Bertelsmann-Studie warnt

München droht der Pflegenotstand

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Laut einer Studie des Bertelsmann-Instituts wird es in der Region München im Jahre 2030 an Pflegekräften mangeln

München - Bayern wird nach einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung vom bundesweiten Mangel an Pflegekräften wesentlich härter getroffen als im Bundesdurchschnitt.

Die Untersuchung malt vor allem für die Region München ein sehr düsteres Szenario an die Wand: Demnach wird sich die Zahl der pflegebedürftigen alten Menschen im Landkreis München bis 2030 mehr als verdoppeln, in mehreren Umlandkreisen um über 90 Prozent ansteigen.

Bayernweit werden demnach zu Beginn des übernächsten Jahrzehnts 68 000 Vollzeit-Pflegekräfte fehlen, die Zahl der pflegebedürftigen alten Menschen wird insgesamt um 54 Prozent steigen, deutschlandweit soll es nur eine Zunahme von 47 Prozent geben. Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) warnt aber vor Schwarzseherei.

Die Studie zeigt die Kehrseite des demografischen Wandels für die heutigen Boomregionen auf: Die Zahl der Pflegebedürftigen wird vor allem in den Landkreisen sehr stark steigen, die derzeit noch großen Zuzug melden. Auf einen Pflegenotstand erster Ordnung müssen sich mehrere Landkreise in der Umgebung der Landeshauptstadt einstellen: Die Studie sagt für den Kreis München eine Zunahme der Pflegebedürftigen von 102 Prozent voraus. In den Kreisen Erding (plus 95 Prozent), Freising (94) und Fürstenfeldbruck (91) wird es voraussichtlich eine ähnlich dramatische Entwicklung geben.

Jenseits von München wird auch im Umland anderer bayerischer Großstädte eine weit überdurchschnittliche Zunahme der Zahl pflegebedürftiger Bürger erwartet: In Erlangen-Höchstadt sollen es plus 92 Prozent sein, im Kreis Augsburg plus 72 Prozent, im Kreis Regensburg plus 85 Prozent.

Das gegenteilige Bild zeigt sich in nord- und ostbayerischen Landkreisen, die heute unter Abwanderung leiden: So erwarten die Wissenschaftler in Coburg eine weit unterdurchschnittliche Zunahme pflegebedürftiger alter Menschen von 14 Prozent, in Wunsiedel von 18 Prozent.

„Bei allen Herausforderungen der demografischen Entwicklung sollte man nicht zu schwarz sehen“, meinte Sozialministerin Haderthauer auf Anfrage. Die CSU-Politikerin will vor allem die häusliche Pflege ausbauen: „Mein oberstes Ziel ist, die Bedürfnisse und Wünsche der Pflegebedürftigen in den Mittelpunkt zu stellen. Die meisten möchten möglichst lange, selbstbestimmt im eigenen Zuhause leben.“

Die Ministerin will sich für die Entlastung pflegender Angehöriger einsetzen. Deswegen hat Haderthauer auch Forderungen an den Bund: „Wir brauchen die volle steuerliche Absetzbarkeit von Aufwendungen für die Pflege zu Hause sowie die Gleichstellung der Pflege von Angehörigen mit der Erwerbstätigkeit bei der Rente.“

Um einem Mangel an Pflegekräften vorzubeugen, müssten die Rahmenbedingungen des Berufs attraktiver werden. Haderthauer forderte angemessene Bezahlung durch die Träger ebenso wie den Abbau überbordender Bürokratie. „Aber auch im gesellschaftlichen Denken muss sich was tun. Solange es Angehörige gibt, die nicht das beste, sondern das billigste Heim auswählen, wird sich wenig ändern“, appellierte sie an die Familien.

dpa

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