Lasterdieb kracht in 20 Autos

"Wieso endet diese Amokfahrt genau bei mir?"

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Hans Dollinger vor seinem zerstörten Auto.

München - 20 beschädigte Autos, über 200.000 Euro Schaden: Das ist die Bilanz der zerstörerischen Fahrt, die in Laim ein betrunkener Fotograf mit einem zuvor geklauten Lkw hingelegt hat.

Am Montag zieht sich noch eine Schneise der Verwüstung durch die Rushaimerstraße in Laim. Auf nicht einmal 100 Metern hat es links und rechts der Straße acht Fahrzeuge erwischt: Zerstörte Fensterscheiben, eingedellte Türen, malträtierte Kotflügel und herunterhängende Stoßstangen. Verkehrsschilder sind verbogen, ebenso wie der Zaun vor Hans Dollingers Elektrobetrieb. Dort endete in der Nacht zum Sonntag die wilde Rauschfahrt eines 26-jährigen Polen mit einem gestohlenen Lkw. Anschließend versuchte der Mann zu fliehen, doch die Polizei konnte ihn kurz darauf festnehmen. Insgesamt 20 Autos beschädigte er – offenbar mutwillig. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf über 200.000 Euro. „Meine zwei Firmenwagen haben Totalschäden“, klagt Dollinger. „Meine größte Sorge ist, dass mir das niemand ersetzt.“

Es war kurz nach Mitternacht am Sonntag, als in der unweit der U-Bahn-Station Laimer Platz liegenden Inderstorferstraße die Anwohner auf die Straße rannten. Da war die Chaosfahrt schon in vollem Gange. Laut Polizei gelang es dem in London lebenden Fotografen – trotz 1,76 Promille – einen an der Inderstorferstraße geparkten Lkw eines Paketdiensts aufzubrechen und kurzuschließen. „Wir wissen nicht, warum er das tat“, so ein Polizeisprecher.

Anwohner berichten, dass der Pole wild schlingernd hin und her fuhr. „Er hat wohl den Gang nicht richtig eingelegt, wir haben von drinnen ein lautes Brummen gehört“, sagt Kerstin Lenz. Ihre vor dem Haus geparkte Mercedes A-Klasse rammte der Pole als Erstes. „Ich habe einen lauten Schlag gehört und bin rausgelaufen“, berichtet die 43-jährige Betriebswirtin. Sie sah, dass jemand links ins Heck ihres Wagens gekracht war, Glasscherben pflasterten die Straße. Glück im Unglück für Lenz: Sie bekommt nächste Woche sowieso ein neues Auto. „Den alten Wagen wollte ich verkaufen, jetzt kann ich ihn wohl verschrotten“, sagt sie gefasst. Ihr Mann Bernd ergänzt: „Das hier ist harmlos, weiter vorne hat der Laster erst so richtig eingeschlagen.“

Entlang der Inderstorferstraße sieht man auch am Montag noch Autos mit eingedrückten Türen, ein Abschlepper lädt gerade einen VW mit demoliertem Seitenspiegel auf. Richtig eskalierte die Fahrt des Fotografen aber erst, als er nach links in die Rushaimerstraße abbog. Dort mähte er Schilder um, stieß auf beiden Seiten der Straße in Autos. Auf Höhe der Hausnummer 62 knallte er erst in den Fiat Doblo von Dollinger, dann in dessen nagelneuen Mercedes Vito, den er in den Gartenzaun drückte. Dollinger war im Haus, als er den Lärm hörte. „Mein Nachbar sagt, dass der Fahrer mehrmals zurücksetzte und wieder in den Vito fuhr – das war Vorsatz!“ Dabei verhakte sich der Lkw jedoch – und der 26-Jährige beschloss, zu Fuß zu flüchten.

Bilder aus Laim

Spur der Verwüstung in Laim: Lasterdieb kracht in Autos

Weit kam er nicht: Die Polizei nahm ihn in der nahen Willibaldstraße fest. Ihm werden Diebstahl, Gefährdung des Straßenverkehrs und Unfallflucht zur Last gelegt. Gestern Abend wurde er dem Ermittlungsrichter vorgeführt.

Ob der Mann für den sechsstelligen Sachschaden jemals aufkommen kann, ist fraglich. Die Polizei verbrachte in der Nacht noch Stunden damit, alle beschädigten Fahrzeuge zu erfassen. Elektromeister Hans Dollinger hat es mit zwei Totalschäden besonders hart getroffen: „Ich bin selbstständig, ohne meine Firmenwagen kann ich momentan nicht arbeiten.“ Er hofft nun, dass die Versicherung des gestohlenen Lkw für Schaden und Verdienstausfall aufkommt. Ein bisschen hadere er schon mit seinem Schicksal: „Wieso endet diese Amokfahrt ausgerechnet bei mir?

Angelo Rychel

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