Zu Besuch bei Münchens ältestem Fußballer

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Sepp ­Moosholzer im Gespräch mit tz-Reporterin Sina Ojo

München - Am Montag ist Sepp Moosholzer 85 Jahre alt geworden. "Jeder Tag ist ein Geschenk", sagt er. Die tz hat Münchens ältesten Fußballer besucht.

Das Jahr 1926 zählt in der Geschichte des Fußballs zu den bedeutenden Jahren. Am 18. April 1926 wurde erstmals ein deutsches Länderspiel im Hörfunk übertragen. Daran werden sich sicher die wenigsten erinnern... – selbst Sepp Moosholzer nicht. Den verbindet etwas anderes mit 1926: In diesem Jahr vor 85 Jahren wurde er geboren – und steht noch heute auf dem Platz! Er ist der älteste aktive Fußballer der Landeshauptstadt.

Am Montag wurde der Unterschleißheimer 85 Jahre jung. Der Pensionär ist unfassbar fit für sein Alter. Jeden Morgen macht er eine Dreiviertelstunde Gymnastik, „auch wenn der innere Schweinehund sagt: Musst du nicht machen“, so Moosholzer. Mit 70 hat er das Gleitschirmfliegen für sich entdeckt. Skifahren? Bergsteigen? Alles kein Problem für den sportlichen Herrn. Nur eines fällt ihm wirklich schwer. Mit dem Wort Ruhestand kann er nur wenig anfangen. Moosholzer: „Einfach nur ausruhen? Das ist nichts für mich.“

Moosholzers ganz große Leidenschaft gilt schon immer dem Fußball. Dreimal die Woche trainiert der Oldie-Kicker in der Ehrenliga des FC Neuhadern, jeden Freitag unterstützt er beim Punktspiel entweder Team Rot oder Team Blau, je nachdem, in welche Mannschaft er gelost wird. Im Fokus steht dabei besonders der gesellschaftliche Aspekt. Man trifft sich, man hat Spaß und hält sich dabei auch noch fit. Welcher der beiden Vereine am Ende der Saison gewinnt, ist deshalb Nebensache. Und was liegt ihm privat eher? Bayern oder Sechzig? „Mein Verein ist der DSC Alte Heide“, so Moosholzer stolz, der früher in der Bezirksklasse spielte. Was sagt er dazu, dass er, wie Ribéry, die Rückennummer sieben trägt? Moosholzer: „Das berührt mich nicht, das ist Zufall. Die Sieben ist zwar meine Glückszahl, aber ich habe sie nicht ausgesucht.“

Moosholzer braucht sowieso kein Vorbild. Von seinen Teamkollegen wird er selbst als Leitfigur gesehen. Sie sind beeindruckt von der Leistung, der Disziplin und dem Biss des Seniors. Joe Wimmer (75) findet nur lobende Worte. „Man muss erst einmal 85 werden“, sagt Wimmer anerkennend „und dann noch so spielen. Das ist ein Traum.“ Auch Ulrich Wickbold, selbst 77-jährig, ist von seinem „alten“ Bekannten fasziniert: „Wenn man noch so frisch ist, den Ehrgeiz hat, ist das schon toll.“

Vierzig Jahre führte der gelernte Friseurmeister seinen „Salon Ludwig“ in der Leopoldstraße erfolgreich. Heute hat seine Tochter mit ihrem Ehemann das Geschäft an der Prachtmeile übernommen.

Der gläubige Katholik ist trotz oder gerade wegen seines früheren beruflichen Erfolges, seiner Gesundheit und seiner Sportlichkeit vor allem eines: dankbar. Er klagt nicht, er nimmt das Leben so, wie es kommt. Hatte er trotzdem einen Wunsch zum 85.? „Dass die ganze Familie gesund bleibt“, sagt er. Ansonsten ist er vollauf zufrieden und genießt jede Sekunde seines Lebens. Moosholzer: „Jeder Tag ist für mich ein Geschenk. Ich bin gesund. Es ist ganz egal, ob die Sonne scheint, ob es regnet oder schneit, es ist immer ein schöner Moment in meinem Leben.“

Sina Ojo

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