Betrunkener Arzt: Patientin wäre fast gestorben

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Der Arzt hatte rund zwei Promille im Blut.

München/Dachau - Gabriele H. hängt an Schläuchen in der Intensivstation des Schwabinger Krankenhauses.

Beinahe hätte sie es nicht geschafft – weil Bereitschaftsarzt Dr. Alexander F. sturzbetrunken war, als er bei ihr ankam. Mittlerweile ist der Zustand der 43-Jährigen stabil. Ihre Mutter hat Anzeige erstattet. Sie berichtet nun über den unglaublichen Fall.

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Es ist Samstag, gegen 17.30 Uhr: Gabriele H. geht es immer schlechter, sie hat eine Grippe verschleppt. Mit letzten Kräften ruft sie den Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Der Facharzt für Allgemeinmedizin kommt eine Stunde später – mit zwei Promille im Blut, wie die Polizei später feststellt. Als Mutter Ursula H. gegen 19.15 Uhr in die gemeinsame Wohnung im Landkreis Dachau kommt, ist ihre Tochter zusammengebrochen, kann nicht mehr sprechen. Daneben: Arzt F. – und tut nichts. „Nicht auszudenken, wenn ich erst wie sonst um halb neun heimgekommen wäre“, so die Mutter. Die ganze Wohnung habe nach Alkohol gerochen, der Arzt habe unüberhörbar gelallt und nur versichert, „es sei alles nicht so schlimm“. Er habe noch einen Überweisungsschein ausgestellt und zehn Euro Praxisgebühr kassiert.

Die Mutter und eine Nachbarin werfen den Arzt hochkant hinaus, er torkelt zum Wagen. Die Nachbarin verständigt die Polizei, die den Arzt in seinem Heimatort aufsuchte, eine Blutennahme anordnet und den Führerschein kassiert.

Ursula H. hat den Mediziner wegen unterlassener Hilfeleistung angezeigt. „Wir werden tätig, berufsrechtlich hat der Vorfall Folgen“, sagte Dr. Carola Wagner-Manslau vom ärztlichen Kreisverband Dachau. Wenn nachgewiesen werden könne, dass der Arzt stark alkoholisiert schuldhaft einen Fehler gemacht hat, könne ihn das die Zulassung kosten. Auch Unterlassung kann ein Fehler sein. Als erste Maßnahme werde der Mann nun wohl umgehend aus dem Bereitschaftsdienst genommen.

Dass ihre Tochter sich in einem lebensbedrohlichen Zustand befand, habe F. aber nicht alleine zu verantworten, sagt Ursula H. Denn erst im Krankenhaus stellten die Ärzte fest, dass die Tochter Diabetes hat und verlegten sie nach Schwabing. „Das war knapp.“

Thomas Leichsenring

Quelle: tz

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