In Bestlage: Stadt lässt Wohnungen verkommen

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Beste Lage in der Müllerstraße: Hier lässt die Stadt seit Jahren viele Wohnungen leer stehen

München - Die Wohnungsnot wächst! Doch warum lässt die Stadt drei große Häuser seit Jahren zum größten Teil leer stehen – noch dazu in bester Lage? Die tz ist der Sache nachgegangen.

Jede Wohnung zählt – weil sie Druck aus dem Dampfkessel des Immobilienmarkts lässt. So heißt es bei der Stadt gern. Die Not wächst! Und warum lässt die Stadt dann selbst drei große Häuser seit Jahren zum größten Teil leer stehen – noch dazu in bester Lage an der Ecke Müller-/Corneliusstraße?

Das Eckhaus wirkt verkommen: Die Balkone gammeln. Ein Blick auf das Klingelbrett verrät, dass hier offenbar nur zwei von 20 Wohnungen genutzt werden. Ähnlich sieht es in den beiden Nachbarhäusern in der Müllerstraße aus, die ebenfalls der Stadt gehören. Einer der letzten Mieter berichtet der tz, dass die Wohnungen zum Teil schon seit 20 Jahren nicht mehr bewohnt werden.

„Das Objekt ist stark baufällig“, erklärt der Sprecher des Kommunalreferats der Stadt, Bernd Plank. Eine Treppe in einem der Häuser müsse abgestützt werden, die Wohnungen hätten Etagentoiletten und seien nicht mehr zeitgemäß.

Die Stadt denkt seit Jahren über einen großen Neubau an der Stelle nach. Doch nichts geht voran: Erst mussten Fragen des Denkmalschutzes geklärt werden, dann gab es Diskussionen über eine Umgestaltung der Corneliusstraße, jetzt gibt es Streit um den Bolzplatz des benachbarten Jugendzentrums – der Glockenbachwerkstatt. Der sollte nämlich ebenfalls weichen.

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In den 70er-Jahren kaufte die Stadt hier Häuser auf, um sie zur Verbreiterung des Altstadtrings abzureißen. Das ist bekannt. Wie lange diese Wohnungen nun leer stehen, kann das Kommunalreferat nicht beantworten und verweist auf die städtische Gesellschaft GWG. Doch die verwaltet die Häuser erst seit Januar und kann die Frage nicht beantworten. Dafür sagt GWG-Sprecher Armin Hagen: „Wir haben die Häuser besichtigt. Die Objekte funktionieren technisch und sind bewohnbar.“

Bezirksausschusschef Wolfgang Püschel (SPD) ärgert sich: „Wenn man die Wohnungen nicht mehr langfristig vermieten will, könnte man sie doch Künstlern als Ateliers überlassen, bis die Häuser irgendwann abgerissen werden.“ CSU-Stadtrat Richard Quaas fordert per Stadtratsanfrage Aufklärung.

Leerstand in der Stadt

Wenn Eigentümer Wohnungen länger als drei Monate leer stehen lassen, kann eine Ordnungswidrigkeit vorliegen! Die Zweckentfremdungssatzung der Stadt sieht Bußgelder bis 50 000 Euro vor. Darum überwacht das Wohnungsamt derzeit 38 größere Anwesen, die meist bald verkauft, saniert oder abgerissen werden sollen. Schließlich sind Immobilien in München wertvoll! Das Kommunalreferat der Stadt selbst lässt vier Anwesen leer stehen, die hergerichtet werden sollen. Dadurch entgehen der Stadt 8000 Euro Miete im Monat. Weitere Wohnungen am St.-Pauls-Platz vergibt die Stadt derzeit wieder.

Johannes Welte

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