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Betrug mit Liebe und Diamanten

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Siegfried O.
Siegfried O.

„Als selbständiger Unternehmer stehe ich erfolgreich meinen Mann“, schwärmte Siegfried O. (60) den Frauen vor, die per Inserat eine Bekanntschaft suchten.

„Meine Augen sind so blau wie der bayerische Himmel.“ Frauen, die seinen schwülstigen Briefen antworteten, kamen sich bald vor wie Weihnachtgänse – sie wurden ausgenommen! Sein beliebtester Trick: Siegfried O. schwatzte ihnen Diamanten zu gewaltig überhöhten Preisen auf.

Wegen siebenfachen Betruges im besonders schweren Fall muss sich Siegfried O. seit gestern vor Gericht verantworten. Obwohl er längst den Offenbarungseid ablegen musste, spielt er auch vor Gericht den großen Geschäftsmann . Und den Herzenbrecher. „Es war eine Liebesbeziehung“, sagt er zu seinem Verhältnis zu Ursula M. (59), der er Diamanten für über 53 000 Euro auf- und einen „Kredit“ über 20 000 Euro abschwatzte. Dass die Klunker nur einen Bruchteil wert sind, habe er nicht gewusst, sagt er: „Vom Großhandelspreis habe ich keine Ahnung.“ Und die Sache mit den 20 000 Euro? „Sie hat mir das Geld geschenkt“, behauptet er. „Er hat mir vorgejammert, er müsse ins Gefängnis, wenn ich ihm das Geld nicht leihe“, sagte dagegen Ursula M. „Ich habe diesem Mann vertraut. Er hat mein Vertauen missbraucht.“

Verbittert sind auch drei weitere Frauen, die per Inserat Kontakt suchten. Auch ihnen quatschte Siegfried O. überteuerte Diamanten auf. Ein Opfer, selbst Filialleiterin einer Bank, legte er doppelt herein: Er versprach, die ihr zuvor verkauften Diamanten für 41 200 Euro weiterzuverkaufen. Sie vertraute ihm die Brillianten an. Jetzt behauptet der Angeklagte: „Sie hat mir die Diamanten geschenkt.“

Es gibt noch mindestens ein weiteres Opfer von Siegfried O. Doch diese, so der ermittelnde Kriminalbeamte, will als Zeugin nicht zu Verfügung stehen: „Sie steht das psychisch nicht durch.“

Siegfried O., der von Wilfried Eysell verteidigt wird, ist bereits wegen Betrugs vorbestraft: Zwei Jahre mit Bewährung. Jetzt drohen ihm mehrere Jahre Knast. Der Prozess geht weiter.

Quelle: tz

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