will. Seinen Anwalt Dr. Sven Thomas lässt Ecclestone eine dreieinhalb Stunden lange Erklärung verlesen, die sein Leben und seine Geschäfte erklären soll. Es geht im Kern um seine komplizierten Verflechtungen im operativen Geschäft der Formel 1.

Angeblich setzte ihn Gribkowsky stark unter Druck. Dieser wusste, dass die britischen Finanzbehörden Ecclestone auf den Fersen waren. Konkret ging es um seine vermeintliche Beteiligung an einem Trust, bei dem der Brite fürchtete, Milliarden versteuern zu müssen. „Ich war geprägt von der Wehrlosigkeit“, so seine Erklärung für die Zahlungen an Gribkowsky, die er als Schweigegeld sah.

40 Jahre prägte Ecclestone die Formel 1 – nun droht ihm der Abtritt. Und fünf bis zehn Jahre Haft. Am 2. Mai wird der Prozess fortgesetzt.

So lief der Deal

Die Bayerische Landesbank wollte 2005 ihre Anteile an der Fomel-1-Gesellschaft Speed (die aus der Kirch-Pleite resultierten) loswerden. Das wollte Bernie Ecclestone laut Anklage nutzen, um die Anteile an einen Investor zu verkaufen, der ihn als Boss schalten und walten ließ. Letztlich machte die britsche CVC das Rennen – für rund 830 Millionen Dollar.

Diesen Deal fädelte Gribkowsky ein – und setzte als Risikovorstand der Bank durch, dass Ecclestone für seine vermeintliche Beratungstätigkeit 41 Millionen Dollar an Vermittlungs-Provision von der BayernLB erhielt. Tatsächlich war das Geld laut Anklage als sogenannte Kick-Back-Zahlung gedacht, die – mit Zuzahlungen aus Ecclestones Privatvermögen – letztlich wieder an Gribkowsky fließen sollte. Insgesamt kassierte dieser 43,9 Millionen Dollar.

Um das Geschäft abzuwickeln, gründeten beide Briefkastenfirmen auf Mauritius, den British Virgin Islands und in Österreich. Um Zweck und Herkunft der Zahlungen zu verschleiern, tauchten ihre Namen in den „Advisory Agreements“ offiziell nicht auf. Laut Staatsanwaltschaft zahlte Bernie Ecclestone das Schmiergeld 2006 und 2007 dann über Umwege an Gribkowsky. Einen Teil der Provision behielt er sogar noch ein.

Das sagen Beobachter

Josef Bader (52), Kaufmann aus München

Trick der BayernLB: Ich habe den Eindruck, dass die BayernLB versucht, den Schaden auf andere abzuwälzen. Die detailreiche Anklage überrascht mich, sie klingt plausibel. Doch nach der Erklärung von Ecclestone habe ich Zweifel, ob dies für eine Verurteilung reicht. Ich bin gespannt, wie dieser Prozess ausgeht.

Der Boss muss weg

Wolfgang Böhm (58),  Bensheim/Hessen

Das sind große Vorwürfe gegen Bernie Ecclestone. Kaum zu glauben, mit wie viel Millionen er gehandelt hat – als wäre es Spielgeld. Ich denke, er ist schuldig und hat Gribkowsky bestochen. Er konnte es nicht verkraften, dass seine Macht schwindet. Jetzt muss er abtreten!

Er wird verurteilt

Bernd Böhm (58), Bensheim/Hessen

Ich bin sicher, dass Bernie Ecclestone verurteilt wird. Aber was wird dann mit ihm? Ins Gefängnis wird er mit 83 Jahren wohl kaum gehen, dafür ist er zu alt. Vielleicht wäre eine Geldstrafe auch angemessener in dem Fall, das würde ihm sicher mehr wehtun. Auf der anderen Seite: Er hat niemanden umgebracht.

Andreas Thieme

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