Spur führt in die Türkei

Betrüger terrorisieren Münchnerin und erbeuten 1,2 Millionen Euro

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Vorsicht - unbekannter Anrufer: Auch die Betrüger im Fall von Maria M. meldeten sich immer wieder per Telefon.

München - Die Masche ist bekannt, aber leider oft erfolgreich. Betrüger haben eine Münchnerin um 1,2 Millionen Euro erleichtert. Die Polizei steht vor einer schwierigen Aufgabe.

Nein, es war nicht einfach nur Gutgläubigkeit. Es war dieses Überfordertsein, diese Hilflosigkeit. Und dazu kam der endlose Psycho-Terror. Wochenlang riefen Unbekannte immer wieder bei Maria M. (Name geändert) in deren Bogenhauser Wohnung an und gaben sich als Polizeibeamte aus. Jedes Mal redeten sie der 83-Jährigen ein, dass ihr Vermögen nicht sicher sei, dass jemand es auf ihr Geld abgesehen hätte. Bis Maria M. etwas tat, was sich die Seniorin wohl nie verzeihen wird. Sie gab den Fremden 500.000 Euro in bar und Goldbarren im Wert von 700.000 Euro. Nie ergaunerten falsche Polizisten mehr Geld in Deutschland.

Der Betrugs-Rekord: Mitte Januar melden sich die Ganoven erstmals bei der alten Dame, wie der BR berichtet. Sie geben sich als Beamte des Bundeskriminalamtes aus. Als Beweis greifen sie zu einem fiesen Trick: Durch ein Computerprogramm zeigt das Telefondisplay bei Maria M. wirklich eine Nummer der Behörde an. Derweil wird die ganze Anrufaktion aber von einem sogenannten Callcenter in der Türkei aus gesteuert. Die Seniorin aber ist sich sicher, dass sie mit echten Polizisten spricht.

Betrüger warnen Maria M. vor Betrügern

Ein Irrglaube, den die Betrüger gnadenlos ausnutzen. Sie versichern Maria M., dass diese schnellstens ihr Vermögen in Sicherheit bringen müsse, weil es Betrüger auf sie abgesehen hätten. Sie erklären der Dame sogar genau, was sie sagen soll, wenn sie zur Bank geht und das Geld abhebt. Zudem soll sie ein Aktiendepot auflösen. Gewieft zeigen die falschen Polizisten viel Geduld, melden sich immer wieder.

Bis Maria M. den Anweisungen folgt. Als die Bankangestellte fragt, warum die Kundin so viel Geld abheben will, erwidert die 83-Jährige, was ihr aufgetragen wurde: „Ich will das Geld zu Lebzeiten an zehn Großnichten verteilen.“ Um Erbschaftssteuer zu sparen. Sie bekommt alles in bar. Kurz darauf wartet an einem verabredeten Platz eine Frau auf sie, die sich als Botin des BKA vorstellt. Sie werde das Geld an einen sicheren Ort bringen - und verschwindet.

Auch Goldbarren im Wert von 700.000 Euro übergab Maria M. den Betrügern.

19 Goldbarren wechseln den Besitzer

Die Betrüger aber geben noch nicht Ruhe: Sechs Wochen später melden sie sich wieder, erklären, dass alles in Ordnung sei - aber Maria M. solle doch noch ihre 19 Goldbarren, die sie erwähnt hatte, aus dem Bankschließfach holen. Es ist kaum zu glauben: Auch das tut die gutgläubige Dame. Sie packt die ein Kilo schweren Barren in den Kofferraum ihres Wagens und fährt sogar noch selbst zu einem Treffpunkt in Bogenhausen. Dort erwartet sie ein Mann, der ständig mit der „Einsatzleitung“ telefoniert und das Gold „übernimmt“. Das war das letzte Mal, dass Maria M. von den Gangstern etwas hörte.

Jetzt versucht die Polizei, die Profi-Betrüger zu schnappen. Dass die Spur in die Türkei führt - die Bande hat dort ihre Zentrale - macht die Sache nicht einfacher. Fakt ist: Nach dem politischen Wirbel um Präsident Erdogan weigern sich viele Beamte aus der Türkei mit den deutschen Behörden zusammenzuarbeiten. Das wissen leider auch die Gangster.

Auch sie tappte in die Falle

Groß berichtete die tz am Dienstag über den Fall von Elfriede W. Auch die 70-Jährige aus Unterschleißheim wurde Opfer von falschen Polizisten. Genau 23.000 Euro nahmen sie der Rentnerin ab.

Die zwei Männer gaben sich als Oberkommissare aus, behaupteten, sie müssten das Geld der Dame „sichern“, weil die Bank die Kontonummer plus Geheimzahl möglicherweise veröffentlicht. Stundenlang terrorisierten sie Elfriede W. - bis die das Geld übergab.

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