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Vorsicht, Falle: Lotto, Ebay Kleinanzeigen und WhatsApp – das sind die neusten Tricks von Betrügern in München

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Von: Andreas Thieme

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Manuela Heyder hat eine Mahnung bekommen – Absender soll eine Kanzlei in München sein.
Manuela Heyder hat eine Mahnung bekommen – Absender soll eine Kanzlei in München sein. © ACHIM FRANK SCHMIDT

Es passiert mittlerweile jeden Tag. Per Anruf, per Nachricht oder im Internet betreiben Betrüger Abzocke – und viele Münchner verlieren ihr Geld.

Einige der Maschen sind hinlänglich bekannt, und trotzdem klappt der Betrug immer wieder, wie die Polizei feststellen muss. Doch die Täter sind dreist: Sie entwickeln immer neue Maschen. Zuletzt sind etwa gefälschte Mahnschreiben bei etlichen Münchnern im Briefkasten gelandet, durch die (unberechtigt) Geld eingetrieben wird.

München: Die Betrüger rufen nicht nur Senioren an

Zudem rufen die Betrüger nicht nur Senioren an, sondern schicken mittlerweile auch Nachrichten über WhatsApp oder Ebay an Jüngere. Wie man die Maschen erkennt und wie man sich wehrt – das erklärt unsere Zeitung mit Arno Helfrich, Leiter der Kriminalprävention der Münchner Polizei.

Münchner Betrugsopfer bekommen dubiose Mahnungen

Hier kommt der Betrugsversuch per Brief – so wie bei Manuela Heyder. Wie viele andere Münchner auch, erhielt sie kürzlich eine Mahnung, die insgesamt 289,50 Euro einfordert. Absender ist eine angebliche Anwaltskanzlei mit Sitz in der Maximilianstraße 35a, die Kosten geltend macht für eine „telefonische Anmeldung zu einem Dienstleistungsvertrag“, wie es im Schreiben heißt. Gezahlt werden soll per Bankeinzug: Dafür muss man seine Bankverbindung auf einem bereits vorbereiteten Antwortschreiben angeben, mit dem man den Vertrag kündigt. Für die Forderung wird auch eine Frist gesetzt – was viele Bürger verunsichert. Teilweise zahlen sie den Betrag aus Angst vor schlimmeren Konsequenzen – oder in der Annahme, dass Kinder oder Angehörige sich vielleicht versehentlich bei einem Gewinnspiel angemeldet haben. Tatsächlich ist die offene Forderung eine Lüge. Die Rechtsanwaltskammer München warnt: „Wir weisen nachdrücklich darauf hin, dass unter der angegebenen Adresse keine Kanzlei existiert.“ Und: „Die beiden auf dem Briefbogen genannten Personen Benjamin Kowalski und Michael Schmidt sind keine in München zugelassenen Rechtsanwälte und keine Mitglieder der Rechtsanwaltskammer München.“ Auch die Nummer im Brief könne man nicht anrufen, es kommt nur eine Bandansage der Mailbox. Auffällig: Im Brief sind viele Rechtschreibfehler. „Als Fachmann muss ich sagen: Das ist nicht gut gemacht“, sagt Arno Helfrich.

Den Tätern auf der Spur: Arno Helfrich kennt die neusten Tricks der Gauner.
Den Tätern auf der Spur: Arno Helfrich kennt die neusten Tricks der Gauner. © ACHIM FRANK SCHMIDT

Münchnerin macht schlechte Erfahrung mit falschem Käufer bei Ebay-Kleinanzeigen

Auf Ebay-Kleinanzeigen wollte Karima Wenner das Brettspiel „Here I stand“ verkaufen. Auf ihr Angebot meldete sich eine Interessentin, die um eine ungewöhnliche Abwicklung bat: „Haben Sie etwas dagegen, wenn ich die Lieferung per Ebay-Kurier auf eigene Kosten organisiere und bezahle?“, schrieb die Nutzerin. Auf Wenners Frage, wohin denn, schrieb die Frau nicht etwa die Adresse – sondern kam direkt mit einer abenteuerlichen Geschichte an: Sie sei gerade erst von Moldawien zu ihrem Mann nach Deutschland gezogen und habe deshalb noch keine deutsche Nummer. „Danach hatte ich aber gar nicht gefragt“, sagt Wenner. „Mir kam das komisch vor.“ Zumal die Interessentin dann auch noch nach Wenners Kreditkartendaten fragte, die angeblich notwendig seien für die Zahlungsabwicklung per Kurier. „Wenn man darauf reinfällt, sieht man natürlich weder die Ware noch sein Geld wieder“, warnt Wenner. Ein klarer Betrugsversuch. Denn wenn überhaupt muss der Käufer seine Zahlungsdaten angeben, nicht der Verkäufer.

WhatsApp-Betrüger: Eine relativ neue Masche der Gauner

Auch diese Masche ist relativ neu: Die Betrüger gelangen hier an Telefonnummern und schreiben Empfänger mit der Nachricht an, sie hätten eine neue Handynummer. „Hallo Papa, nicht wundern: Das hier ist meine neue Nummer“: Nach dieser Art beginnen viele der betrügerischen Chatverläufe – oft verbunden mit Emojis oder Herzchen. Doch dann kommen recht schnell die Geldforderungen. Als Vorwand geben die Täter häufig an, das alte Handy sei verloren oder kaputtgegangen und sie könnten kein Online-Banking mehr machen. „Sie versuchen dann Überweisungen in Auftrag zu geben“, sagt Helfrich. „Das klappt leider recht oft – auch in München.“ Obwohl die Polizei bereits mehrfach vor der Masche gewarnt hat. Helfrich zufolge liegen die Schäden meist im vierstelligen Bereich: mal 2500 Euro, ein anderes Mal 4000 Euro. Denn größere Überweisungen schüren schneller einen Betrugsverdacht – bei den mittleren Beträgen sind nicht alle Angehörigen skeptisch.

Schlechte Erfahrung beim Ebay-Kleinanzeigen-Verkauf: Karima Wenner.
Schlechte Erfahrung beim Ebay-Kleinanzeigen-Verkauf: Karima Wenner. © ACHIM FRANK SCHMIDT

Gauner als Polizisten

Die Masche mit den größten Schäden. Vier Millionen Euro waren es im Jahr 2020 in München – 6113 Fälle hat es gegeben. Opfer werden von Betrügern angerufen, die sich als Kriminalpolizei ausgeben. Ihnen wird vorgegaukelt, es habe mehrere Einbrüche oder Raubüberfälle in der Nachbarschaft gegeben und der eigene Name stehe auch auf der Liste der Täter. Einige seien noch vor Ort – man müsse sich deshalb dringend vergewissern, dass es dem Angerufenen gut gehe. Die meisten Opfer haben ab diesem Zeitpunkt große Angst – und willigen teilweise ein, dass die Polizei „zur Sicherheit“ ihre Wertsachen abholt. Tatsächlich eine fiese Lüge. Bargeld, Gold und Schmuck sollen in einer Sporttasche verpackt vor der Haustür abgestellt werden. Ein Beamter komme zum Abholen. Leichte Beute für die Betrüger: Sie sind für die Telefonate geschult und hinterlassen so keine Spuren. Bis zu 30 solcher Anrufe gibt es täglich in Stadt und Landkreis München. Kam es zur vollendeten Tat, verloren Senioren bis zu 500 000 Euro. Mittlerweile schöpfen zum Glück aber einige Verdacht und wählen am Handy den Notruf. Den Tätern drohen bis zu zehn Jahren Haft.

Schockanrufe: Münchner Polizei registriert täglich Betrugsversuche

„Oma, es ist etwas Schlimmes passiert.“ Hier wird dem Angerufenen zum Beispiel vorgegaukelt, dass es einen Verkehrsunfall gab, bei dem ein Kind zu Tode kam. Der Verursacher, angeblich ein Enkel, müsse jetzt von der Polizei eingesperrt werden – es sei denn, man bezahle die Kaution. Meist fällt sie sehr hoch aus, weil das geschilderte Delikt so hoch ist. „Das ist wirklich sehr gemein, denn diese Geschichten belasten die Betroffenen emotional ganz massiv“, sagt Arno Helfrich. Am Telefon hört man oft eine schluchzende Person, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Wollen Angehörige mit ihrem Enkel sprechen, heißt es dann oft, er oder sie sei „dazu gerade nicht in der Lage“. Ein Staatsanwalt erkläre das weitere Vorgehen – für die Angerufenen oft glaubhaft. Helfrich: „Die Täter, die in einem Callcenter sitzen, geben dann einfach den Hörer an ihren Komplizen weiter. Das kriegen die Angerufenen in ihrem Schockzustand aber oft gar nicht mit.“ Täglich registriert die Polizei die Anrufversuche. „Die Dunkelziffer ist hoch“, sagt Helfrich.

Tipps der Polizei

- Auf sein Bauchgefühl hören und sich nicht unter Druck setzen lassen! Die Polizei fordert niemals Wertsachen von Bürgern ein und holt diese auch nicht ab.

- Bei Anrufen Zeit gewinnen. Mit Antworten wie „Ich helfe dir gerne und rufe zurück.“ Dann kann man den Inhalt des Anrufs mit Angehörigen besprechen. Wichtig: Keine vorgegebenen Rückrufnummer wählen, sondern selbst überlegen, wie man den Enkel etc. erreicht.

- Fangfragen überlegen, etwa: „Wie geht es deiner Schwester?“ Das kann ein Enkel nicht beantworten, der keine Geschwister hat – so entlarvt man den Betrüger, der sich als Enkel ausgibt.

- Falls angebliche Angehörige mit Schock-Nachrichten anrufen, sollte man zur Verifizierung eine Frage parat haben, die nur er oder sie wissen kann.

- Nicht sofort auf Mahnschreiben reagieren. Prüfen, ob man wirklich Lotto gespielt hat. Und ob man offene Rechnungen nicht schon bezahlt hat – etwa durch Überweisungsbelege. Bei der Verbraucherzentrale gibt es zudem vorgefertigte Einspruchsschreiben gegen ungerechtfertigte Mahnungen.

- Senioren sollten überlegen, ob sie sich im Profilbild bei WhatsApp oder im Internet zeigen. „So ist man für Betrüger direkt als älterer Mensch erkennbar“, sagt Helfrich. Das gilt auch für den Fall von Kommentaren im Internet: „Wer viele Spuren hinterlässt, bietet potenziellen Betrügern damit auch Informationen über sich an. Täter haben es damit leichter“, warnt der Kriminaler. ANDREAS THIEME

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