Ein Besuch bei einer der größten Nachwuchsabteilungen Bayerns

Das Beste am Fußball? Das Team!

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Den Spaß am Fußball lassen sich die Jungs des TSV Solln nicht nehmen – auch nicht vom Wetter.

Später einmal Profifußballer werden? Na klar! Da schnellen die Hände der F-Jugend des TSV Solln nach oben.

Da schnellen die Hände der F-Jugend des TSV Solln nach oben. Für die Neunjährigen dreht sich alles nur um Fußball. Im Verein haben die Jungs eine zweite Heimat gefunden. Hier haben sie ihre Freunde, hier können sie sich austoben. Genau dieses Heimatgefühl ist es auch, das wohl jeder sofort spürt, der das Gelände des TSV Solln zum ersten Mal betritt. Mitten im Grünen, fernab des Lärms der Straße und der Hektik der Großstadt liegt – beinahe versteckt – das drei Hektar große Trainingsgelände mit mehreren Fußballplätzen und einer modernen Zweifachturnhalle.

Das Team ist das beste

Einer, der bei Wind und Wetter zum Training hierher kommt, ist Sebastian – mit acht Jahren der jüngste in der Mannschaft, der aber ohne Scheu in jeden Zweikampf geht. Was ihm am Fußball so gut gefällt? „Das Team!“, sagt er begeistert. „Und dass man so viel laufen und sich bewegen kann“, ruft Kjell, der kleinste, der aber eine echte Kämpfernatur und besonders schnell ist. Und warum ist David, der Torjäger der Mannschaft, so verrückt nach Fußball? „Weil ich viele Tore schießen kann!“ – klar, was sonst! Dabei wirken alle drei Jungs auf den ersten Blick eher schüchtern. Doch sobald sie auf dem Platz stehen, ist davon nichts mehr zu merken.

Video-Analysen schon bei den Kleinen

Das weiß vor allem der Trainer der F1, Benedikt Schneiderbauer: „Sie sind sehr ehrgeizig, wollen unbedingt gewinnen und sich schnell weiterentwickeln.“ Der 23-Jährige hat mit sechs Jahren angefangen beim TSV Solln Fußball zu spielen – gegen den Willen seiner Eltern. „Die wollten an den Wochenenden lieber in die Berge, aber ich hab mich durchgesetzt“, erzählt Schneiderbauer lachend. Mit derselben Entschlossenheit machte er sich dann auch an seine Trainer-Karriere. Vor drei Jahren erwarb er die B-Lizenz des DFB.

Spielen mit viel Einsatz und Begeisterung für den TSV Solln: Kjell, Sebastian und David (v.l.n.r.).

Drei Wochen hat er in die intensive Leistungsprüfung investiert. Darin lernte der engagierte Sportler, wie er dem Nachwuchs Grundtechniken und Spieltaktik beibringt, entwickelte selbstständig Trainingseinheiten und eignete sich pädagogisch-psychologisches Grundwissen an.

Aber auch ohne diese Qualifikation wäre Schneiderbauer bei seinen Jungs wohl so beliebt. Wahrscheinlich, weil sich der Trainer immer wieder etwas Neues einfallen lässt. Bei Turnierspielen arbeitet die Mannschaft sogar mit Video-Analyse. Das gefällt den Kids natürlich. Und der Lerneffekt ist enorm. „Es ist unglaublich, wie gut die Jungs das, was sie bei der Video-Analyse lernen, direkt auf das Spiel übertragen“, erklärt Schneiderbauer.

Zusammenhalt und familiäres Umfeld

Tolle Ideen, die Freude am Spiel – das kommt an bei den Kids und deren Eltern. Mit 26 Jugendmannschaften allein im Bereich Fußball hat der Verein eine der größten Nachwuchsabteilungen Bayerns. „Bei uns geht Ausbildung über Erfolg“, sagt Marcus Schulz, Leiter der Fußballabteilung. „Wenn wir richtig ausbilden, kommt der Erfolg von ganz allein“, erklärt Schulz. Diese Idee scheint aufzugehen: Die Sollner Jugendspieler belegen in fast jeder Tabelle die obersten Plätze.

Wer so lange aktiv dabei ist wie Schulz und Schneiderbauer, hat viel von der Entwicklung des Vereins mitbekommen. Der Zusammenhalt im Verein, das familiäre Umfeld – das, so Schneiderbauer, ist das Besondere am TSV Solln. Wer einen Blick auf die Vereins-Website wirft, stellt schnell fest, wie groß die Identifikation aller Mitglieder mit dem Verein ist. Im Fan-Shop gibt es vom Plüsch-Teddy bis zum coolen Cap jede Menge Fan-Artikel, damit jeder in den Farben des TSV Solln am Platz stehen und seine Mannschaft anfeuern kann.

„Straßenfußball verbessert das Denken“

Trainer Benedikt Schneiderbauer.

„Fußball lernen durch Fußball spielen“ – das ist der Grundgedanke des Konzepts, das Benedikt Schneiderbauer und Sebastian Seidel für die Jugendmannschaften des TSV Solln entwickelt haben. „Klassische Trainingskonzepte trennen taktische, technische und konditionelle Übungen“, so Schneiderbauer. Im Fußball ist aber keine Spielsituation gleich.

Es gibt unendlich viele mögliche Situationen, die die Spieler zunächst wahrnehmen und verarbeiten müssen, um daraufhin schnell zu entscheiden und richtig zu handeln. Je schneller ein Spieler eine Situation wahrnehmen und verarbeiten kann, desto mehr Zeit hat er, zu handeln. Dadurch wird auch die Technik besser. „Deshalb haben wir Trainingsformen entworfen, die bekannte Übungen, wie das Passspiel, ausbauen, um Wahrnehmung und Denkprozesse zu trainieren“, erklärt Schneiderbauer. Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist auch Straßenfußball, wie er früher noch viel öfter gespielt wurde: Die Spieler stellen ihre Mannschaft selbst zusammen. Es gibt keine Anweisungen von außen. Hauptsache, der Ball landet im gegnerischen Tor – aber Fouls sind trotzdem verboten. „Das freie Spiel verbessert nicht nur die Bewegung, sondern auch das Denken der Kinder“, erklärt Schneiderbauer. „Straßenfußballer sind wichtiger als Trainer“, wusste schon Johan Cruyff, Europas Fußballer des Jahrhunderts.

Melanie Mörtlbauer

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