30 gefälschte Pässe, 33 Banken betrogen

Das ist Münchens größter Hochstapler

+
Betont gelassengab sich der geständige Betrüger Ali I. vor dem Münchner Landgericht, wo er im Urlaubsoutfit erschien.

München - Ein Schwindler mit vielseitiger Persönlichkeit hat vor dem Münchner Landgericht Betrug und Urkundenfälschung mit einem Gesamtschaden von rund 170 000 Euro zugegeben. Er brauchte das Geld für Kokain.

Die drei oberen Knöpfe des feinen weißen Hemds sind geöffnet, seine grauen kinnlangen Haare hat er säuberlich zurückgekämmt. Mit einem charmanten Lächeln sitzt Ali I. (48) lässig auf der Anklagebank, schlank und gepflegt. Er sieht aus, als würde er in den Urlaub fahren – dabei kommt er gerade aus dem Knast. Denn dieser Mann hat einiges auf dem Kerbholz. Er ist Münchens größter Hochstapler!

Wegen besonders schweren Betrugs in zehn Fällen und Urkundenfälschung in 33 Fällen stand Ali I. gestern vor dem Landgericht München I (Az. 7KLs 244 Js 236001/ 10). Zwischen August 2010 und Januar 2012 hat der Türke mutmaßlich mit 16 verschiedenen Alias-Namen, rund 30 gefälschten Pässen und Dokumenten bundesweit mindestens 33 Banken betrogen – darunter auch die Stadtsparkasse München. Immer wieder fälschte er für die Beratungsgespräche mit den Angestellten Ausweispapiere und Einkommensnachweise – und schaffte es ein ums andere Mal, Konten mit Dispositionskrediten zu bekommen, die er sofort leer räumte und nie mehr ausglich. Den Banken entstand so ein Schaden von rund 160 000 Euro.

Außerdem hat Ali I. sich als Münchner Vermieter ausgegeben und in der Milbertshofener Straße die Wohnung seiner eigenen Mutter im Internet annonciert – von vier potenziellen Mietern kassierte er bereits Kautions- und Abschlagszahlungen in Höhe von einigen Tausend Euro. Dabei war seine Mutter Mieterin der GWG und wollte gar nicht untervermieten – ebenso wenig konnten die Mieter schließlich einziehen.

„Ja, das stimmt, Frau Richterin, ich gebe alles zu“, sagt Ali I. vor Gericht. „Schuld an allem war meine Spiel- und Kokainsucht. Ich war nicht mehr ich selbst und brauchte das Geld, um meine Sucht zu finanzieren.“ Er lächelt milde, schaut betreten zu Boden und gibt den geprügelten Hund. Tatsache ist aber: Ein Gutachter bestätigt den regelmäßigen Drogenkonsum nicht. Auch hier hat Ali I. wohl geflunkert – in der Hoffnung auf ein mildes Urteil. Ihm drohen nun rund vier Jahre Haft. Bereits 2009 wurde der Türke wegen Betrugs verurteilt – aus Geldnot trieb er sein perfides Mehrfachleben dann weiter.

Bleibt die Frage: Wie hat der Mann es geschafft, so viele Menschen um ihr Geld zu bringen? Vor Gericht spricht der gelernte Kraftfahrer respektvoll, fast schmeichelnd zur Richterin. Seine Gehaltszettel hat er zuhause selbst gefälscht, die Pässe haben ihm Mittelsmänner besorgt und am Münchner Hauptbahnhof übergeben. „Es war nicht schwer“, sagt Ali I. Mal gab er sich als Türke, mal als Grieche, Bulgare oder Russe aus – in diese Rollen schlüpfte er perfekt. Selbst vor Gericht verbessert er bei der Verlesung der Anklage die richtige Aussprache seiner Decknamen.

Am Ende fliegt er doch auf – in einem fingierten Beratungsgespräch bei der Bank, in dem auch Beamte sitzen. Längst hat die Polizei ihn im Visier, zu ähnlich sind die Fotos in den gefälschten Pässen. „Ich war froh, als es dann vorbei war“, sagt Ali I. und gibt wieder den Geläuterten. „Auf Dauer war die Masche auch nicht auszuhalten.“

Andreas Thieme

Auch interessant

Meistgelesen

Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Bewährung für Todes-Schubser, Haft für Maxvorstadt-Schützen
Bewährung für Todes-Schubser, Haft für Maxvorstadt-Schützen
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
An die ignoranten Münchner, die ihre Hunde frei laufen lassen
An die ignoranten Münchner, die ihre Hunde frei laufen lassen

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion