BMW besetzt Kaserne – 1400 Wohnungen gestrichen

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Die Pläne für die Kronprinz-Rupprecht-Kaserne.

München - Eine Mehrheit der Stadträte soll am Mittwoch dafür stimmen, dass die Stadt auf 1400 Wohnungen verzichtet und BMW sich im Münchner Norden ausbreiten kann. Das soll tausende Arbeitsplätze sichern.

München ist teuer, darum braucht die Stadt jede einzelne Wohnung, um etwas Druck aus den explosiven Mieten zu lassen. Darum müsse man den Neubau ankurbeln, betonte OB Christian Ude in seinem Programm für 2011 – und zwar „wo immer es geht“. Darum kämpft auch das Planungsreferat der Stadt nach eigener Aussage „um jeden Quadratmeter Wohnen“ (tz berichtete). Dieser Kampf soll am Mittwoch im Rathaus so aussehen: Eine Mehrheit der Stadträte hebt die Hand, damit die Stadt auf 1400 Wohnungen verzichtet und BMW sich im Münchner Norden ausbreiten kann, um Tausende Arbeitsplätze zu sichern. Wirtschaft gegen Wohnen!

Seit fast 20 Jahren prüft die Stadt den Umbau der Kronprinz-Rupprecht-Kaserne, seit 1994 wird das Areal östlich der Schleißheimer Straße nicht mehr militärisch genutzt, seit 2001 auch das westlich liegende Virginia Depot. 2003 hat der Stadtrat endlich seine Zustimmung gegeben, bis 2009 dauerte es, bis ein Bebauungsplan vorlag.

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Dann geschahen zwei Dinge gleichzeitig, wie Stadtbaurätin Elisabeth Merk morgen im Rathaus erklären will: Der Bund habe es leider nicht geschafft, die Wohnfläche zu verkaufen und dies „glaubhaft versichert“, bekräftigte das Planungsreferat auf Nachfrage der tz.

Die Bestürzung muss sich bei der Stadt in Grenzen gehalten haben, schließlich meldete BMW just in jener Zeit Bedarf für die übrigen 16 Hektar an. Als Ausgleich für den verlorenen Wohnraum bietet Stadtbaurätin Merk die 2500 Wohnungen auf dem Gelände der Bayernkaserne auf, die freilich schon lang geplant sind.

SPD und Grüne stimmen zähneknirschend zu. „Es ist grundsätzlich schade um jede Fläche, die nicht mit Wohnungen bebaut wird“, sagt SPD-Fraktionschef Alexander Reissl der tz. „Wir müssen einem Welt-Unternehmen schon Entwicklungsmöglichkeiten bieten“, erklärt der Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher.

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BMW kann laut Merk die letzte große Erweiterung schaffen, den Standort in München sichern und seine verstreuten Abteilungen im FIZ konzen­trieren. Das soll auch Tausende Hightech-Jobs sichern. Unter anderem ist von einer unterirdischen Crash-Anlage die Rede.

Aus Mieter-Sicht bleibt die Entscheidung bedauerlich: Um Luxus-Bauten à la Schwabinger 7 zu verhindern, kann die Stadt in bebauten Gebieten mitten in München nämlich wenig ausrichten, betont das Planungsreferat. Anders sei das in Neubaugebieten wie auf Kasernen-Geländen: Hier kann die Stadt nicht nur Tausende Wohnungen neu schaffen, die den Markt entlasten – sondern darüber hinaus auch auf den Bau von günstigen Sozialwohnungen pochen. Nicht im Fall der Kronprinz-Rupprecht-Kaserne.

David Costanzo

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