Bei der Tafel für bedürftige Kids

München, du arme reiche Stadt: 22.000 Kinder leben in Hartz-IV-Familien

+
Sie helfen den armen Kindern: Esther Schwan (28) und Sebastian Zausch (41), Mitarbeiter von Humedica.

22.000 Münchner Kinder leben in Hartz-IV-Familien, 1600 sind wohnungslos. Bei der Tafel für bedürftige Kids: Das sind die Wünsche unserer Kleinen.

München - Leuchtende Kinderaugen, ein reich gedeckter Gabentisch und bunt verpackte Geschenke unterm Christbaum. So schön ist Weihnachten bei den Münchnern – aber nicht bei allen Familien. Denn es gibt immer mehr Kinder, die am 24. Dezember leer ausgehen! Ihre Eltern haben schlicht und einfach kein Geld für Geschenke. Die Zahlen aus dem Münchner Armutsbericht 2017 sind alarmierend: Mehr als 22.000 Kinder in München, fast zwölf Prozent aller Kinder unter 15 Jahren, wachsen in Hartz-IV-Haushalten auf! Von den 7300 Wohnungslosen, die Ende 2016 in Notunterkünften untergebracht waren, waren fast 1600 Kinder. Und die sind meist die Leidtragenden! Denn: Wer in ärmlichen Verhältnissen aufwächst, hat häufig nicht nur mit materiellen Entbehrungen, sondern auch mit sozialer Ausgrenzung zu kämpfen. Umso wichtiger sind Menschen und Organisationen, die gegen die immer größer werdende Armut in unserer Stadt ankämpfen. So wie die Münchner Tafel.

Aktion des Projekts „Geschenk mit Herz“

An 27 Ausgabestellen verteilten 30 fleißige Helferlein gestern Nachmittag 3000 prall gefüllte Packerl an Buben und Mädchen aus armen Familien. Eine Aktion des Projekts „Geschenk mit Herz“, das die Hilfsorganisation Humedica vor 15 Jahren ins Leben gerufen hat. Die Resonanz ist gewaltig! Denn auch heuer haben wieder hunderte hilfsbereite Menschen aus ganz Bayern mitgeholfen und Schuhkartons mit Spielsachen, Schulheften und Hygiene-Artikeln gefüllt. Von zentralen Sammelstellen aus werden die bunt verpackten Packerl nun zu Kindern in Not gefahren – nach Rumänien, Albanien und eben auch zu uns nach München.

Hannelore Kiethe, Vorsitzende der Münchner Tafel, engagiert sich seit Jahren für das Projekt und ist nach wie vor begeistert. „Ich finde es toll, dass wir den Kindern mit unseren Packerln eine Freude machen können. Zu Weihnachten gehören Geschenke einfach dazu...“

Wir haben uns umgehört, was die Augen der Kinder zum Leuchten bringt.

Endlich eine Wohnung finden

Sadan (7) mit Papa Ahmed Aloussin: Wenn ich Zeit habe, gehe ich mit meinem Papa zur Tafel. Zu Weihnachten wünsche ich mir eine Rapunzel-Puppe. Ich habe noch zwei Geschwister. Unsere Familie wohnt noch nicht in einer eigenen Wohnung, sondern in einem Heim. Mein Papa hofft, dass er bald Arbeit findet und wir dann eine Wohnung bekommen, in der wir alle Platz haben. Deshalb lernt mein Papa gerade Deutsch. Wenn er seinen Deutschkurs bestanden hat, will er als Busfahrer arbeiten. Dann können wir vielleicht umziehen.

Für jede Hilfe dankbar

Klala Abdullah Mohammed Ameen (35) mit ihrem Sohn Ali Bzain (3) aus Kurdistan: Ich bin vor drei Jahren mit meinen zwei Söhnen (3, 17) von Kurdistan nach Deutschland geflohen. Wir haben nicht viel mitnehmen können, deshalb sind wir für jede Hilfe dankbar! Die Kinder freuen sich über alles, was ihnen das Leben hier erleichtert und ein bisschen verschönert. Leider habe ich kein Geld, um ihnen ein Weihnachtsgeschenk aufs Kopfkissen zu legen. Die Aktion hier ist super, vielen lieben Dank an alle Helfer.

Mama sucht eine Arbeit

Sofia (6) mit Mama Malvina Konosidi (26): Ich wünsche mir eine Meerjungfrau oder ein Puppenhaus. Meine Mama sagt, dass ein Puppenhaus sehr teuer ist. Das verstehe ich. Meine Mama sucht Arbeit. Sie arbeitet ehrenamtlich, aber dafür kriegt sie kein Geld. Sie hilft anderen Menschen. Manchmal brauche ich neue Schulsachen. Mama kriegt das eigentlich immer ganz gut hin, aber manche Wünsche kann sie nicht erfüllen. Ich habe auch noch eine Schwester, die ist vier. Für die brauchen wir ja auch noch Geld.

Für einen guten Beruf lernen

Jan Khudaida-Abdi (10): Ich wünsche mir zu Weihnachten was von Lego. Wir haben nicht so viel Geld. Deswegen geht meine Mama zur Tafel. Ich lerne viel, um später mal einen guten Beruf zu kriegen. Mein Lieblingsfach ist Englisch. Ich gehe aufs Gymnasium. Meine Mama will als Schneiderin arbeiten. Meine Familie ist aus dem Irak. Meine Eltern sagen, dass es hier in Deutschland für uns Kinder besser ist. Hier gibt es gute Schulen, und wir können eine Ausbildung machen.

Ein roter Pulli wäre toll

Nashbeer Kehder (12) mit seiner Mama Shme Ido (46) aus dem Irak: Ich lebe erst seit ein paar Monaten mit meiner Mama, meinem Papa und meinen sechs Geschwistern in München. Wir teilen uns eine kleine Drei-Zimmer-Wohnung. Meine Eltern arbeiten nicht - dafür gehen wir alle zur Schule. Weil wir Moslems sind, schenken wir uns eigentlich nichts zu Weihnachten, aber ich weiß, dass meine Eltern eine kleine Überraschung für mich haben. Ich wünsche mir so sehr einen neuen Pulli - am liebsten einen roten.

Lesen Sie auch: Armut: So viele Kinder leben in der Region von Hartz IV

Auch interessant

Meistgelesen

Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 
Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 
Bettler auf Mitleidstour in München: Marta aus Ungarn packt aus
Bettler auf Mitleidstour in München: Marta aus Ungarn packt aus
Nachbarn klagen über unangenehmen Mieter - doch immer, wenn es in seiner Wohnung brennt, retten sie ihn
Nachbarn klagen über unangenehmen Mieter - doch immer, wenn es in seiner Wohnung brennt, retten sie ihn

Kommentare