Wohlstand, Zuzug, Baby-Boom

Ganz Deutschland wird älter - nur München nicht

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Alle werden älter - bloß der Raum München nicht.

München - Die Deutschen werden immer älter – aber die Münchner bleiben jung! Wohlstand, Zuzug und die Geburten halten uns und das Umland fit für die Zukunft. Das zeigt eine neue Bevölkerungsprognose.

Deutschland geht am Stock: Das Durchschnittsalter in der Bundesrepublik wird bis zum Jahr 2030 von derzeit 43 auf mehr als 47 Jahre steigen – und fast im ganzen Osten sogar auf über 50 Jahre. Am stärksten wächst die Gruppe der über 80-Jährigen. Ihre Zahl wird bis 2030 um 60 Prozent zunehmen. Das sagt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) voraus.

Einwohner im Münchner Umland bis 2030 (VERGRÖßERN).

Ganz anders in München und dem Umland: Wir sind jetzt schon jünger und altern im Schnitt kaum. In der Stadt steigt das Durchschnittsalter von 42 auf 43 Jahre. Ähnlich sieht es in Freising aus. Im Landkreis München steigt der Wert von 43 genau wie in Erding auf 44 Jahre. Dachau, Ebersberg und Fürstenfeldbruck sollen auf 45 Jahre kommen. Selbst die Starnberger und Bad Tölzer werden mit ihren künftig 46 Jahren noch jünger sein als der Rest der Republik. Baby-Boom und Zug’roaste halten uns jung …
Darum fällt auch die Prognose des Bevölkerungswachstums für das ganze Umland sensationell aus: Im Landkreis München sollen 2030 rund 20 Prozent mehr Menschen leben – deutscher Rekord! Nicht nur für den Landkreis: Die wachstumsstärksten acht Kreise der Republik liegen im Münchner Umland. Da können andere wirtschaftsstarke Regionen wie Frankfurt, Stuttgart und Hamburg kaum mithalten.

So schön das für die Gewinner ist, so bedenklich ist das für die vielen schrumpfenden Landstriche, in denen jeder fünfte Einwohner verloren gehen soll. „Der demografische Wandel droht die Unterschiede zwischen wachsenden und schrumpfenden Regionen zu vertiefen“, sagt BBSR-Direktor Prof. Harald Herrmann.

Noch besser ist nur die Stadt München: Ausgehend vom Jahr 2010 erwarten die Statistiker nämlich bis 2026 steigende Zahlen – auf dann 1 416 200 Einwohner. Allerdings lag die echte Zahl im September schon bei 1 431 624 Einwohner. Die Zukunft hat bei uns also schon begonnen.

Gute Uni und tolles Flair

Max Albert.

Max Albert hat es zum Studieren nach München gezogen. Denn die LMU ist für Jura eine der besten Adressen in Deutschland. Schon während der Schulzeit ist der 20-Jährige oft von seiner Heimatstadt Weißenburg in Franken nach München gefahren, um Freunde zu besuchen. „Das Flair der Stadt hat mir immer schon gefallen. Hier lässt es sich einfach sehr gut leben“, sagt er. Deshalb fiel ihm die Wahl des Studienorts nicht schwer. Inzwischen ist er seit über einem Jahr in München, studiert im dritten Semester und arbeitet nebenbei in einer Anwaltskanzlei. Auch nach dem Studium will er der Landeshauptstadt treu bleiben: „Ich will hier auf keinen Fall weg. Die Berufsaussichten für Juristen sind in München ohnehin besser als anderswo. Also werde ich bestimmt noch lang hier leben“, glaubt der junge Mann.

Für Kinder gibt's viel zu erleben

Florence Kempter.

Warm eingepackt schlummert Max im Kinderwagen. Das Münchner Kindl namens Max Kemper ist gerade einmal zwölf Wochen alt – noch bekommt er vom Geschehen in der Landeshauptstadt wenig mit. Im Jahr 2030 aber wird ervolljährig sein und das Leben in München sicherlich in vollen Zügen genießen. Seine Mama Florence Kempter hat bereits eine siebenjährige Tochter. Für sie hat es Vorteile, dass die Kinder in der Stadt aufwachsen. „Hier kann man viel unternehmen. Es gibt Museen, den Tierpark, und ­gerade wird die Eislaufbahn aufgebaut. Das erreichen wir alles bequem ohne Auto“, erzählt die 39-Jährige. Einen Wermutstropfen hat das Leben in der Stadt aber doch: „Die Krippenplätze sind zu wenig. Ich hab Max schon im dritten Schwangerschaftsmonat angemeldet.“

Drei neue Bürger für die Region

Die glücklichen Eltern mit ihren Drillingen.

Teodora Pfeiffer (39) und Andreas Kindt (48) haben gleich dreifach zum Bevölkerungswachstum in der Region beigetragen. Denn seit 31. Oktober sind die beiden Eltern von Drillingen. Daniel, Justin und Sophie (von links) werden 2030 ihren 18. Geburtstag feiern und passen dann perfekt ins jugendliche Oberbayern. Dass die Familie dann noch hier leben wird, ist für Pfeiffer sicher. „Wir wollen am liebsten für immer bleiben. In München passt alles. Man kann große Einkäufe erledigen oder ins Theater gehen“, sagt die 39-Jährige. Und ihr Mann ergänzt: „Die Gegend ist in Deutschland einzigartig. Wir können hier gut arbeiten und leben.“ Das Paar ist vor zwei Jahren aus der Nähe von Hanau nach Inning am Ammersee gezogen. Die Drillinge bleiben momentan noch in der Frauenklinik an der Maistraße und erholen sich.

... aber die Zahl der Pflegefälle steigt

Deutschland altert, weil die Menschen immer länger leben. Und damit wächst auch die Zahl der Pflegebedürftigen. Das zeigt der neue Pflegereport 2030 der Bertelsmann Stiftung. Demnach steigt die Zahl der Senioren, die sich nicht mehr allein zurechtfinden, um rund 47 Prozent! Statt zuletzt 2,3 Millionen wird es 3,4 Millionen Pflegebedürftige geben – bis 2050 sogar 4,5 Millionen. Aber die Zahl der Pflegerinnen und Pfleger wird nicht in gleichem Umfang mitwachsen. In Zukunft fehlen der Studie zufolge eine halbe Million Vollzeitkräfte. Pflegenotstand! Dieser Trend wird nicht an uns vorübergehen...

München und das Umland – und speziell der Landkreis – liegen auch hier ganz vorne: Für den Landkreis München erwarten die Forscher bis 2030 gar die Verdoppelung der Pflegebedürftigen, dann fehlen 2500 Helfer. In der Stadt prognostiziert die Studie nur einen durchschnittlichen Zuwachs von 48 Prozent – damit würden 4200 Pfleger händeringend gesucht.

„Der drohende Pflegenotstand ist längst bekannt“, sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Darum müssten die Grundsätze „Reha vor Pflege“ und „ambulant vor stationär“ noch stärker gelten. Dafür müssten die Kommunen mehr Geld bekommen.

Beate Winterer / David Costanzo

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