Streit um Tiefgarage

Zu Besuch bei den Rebellen vom Josephsplatz

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Am Josephsplatz wird immer noch protestiert.

München - Der Baumprotest geht in die nächste Runde! Am Samstag wurde der stille Protest gegen den Tiefgaragen-Bau am Josephsplatz (265 Stellplätze) erstmals laut.

150 Demonstranten machten ihrem Unmut Luft – darunter waren auch Befürworter des Bauprojekts (siehe unten). Der Streit wird immer wilder – und die tz kraxelte zu den Initiatoren auf den Baum!

Ein Kopfstand in der Luft – die Aktivisten wollen die Baumfällung verhindern

Seit vergangenem Montag um 4 Uhr in der Früh treibt der Protest die Aktivisten von Robin Wood auf die 100 Jahre alten Ahornbäume. Bis zu 15 von ihnen sind jeden Tag bei Minusgraden am Josephsplatz – sie wollen bis noch bis zum 1. März ausharren, denn danach darf die Stadt bis Oktober wegen Brutschutzes keine Bäume mehr fällen. Wie leben die Aktivisten, was treibt sie an? Die tz wollte es genau wissen und kletterte mit ins Baumhaus in zwölf Metern Höhe.

Der Blick nach oben ist harmlos: Es sieht aus wie ein Zelt. Der Aufstieg ist für Ungeübte mühsam: Man ist per Klettergurt gesichert, über Taue am Fuß und über Kopf hievt man sich abwechselnd nach oben. Hier in den beiden Zelten, zwölf Meter über dem Josephsplatz, schlafen nachts ein bis zwei Aktivisten. Im Baumhaus liegen Decken auf einer Pressspanplatte, die im Wipfel festgezurrt ist.

„Für uns war die Demo ein voller Erfolg“, sagte Celestin Stretz (25) von Robin Wood. „Endlich wurde offen diskutiert. Es sind auch viele Passanten dazugestoßen, die sich informiert haben.“ Das Problem: „Von Seiten der Stadt oder Polizei hat sich bisher noch niemand mit uns auseinandergesetzt“, sagt Aktivistin Celine Magnus (34). „Vom Baureferat haben wir nur gehört, dass unser Protest sinnlos ist. Sie würden dann eben während des Brutschutzes fällen – per Sondergenehmigung.“

Das wollen die Aktivisten verhindern. „Ich bin der Maxvorstadt groß geworden. Wir bleiben, solange es sein muss, notfalls bis in den März hinein. Und wir tun das ehrenamtlich“, sagt Celine Magnus. Ihr Wunsch an die Stadt: „Dass die Leute schriftlich abstimmen dürfen."

Ein Spaziergang durch die Maxvorstadt

Ein Spaziergang durch die Maxvorstadt

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... und die Anwohner sind genervt

„Ich bin nicht unbedingt für die Tiefgarage“, erklärt Anwohnerin Kristin Holighaus (45), die auf einem Transparent die Baum-Aktivisten aufforderte, zu gehen: „Robin Wood, go home!“ Sie erklärte: „Mich ärgert der Protest zum jetzigen Zeitpunkt. Es gab im Vorfeld einen demokratischen Prozess, bei dem sich die Mehrheit für die Tiefgarage ausgesprochen hat.

Außerdem sieht der Platz nach den ersten Vorbereitungsmaßnahmen echt schlimm aus: Der Zaun zum Spielplatz ist weg, der halbe Platz ist nicht mehr zu benützen.“ Die Mutter zweier Kinder befürchtet, dass der Josephsplatz nun monatelang so verwüstet bleibt – weil erst im Herbst wieder gefällt werden darf. Sie war mit ihrem Protest gegen Robin Wood nicht alleine: Erstmals meldeten sich am Samstag Anwohner zu Wort, die sich auf die neue Tiefgarage freuen, weil sie dann endlich einen Platz für ihr Auto haben.

Unvergessen: Rettet die Münchner Freiheit

Eine unvergessene Protestaktion war die gegen die Schließung der Kult-Kneipe Schwabinger 7 im Mai 2011. Um die 1000 Münchner waren zur Kundgebung an die Münchner Freiheit gekommen, sogar Promis wie Michael Mittermeier, Konstantin Wecker und Erwin Pelzig traten auf. Ihr Widerstand richtete sich gegen den Bau eines Luxus-Wohntempels anstelle der alten Baracken-Bauten. Es half nichts: Im August rückte der Bagger an.

Der Vorkämpfer: Baumbesetzer Stadtrat Fricke

Prominenter Vorkämpfer: Der ehemalige parteilose Stadtrat Bernhard Fricke (62) machte im Jahr 2000 Schlagzeilen, als er einen Baum besetzte, um auf die 44 Linden aufmerksam zu machen, die der Schrannenhalle weichen mussten. Der Name seines Vereins war Programm: „David gegen Goliath“. Anderthalb Tage harrte Fricke ohne Wasser und Essen aus. Immerhin: Er konnte Ersatzpflanzungen für die Bäume erkämpfen.

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