KVR schlägt Alarm

Bettel-Banden: Jetzt kommt der Sperrbezirk!

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Die Zahl der Bettler hat sich im Vergleich zu 2013 verdoppelt.
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Hauptbahnhof, 12.27 Uhr: Eine Gehbehinderte hält den Becher.
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Sonnenstraße, 14.17 Uhr: Diese Frau sitzt auf dem Gehsteig und hat keinerlei Hab und Gut dabei
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Tal, 14.38 Uhr: Mit einem Hunger-Schild an der Heilig-Geist-Kirche.
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Tal, 14.42 Uhr: Gegenüber an der Sparkasse werden Passanten wieder angeschnorrt.
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In den Zügen treten Bettler häufig als Musikanten auf.
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München - Im Vergleich zu 2013 hat sich die Zahl der Bettler in München verdoppelt. Jetzt reagiert die Stadt und erklärt die Innenstadt zur Bettel-Sperrzone.

In der Altstadt, in U- und S-Bahn, auf der Wiesn, selbst im Umland: Die Münchner treffen immer häufiger auf Bettler. Und immer häufiger verlangen organisierte Banden aufdringlich nach Geld. Darum macht KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle seine Drohung wahr (tz berichtete): Kommende Woche verkündet er eine Allgemeinverfügung für Altstadt und Hauptbahnhof. Sperrbezirk gegen Bettelbanden!

Die Zahlen sind eindeutig: Derzeit sind laut Polizei und KVR schon rund 100 Sammler unterwegs – am Alten Rathaus, am Viktualienmarkt, am Stachus. Eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. „Das Betteln hat in den vergangenen Wochen und Monaten einen Grad erreicht, der uns zwingt, intensiver über Maßnahmen nachzudenken“, sagte Blume-Beyerle schon vor Wochen im Stadtrat. Zwar ist Betteln zumindest in der Fußgängerzone schon verboten, aber mit der Allgemeinverfügung könnte die Polizei die Profisammler notfalls mit Zwang aus dem Herzen der Stadt schaffen.

Dem KVR-Chef geht es dabei ausdrücklich nicht um Menschen, die aus purer Not die Hand aufhalten, um sich und die Kinder über den Tag zu bringen. Das so genannte „stille Betteln“ soll weiter möglich sein. Das Verbot soll nur dem gewerbsmäßigen und aufdringlichen Werben gelten – Sammler, die sich Passanten in den Weg stellen, ihnen hinterhergehen, sie womöglich festhalten. Oder Bettler, die Mitleid mit Behinderungen, Kindern oder Hunden erregen – aber vom Erlös nicht einen Cent sehen, weil sie alles an Hintermänner abgeben müssen.

Laut Polizei seien diese Bettler oft zu viert oder fünft unterwegs und stammten aus den jeweils gleichen Landesteilen der Slowakei, Bulgariens oder Rumäniens. Meist steckten sie selbst in einer Notlage – etwa Schulden –, die Bettel-Bosse gnadenlos ausnutzten, sagt Polizei-Sprecher Oliver Timper. Daher wohl auch die Aufdringlichkeit: Die Bosse kassierten mehrmals täglich die Erlöse ab. Wenn zu wenig herumkomme, könne es Druck geben. „Das ist ein schmaler Grat zur Nötigung.“

Beim vergangenen Oktoberfest war das Betteln erstmals offiziell verboten. Das KVR hat acht Sammler verwarnt und viermal sogar ein Betretungsverbot für die Theresienwiese ausgesprochen – und stets den Bettelerlös einkassiert.

… und jetzt auch in Zügen

In U- und S-Bahn sind sie ein neuer Anblick – Musikanten, die Geld sammeln. „Vor einem Jahr war das kein Thema“, sagt MVG-Sprecher Matthias Korte. „In den vergangenen Wochen fühlen sich immer mehr Fahrgäste gestört.“ Auch ein Sprecher der S-Bahn bestätigt: „Wir bekommen gehäuft Beschwerden.“

Ein Akkordeon-Spieler oder ein Musikanten-Duo spielen auf und ein Mädchen sammelt Geld im Becher. Und wer nichts geben mag, wird damit angetippt. Dabei ist sowohl Betteln wie auch Musizieren in der Bahn verboten. Obwohl die Musikanten immer gültige Tagestickets bei sich haben, holen die Kontrolleure sie aus den Waggons – aber die können einfach in den nächsten Zug steigen.

Darum wollen Bahn und MVG eine gemeinsame Aktion starten – etwa mit Hinweisen im Fahrgast-TV. Am besten sei es, wenn die Passagiere nichts geben, sind sich die Sprecher einig. Dann würde sich das Musizieren nicht lohnen.

Hier ist das Betteln bald verboten

Daran haben sich die Bürger zu halten: Eine Allgemeinverfügung ist ein Verwaltungsakt des Staates, um eine Angelegenheit hoheitlich zu regeln. Das Kreisverwaltungsreferat hat auf diese Weise schon einen Flashmob auf dem Christkindlmarkt verboten und das Surfen auf der Eisbach-Welle auf eigene Gefahr erlaubt. Der bekannteste Fall war bei der Schwabinger Bombe vor zwei Jahren: Da erließ die Stadt eine Sperrzone zur Sprengung. Die Verfügung gegen das organisierte und aufdringliche Betteln soll in der Altstadt und am Hauptbahnhof gelten.

David Costanzo

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