„Besenstielräuber“ vor Gericht

„Geld oder Tote“: So erpresste ich den FC Bayern

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Harald Zirngibl drohen bis zu 15 Jahre Haft. Er muss sich wegen räuberischer Erpressung verantworten.

München - Er wollte den großen FC Bayern erpressen - doch der kriminelle Versuch ging schief. Seit Freitag steht „Besenstielräuber“ Harald Zirngibl vor Gericht.

Eigentlich hätten dem Besenstielräuber 300.000 Euro für seinen Lebensabend gereicht. Weil er aber den großen FC Bayern erpressen wollte, legte er eine Schippe drauf. In einem Drohbrief an den Rekordmeister verlangte er Bargeld und Diamanten im Wert von drei Millionen Euro. Andernfalls werde es „Verletzte oder Tote“ geben, schrieb Harald Zirngibl.

Wegen 16 Banküberfällen saß der 64-Jährige bereits zehn Jahre im Knast (siehe unten) - jetzt könnte seine Gefängniskarriere in die Verlängerung gehen. Seit Freitag wird dem Erpresser der Prozess gemacht. „Es stimmt alles“, sagt er schuldbewusst. „Ich weiß nicht, wie ich auf diese dumme Idee gekommen bin.“ Verwundert waren auch seine Bekannten unter den Zuschauern. Sie kennen den in Olching (Kreis Fürstenfeldbruck) lebenden Zirngibl von launigen Grillabenden, als angenehmen und lustigen Menschen. Über seine kriminelle Vergangenheit verlor er kein Wort. „Wir haben alles aus der Zeitung erfahren“, erzählen die Freunde.

Zirngibls Geschichte wirft viele Fragen auf: Warum wurde er wieder straffällig? „Es scheint, als hätte ich die schlimme Zeit im Gefängnis verdrängt“, sagt er. Und warum hat er sich ausgerechnet den Rekordmeister ausgesucht? „Der FC Bayern ist ein bekanntes Unternehmen, hat große Umsätze, arbeitet mit viel Geld. Da lag es für mich auf der Hand, sie zu erpressen“, sagt Zirngibl. Ja, bis zu seiner Verhaftung am 22. Februar dieses Jahres - 13 Tage nachdem er den Brief abgeschickt hatte - glaubte er, den Weltverein in der Hand zu haben. „Zwischenzeitlich hatte ich schon meine Zweifel“, gibt der 64-Jährige zu. „Aber als ich den Transporter sah, war ich mir sicher, dass es funktioniert.“ Das Geld und die Diamanten sollten Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und der damalige Sportvorstand Matthias Sammer übergeben. Als den Bayern Zirngibls Erpresserbrief ins Haus flatterte, verständigte Vize-Vorsitzender Jan-Christian Dreesen die Polizei. „Ich habe den Brief sehr ernst genommen, Bedrohung für Leib und Leben unserer Fans gesehen“, sagt Dreesen als Zeuge vor Gericht.

Die Polizei schickte einen ihrer Beamten, getarnt als Mitarbeiter des FC Bayern, in einem Transporter zur fingierten Geldübergabe an einen Parkplatz nach Mainburg (Landkreis Kehlheim). Zirngibl wartete bereits dort. Im Beisein seiner Lebensgefährtin klickten die Handschellen.

tz-Stichwort „Besenstielräuber“

16 Banküberfälle, 73 Geiseln und mehr als vier Millionen Mark Beute. Als Besenstielräuber erlangte Harald Zirngibl in den 90er-Jahren zweifelhafte Berühmtheit. Den Spitznamen bekam er, weil er seine Geiseln meist einsperrte und die Türen zusätzlich mit einem Besenstiel verriegelte. Das Landgericht München I verurteilte den gebürtigen Regensburger am 27. Oktober 1999 wegen schwerer räuberischer Erpressung zu 13 Jahren und sechs Monaten Gefängnis. Im April 2009 kam er vorläufig aus der Haft. Der Rest der Strafe wurde bis 2013 zur Bewährung ausgesetzt. Nur drei Jahre nach dem Verbüßen seiner Haftstrafe wurde der gelernte Industriekaufmann wieder zum Straftäter. Jetzt drohen ihm weitere 15 Jahre in der Zelle. Schon wie zu seinen Zeiten als Bankräuber ging Zirngibl äußerst naiv vor. Er sagt: „Ich dachte nicht, dass ich geschnappt werde.“ joh

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