Polizei kontrolliert an Brennpunkten

Bettler-Verbot: So lief der erste Tag

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Trotz der neuen Verordnung tauchten die Bettelbanden am Dienstag wieder in der Altstadt auf.

München - Seit Dienstag gilt die neue Verordnung der Stadt gegen Bettelbanden. Wie verändert das Bettel-Verbot unsere Stadt? Die tz sprach mit Geschäftsleuten und auch einem Mann, der seit Jahren auf der Straße lebt.

Seit Dienstag gilt die neue Verordnung der Stadt gegen Bettelbanden. Immer häufiger waren Gruppen aus Süd- und Osteuropa in der Innenstadt unterwegs und organisierten sich wie Banden – Hintermänner kassierten sie mehrfach täglich ab (tz berichtete). Für Passanten in der Innenstadt oft ein Problem, denn sie wurden teilweise aggressiv angesprochen oder sogar berührt. Damit soll laut KVR nun Schluss sein!

In der ganzen Stadt verteilt die Behörde Flugblätter mit den neuen Regeln – der Inhalt ist in fünf Sprachen übersetzt. Und schon am ersten Tag zeigte sich an den Bettel-Brennpunkten die Wirkung! So etwa in der Unterführung vom Alten Rathaus: Sonst ein beliebter Bettelort, liefen gestern Mittag zahlreiche Fußgänger ungestört hindurch. Von den Bettlern aus Rumänien, Bulgarien oder der Slowakei aber keine Spur. Auch an der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt saß nur ein Bettler – normalerweise ist dies einer der häufigsten Treffpunkte.

Laut KVR kontrolliert ausschließlich die Polizei, ob die Bettelverordnung eingehalten wird. Die Behörde spricht keine eigenen Strafen aus, sondern bearbeitet nur Bußgeldbescheide. Wie verändert das Bettel-Verbot unsere Stadt? Die tz sprach mit Geschäftsleuten und auch einem Mann, der seit Jahren auf der Straße lebt.

Das ist ab sofort verboten:

- Aggressives Betteln z.B. durch Ansprechen, Verfolgen, Beleidigen, Berühren oder in den Weg stellen.

- Bandenmäßige bzw. organisierte Bettelei. Die liegt vor, wenn die Bettler von Dritten dirigiert oder überwacht werden und ihr Geld abgeben müssen. Dazu zählt auch das Reservieren bzw. Verteidigen von Plätzen gegen Konkurrenten.

- Verkehrsgefährdungen durch Bettler, die z.B. die Gehwege blockieren und Fußgänger zum Ausweichen auf den Radweg zwingen.

- Betteln mit oder in Begleitung von Kindern

- Betteln mit Tieren, ohne dass die erforderlichen seuchenrechtlich vorgeschriebenen Papiere mitgeführt werden

- Betteln durch Vortäuschen körperlicher Behinderungen, persönlicher Notlagen oder Vortäuschung künstlerischer Aktionen wie Musik auf defekten Instrumenten etc.

Der erste Polizei-Einsatz

Vor seiner Türe gab es am Dienstag bereits den ersten Polizeieinsatz! Florian Fackler, Geschäftsführer von Holz-Leute am Viktualienmarkt, alarmierte die Beamten, nachdem der Bettler trotz mehrfacher Aufforderung nicht verschwand. „Die Polizei hat ihn mitgenommen“, sagt er. Fackler beobachtete schon öfter, wie die Bettler von den Bandenchefs abkassiert wurden. „Die sind richtig organisiert.“ Früher seien nur „gescheiterte Existenzen“ auf der Straße gewesen. „Die gehören für mich wie in jeder Metropole zum Stadtbild dazu.“ Doch das Münchner Bettel-Problem war zuletzt so schlimm, dass es auch seinen Geschäftspartnern aus dem Ausland schon aufgefallen sei. Ob die neue Verordnung hilft? „Ich glaube, die Zahl geht runter, aber die suchen sich dann bestimmt was Neues!“

Gute Aktion

Von dem Bettlerproblem können Gudrun Schmaruz (63) und Heidi Schenkel (53) von Kamm-Weninger ihr eigenes Lied singen. „Die sitzen hier direkt vor der Tür. Die Verordnung ist eine super Aktion!“, sagen die beiden. Auch die Musikanten nerven sie: „Die spielen immer nur das Gleiche.“ Gegen Bettler generell haben die beiden nichts. „Früher stand hier einer 15 Jahre lang vor der Kirche. Die Leute haben ihm was zum Anziehen gegeben, man hat sich gegrüßt. Aber jetzt ist er weg. Wahrscheinlich ist er gestorben“, sagen sie. Zu Spitzenzeiten seien hier in der Umgebung zehn Bettler, alles Ausländer. „Die Deutschen wurden alle vertrieben!“

Er kämpft um sein Revier

Seit vier Jahren steht Klaus Pirsch auf seinem Stammplatz in der Dienerstraße. Stumm steht er da, in der Hand hält er seinen Hut. „Die aufdringlichen Bettler sind ganz schlimm!“, sagt der 75-Jährige. Er bekommt die Entwicklung in der Münchner Bettelszene hautnah mit: Seit 1978 wohnt der gebürtige Berliner schon in München, seit sieben Jahren muss Pirsch betteln gehen. „Früher, vor 30 Jahren, gab es hier in München nur deutsche Obdachlose, seit 2004 gibt es aber einen Wandel“, sagt er. Seit zehn Jahren seien in der Stadt jetzt viel mehr ausländische Bettler. „Sie kommen aus ganz verschiedenen Ländern. Es gibt hier Rumänen, Russen, Polen und Tschechen“, sagt er. „Seine“ Straße hält er von diesen ausländischen Bettlern frei. Trotzdem sagt er auch: „Diese Leute sind schon arme Schweine. Die betteln und können davon nix behalten!“

Florian Fussek, Andreas Thieme

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