Caritas in großer Sorge

Bettler-Flut in München

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Bettler auf Münchens Straßen: Es werden weitere Zehntausende kommen

München - Hilfsorganisationen rechnen mit zehntausenden neuen Zuwanderern aus Bulgarien und Rumänien in den nächsten Jahren – viele landen auf der Straße und betteln. Die Caritas fordert schnelles Handeln.

Im Wohnheim Machtlfinger Straße leben bis zu zwölf Personen in einem Raum, die Notunterkunft in der Pilgersheimer Straße platzt aus allen Nähten. Aber es wird noch enger in München! Hilfsorganisationen rechnen mit zehntausenden neuen Zuwanderern aus Bulgarien und Rumänien in den nächsten Jahren – viele landen auf der Straße. „Mir wird’s Angst, ich mache mir Sorgen um sie“, sagt Wilhelm Dräxler, Migrations-Referent beim Caritasverband.

Schon in den vergangenen sechs Jahren hat sich die Zahl dieser Zuwanderer mehr als verdoppelt. 2011 kamen 2 305 Bulgaren und 3 841 Rumänen, ein großer Teil waren Roma. Das vermeintliche Traumziel München (s. unten) – heuer rechnet die Caritas mit mindestens genauso vielen Zuwanderern.

Dräxler sagt: „In einigen Städten sind 90 Prozent der Roma arbeitslos, sie können von 50 Euro Sozialhilfe nicht leben. Hinzu kommt die Diskrimierung. Sie sagen sich: Lieber ein Ausländer in München sein, als ewig ein Zigeuner in Bulgarien.“ Immer mehr säßen „auf gepackten Koffern“. 2014, wenn die Arbeitnehmerfreizügigkeit dort voll in Kraft tritt, wird die Abwanderung enorm ansteigen.

Hier angekommen, ist die Lebenssituation kaum besser, sagt Dräxler: „Wir bekommen fast täglich Anrufe von Caritas-Stationen, bei denen Zuwanderer gestrandet sind. Sie leiden Hunger!“ In der Anlaufstation im Kloster St. Bonifaz seien bereits zwei Brüder wegen Burnout ausgefallen. „Wir kriegen diese Menschen einfach nicht unter“, klagt Claudia Hämmerling von der Malteser Migranten Medizin.

Die Konsequenz: Immer mehr bleiben obdachlos, müssen betteln. „Und München, das gerne sein Image von der reichen, sauberen und sicheren Stadt pflegt, wird sich verändern“, warnt Dräxler. „Die Armut wird sich deutlicher auf den Straßen zeigen.“

Die Hilfsorganisation fordert schnelles Handeln. Die Caritas wird Politiker einladen und beraten, was zu tun ist.

Eine Möglichkeit sei etwa, den Aufenthalt dieser Zuwanderer EU-rechtlich zu befristen, falls diese keinen Job finden. Dräxler: „Die EU muss Städten wie München außerdem Mittel bereitstellen. Die Stadt muss Unterkünfte organisieren. Ich denke etwa an den alten Bunker am Hauptbahnhof. In einer Stadt wie München darf niemand auf der Straße erfrieren!“

nba

München als Ziel

München bleibt das beliebteste Ziel der osteuropäischen Auswanderer in Deutschland. „In den Heimatländern wird meist nur das Bild vom wirtschaftlich erfolgreichen München transportiert – die Wenigsten erfahren von der angespannten Wohnraumsituation, bevor sie hierher kommen“, sagt Wilhelm Dräxler, Migrations-Sprecher der Caritas München. Westeuropa werde von den Medien als erreichbare Traumwelt dargestellt. „Die prekären Lebensverhältnisse der Unterschicht in Ballungszentren ist selten Thema, ebensowenig gescheiterte Migrationsversuche.“

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