Mordversuch mit Joghurt

Au-Pair-Giftmischerin: Zehn Jahre Haft

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Das Urteil schockte sie: Magdalena B.

München - Eine 29-jährige Polin hatte als Au-Pair in Deutschland 7.000 Euro von ihren Nachbarn ergaunert und versucht, sie zu vergiften. Nun muss sie für über zehn Jahre in Haft.

Sie hat das Vertrauen eines Sollner Rentner-Ehepaars schamlos ausgenutzt. Sie hat das Konto abgeräumt – und sie hat am Ende versucht, die beiden mit vergiftetem Joghurt umzubringen. Dafür hat Magdalena B. (29) jetzt eine hohe Strafe bekommen: Das Landgericht verurteilte sie am Freitag zu zehneinhalb Jahren Haft. Das liegt sogar noch über der Forderung von Staatsanwalt Benjamin Lenhart, der auf neun Jahre plädiert hatte. Verteidigerin Heidi Pioch, die sieben Jahre für genug hielt, sagt: „Dieses Urteil trifft meine Mandantin hart.“

Der Vorsitzende Richter Norbert Riedmann bescheinigte B. „hohe kriminelle Energie“. Das Kindermädchen hatte sich mit Bernd von T. (73) und dessen Ehefrau Maria (70, Namen geändert) angefreundet – sie wohnte in der Nachbarschaft. Sogar die Wohnungsschlüssel wurden ausgetauscht.

Als das Ehepaar Urlaub machte, schlug B. zu. Sie stahl eine EC-Karte und wühlte so lang im Schreibtisch, bis sie die PIN fand. Bis zu 1000 Euro hob die Polin täglich ab, um sich teure Prada-Kleidung und Accessoires zu kaufen. Als der Betrug aufzufliegen drohte, schmiedete B. einen teuflischen Plan: Sie pulverisierte alle Beruhigungs- und Schlaftabletten, die sie fand und mischte sie in den Joghurt aus dem Kühlschrank. „Sie wusste, dass die Eheleute ihren Joghurt selbst ansetzen“, so Riedmann.

Am 29. März 2012 aßen die Opfer den Gift-Joghurt. Dann fuhren sie zur Gymnastik, wo sie in Ohnmacht fielen. Beide erwachten auf der Intensivstation, nachdem die Ärzte ein Gegengift verabreicht hatten. Riedmann: „Wir sind der Meinung, dass die Angeklagte mit direktem Tötungsvorsatz handelte.“

Rechtsprofessor Heinz Schöch, der die Eheleute vertrat, sagte: „Wir wären auch mit neun Jahren zufrieden gewesen. Und: „Meine Mandanten waren beeindruckt von der Sorgfältigkeit des Gerichts."

Eberhard Unfried

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