Wie gut greift die Stadt-Verordnung?

Bettler-Banden wieder aktiv!

+
Betteln ist in München keine Ausnahmeerscheinung.

München - Seit gut einem Jahr gilt in München eine Verordnung, die das bandenmäßige und aggressive Betteln rund um den Hauptbahnhof und in der Altstadt untersagt. Doch einer, der es wissen muss, sagt: Es hat sich nichts geändert.

Beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) verzeichnete man in den ersten Monaten nach Inkrafttreten einen Rückgang der Anzeigen. Waren es im August 2014 noch 79, beliefen sich die Verstöße im Januar nur noch auf 15. Mittlerweile habe sich das allerdings bei um die 30 Anzeigen im Monat eingependelt, sagt eine Sprecherin des Kreisverwaltungsreferats.

Bettler-Kontrollen sind nicht einfach.

Und heute? „Es hat sich nichts geändert“, sagt ein Restaurant-Besitzer aus dem Tal. Wenn er morgens in seinen Laden geht, beobachtet er, dass Kleintransporter kommen, aus denen mehrere Bettler steigen. „Etwa am Isar­tor oder am Marienplatz.“ Die Männer und Frauen bleiben nicht lange. „Die Gesichter wechseln.“ Die Probleme bleiben. „Sie sitzen ja nicht nur herum. Die gehen die Passage auf und ab, sprechen die Gäste draußen an jedem einzelnen Tisch an.“ Und schließlich gehe einer herum und sammle das erbettelte Geld ein.

„Einmal habe ich einer älteren Dame eine Semmel gebracht“, sagt der Gastronom. „Sie trug ein Schild mit der Aufschrift ,Habe Hunger‘. Sie sagte, sie wolle kein Brot, nur Geld.“

Nedialko Kalinov kümmert sich für die Caritas um Neuzuwanderer und um Bettler aus Bulgarien. Die Leute, die zu ihm kommen, sind ganz legal in München gemeldet. Und sie sind dem KVR und der Polizei als Bettler bekannt.

Die Banden sind das nicht. „Seit ein paar Monaten hat das wieder drastisch zugenommen“, sagt Kalinov. Überwiegend handle es sich um Rumänen.

Greift die Bettel-Verordnung nicht? Die Stadt hatte Flugblätter mit den neuen Regeln verteilt – der Inhalt in fünf Sprachen übersetzt. Die Bettler stellten sich wohl drauf ein, sind nicht nur in der Altstadt oder am Hauptbahnhof unterwegs, sondern auch in „Haidhausen oder Pasing“, sagt Nedialko Kalinov. Und selbst am Hauptbahnhof betteln wieder Kinder oder Frauen mit Kindern – was laut Verfügung eigentlich untersagt ist.

Jedoch: „Das bandenmäßige Betteln nachzuweisen, ist relativ schwer“, sagt ein Sprecher der Polizei. „Klar, unser Bauchgefühl sagt schon, dass die Bettler zusammenarbeiten.“ Allerdings würde niemand jemals verraten, dass er das Geld wieder abgeben muss und dass ihm etwas passiert, wenn er es nicht tut. „Diese Menschen stehen am Ende der Nahrungskette.“

Und Kalinov ergänzt: „Man vermutet, dass die Leute nur für ein, zwei Monate hier sind und dann in andere Städte weiterziehen.“ Die Bettel-Banden: Sie sind längst zurück.

Nicht alle werden gezählt

Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle hat jüngst auf einen Stadtrats-Antrag geantwortet, in dem ein komplettes Bettelverbot innerhalb des Mittleren Rings gefordert wurde. Blume-Beyerle erwidert, das sei schon rechtlich nicht möglich. Seiner Einschätzung nach ist das aggressive Betteln im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Allerdings: Die Zahl der so genannten „stillen Bettler“ wird nicht statistisch erfasst. Ein objektives Gesamtbild gibt’s also nicht.

Sascha Karowski

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Verkehrslage auf der S7 normalisiert sich
S-Bahn: Verkehrslage auf der S7 normalisiert sich
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Heizkraftwerk Nord sorgt für Zoff im Rathaus
Heizkraftwerk Nord sorgt für Zoff im Rathaus
Münchner kassiert Knöllchen, während er Erste Hilfe leistet
Münchner kassiert Knöllchen, während er Erste Hilfe leistet

Kommentare