Fliegerbombe: Evakuierte erzählen

Wir wollen endlich wieder nach Hause!

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Sabine und Florian in ihrem Notbett bei seinem Bruder im Arabellapark.

München - Sabine und Florian mussten wegen der Schwabinger Fliegerbombe raus aus ihrer Wohnung. Für die tz schildern sie ihre Bombenacht und den Tag danach.

Bomben-Angst in München: Wegen einer hochexplosiven US-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg sind große Teile Schwabings seit Montagabend evakuiert. 3000 Menschen sind in mehreren Notquariteren untergebracht oder haben Zuflucht bei Freunden gefunden. Die tz dokumentiert die Tage und Nächte voller Angst, Hoffen und Bangen.

Am Dienstag kurz nach Mitternacht werden Sabine W. und Florian G. (beide 34) abrupt aus dem Bett geklingelt. Wegen des 250-kg-Sprengsatzes unter der abgerissenen Kultkneipe Schwabinger 7 in der Feilitzschstraße müssen sie raus aus ihrer Wohnung, weil der Sperrbezirk auch auf die Knollerstraße ausgeweitet wird. Montagabend konnte noch keiner ahnen, wie dramatisch sich die Lage zuspitzen sollte.

Evakuierung! Entschärfung Bombenfund unter Schwabinger 7

Evakuierung! Entschärfung Bombenfund unter Schwabinger 7

Montag, 18 Uhr: Als die beiden heimkommen, herrscht jede Menge Trubel rund um die Münchner Freiheit. Blaulicht, Sirenen und immer wieder Durchsagen, dass die Anwohner ihre Häuser verlassen sollen.

21 Uhr: Weil ihre Wohnung nicht in der Evakuierungszone liegt, bleiben die beiden daheim und beobachten vom Fenster das Treiben draußen.

22.30 Uhr: Florian lässt die Lage keine Ruhe. „Ich bin nochmal runter und habe gefragt, was wir tun sollen.“ Antwort: „Ins Haus gehen und Fenster schließen!“ Gesagt, getan.

Dienstag, 0.05 Uhr: Durch lautes Klingeln wird das Paar aus dem Schlaf gerissen. „Die haben gesagt, dass wir jetzt doch raus müssen“, schildert Sabine. Zeit fürs Packen bleibt nicht.

0.30 Uhr: Sie machen sich auf zum Notquartier in die Katholische Akademie, Mandlstraße. „Dort war alles überfüllt.“ Sie werden weitergeschickt ins Willi-Graf-Gymnasium. Entnervt ruft Florian seinen Bruder an.

0.45 Uhr: Ab ins Taxi zum Arabellapark. Sie wollen nur eins: „Schlafen!“ Zur Not tut es auch eine Matratze in Dominiks Ein-Zimmer-Apartment. „Es hieß ja, am Morgen ist alles vorbei!“

Das Beste draus machen: Sabine und Florian bei ihrem notgedrungen freien Tag.

7:00 Uhr: Aufstehen und Radio an: „Da die Bombe noch nicht entschärft ist, bleibt Schwabing gesperrt.“ Für Sabine, Künstlerin und Werbetechnikerin, ist das ungünstig. Sie sollte eigentlich ein Kinderzimmer bemalen, kommt aber nun nicht an ihre Farben. Und Florian, Investmentmanager für Immobilen, hat in der Wohnung seinen Dienst-Laptop mit allen Daten. „Und mit kurzer Hose und T-Shirt in die Arbeit ist nicht gerade optimal.“

12 bis 15 Uhr: Mittagessen, danach gibt es ein Eis gegen die Langeweile.

16:30 Uhr: Beim Abendandruck der tz keine Entwarnung. Das nervige Warten geht weiter.

19 Uhr: Bruder Dominik kommt heim und holt die beiden zum Abendessen ab. Über Münchner Radiosender und die Internet-Seiten der Tageszeitungen informieren sie sich über die aktuelle Lage.

20.25 Uhr: Die Bomben-Entschärfer geben auf. Es muss definitiv gesprengt werden. Folge: Die Anwohner dürfen keinesfalls zurück in ihre Häuser, weil diese erst bei Tageslicht auf Schäden überprüft werden müssen. Für Sabine und Florian bedeutet das eine weitere Nacht im Notquartier.

21:54 Uhr: Vom 16. Stock des Hochhauses, in dem der Bruder wohnt, schauen sie rüber nach Schwabing. Um exakt 21.54 Uhr gibt’s den großen Knall. Die Bombe ist explodiert.

S. Dorner

Freunde gefunden

Wir haben uns hier gefunden. Wir sind alle mehr oder weniger Nachbarn – von der Bombe! Eigentlich kannten wir uns bisher nur vom Sehen. Aber Not schweißt bekanntlich zusammen. Hoffentlich geht das alles gut!

Hella Kaiser, Inge Pilz, Hermann Zwerger und Gabi Riedl

Auto im Sperrgebiet

Wir wollten nur gemütlich essen gehen – und sind mitten im Bombentrubel gelandet! Unser Auto steht im Sperrgebiet, und wir kommen nicht ran. Dass der Abend so endet, hätten wir nicht gedacht!

Thorsten,Dominik, Benjamin und Emilia Wagner aus Geretsried

Total überrascht

Der Bombenalarm hat uns total überrascht – wir kamen gerade aus dem Englischen Garten. Wir sind erst seit ­einem Monat in München und wohnen in einer WG direkt an der Leopoldstraße. Neu in München – und dann gleich so eine Aufregung!

Lena Hartmann, Selma Horn, München

Bad im Eisbach

Wir wurden um 0.30 Uhr aus dem Bett geklingelt, haben erst um 4.30 Uhr auf den Feldbetten geschlafen. Heute Früh haben wir im Eisbach gebadet und jetzt Einmal-Zahnbürsten bekommen – wer weiß, wie lange wir hier bleiben müssen.“

Rainer Funk (46) und Sohn Moritz (7)

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