Dreiste Lügen, elf Vorstrafen

Falsche Anwältin brachte ihre Opfer um alles

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Verurteilt: Betrügerin Elisabeth Z.

München - Sie gab sich als Anwältin aus und missbrauchte schamlos das Vertrauen ihrer Opfer. „Ich muss die Beerdigung meiner Mutter in Raten abstottern“, sagt ein Opfer.

Eine dreiste Betrügerin hat das Leben von Ruth G. (57) jäh verändert. „Ich muss die Beerdigung meiner Mutter in Raten abstottern“, sagt sie verbittert. Die Frau, die ihre ganzen Ersparnisse genommen hat, saß Dienstag auf der Anklagebank: Elisabeth Z. (56), eine Frau, die seit Jahren mit dreisten Lügen ihre Opfer ums Geld bringt. Elf Vorstrafen sind es seit 1999. Der Knast schreckt sie nicht ab.

Im Frühjahr 2009 trafen sich die beiden Frauen am Harras. Ruth G. wartete deprimiert an der Bushaltestelle. Sie hatte ihre schwerkranke Mutter zu pflegen und ihren Job als Angestellte verloren. Elisabeth Z., die kurz zuvor aus der Haft entlassen worden war, sprach sie an. „Sie hat erzählt, sie ist Rechtsanwältin Elisabeth von M.“, so Ruth G.

50000 Euro in bar übergeben

Mit ihren Lügengeschichten erschlich Elisabeth Z. das Vertrauen ihres Opfers. „Ich habe gehofft, eine Anwältin kann mir helfen“, so Ruth G. – und Elisabeth Z. gab sich äußerst hilfsbereit, verfasste eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung für die todkranke Mutter. Unterschrift: „Elisabeth von M.“ Sie bekam spitz, dass Ruth G. 50 000 Euro erspart hatte. „Elisabeth hat gesagt, sie kann das Geld in Österreich mit einer hervorragenden Rendite anlegen.“, so Ruth G. vor Gericht. Das Geld habe sie abgehoben und der Täterin gegeben. Warum ohne Quittung? „Ich habe ihr vertraut“, so Ruth G. „Heute verstehe ich das selber nicht mehr.“

Die falsche Anwältin bestreitet das und fegt Ruth G. an: „Schau deine Jacke an, die habe ich dir bezahlt!“ Unter den Zuschauern regt sich Unmut: „Lügnerin!“

"Vertrauen schamlos ausgenutzt"

Drei Jahre und acht Monate Knast fordert die Staatsanwältin. Verteidigerin Heidi Pioch plädiert „im Zweifel für die Angeklagte“. Das Schöffengericht glaubt allerdings dem Opfer: drei Jahre Knast wegen Betrugs im besonders schweren Fall! Richterin Judith Henkel: „Die Angeklagte hat das Vertrauen der Geschädigten gnadenlos und schamlos ausgenutzt.“

Nach dem Prozess geben sich sieben Zuhörer gegenüber der tz als Opfer der Serien-Betrügerin zu erkennen. „Sie hat meinen Mann Bernd um 60 000 Euro betrogen“, sagt eine Frau. „Er hat sich deshalb umgebracht.“

Eberhard Unfried

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