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Ude warnt: Zu viele Reiche, zu viele Arme

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Von: Nina Bautz, David Costanzo

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© picture-alliance/ dpa

München - Der Zensus 2011 war die erste gesamtdeutsche Volkszählung seit 1987. Jetzt gibt’s daraus die ersten Ergebnisse für München und die Region. OB Christian Ude findet kritische Worte.

 Welcher Landkreis hat mehr Frauen als Männer? Hat München mehr Singles als das Umland? In welchem Landkreis gibt’s die meisten Pendler – und wo die meisten Ausländer? Über diese und andere Fragen gibt das aktuelle Quartalsheft des Statistischen Amts in München Auskunft.

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Christian Ude © dpa

Der Großraum München hat demnach einen überdurchschnittlich starken Bevölkerungsanstieg. Keine große Überraschung. Aber: Während der Anstieg in den 34 Jahren bayernweit bei 13,7 Prozent liegt, sind es in Erding 40,9 Prozent mehr und in Freising 37,8. Die Stadt München verzeichnet vergleichsweise nur 13,7 Prozent mehr.

Interessant ist die Verteilung von Männern und Frauen: Überall liegt der Frauenanteil leicht über dem Männeranteil (München 51,7 Prozent). In Freising allerdings ist das Verhältnis ausgeglichen.

München bleibt die unangefochtene Stadt der Singles! Hier sind 34 Prozent ledig – am wenigsten Ledige über 18-Jährige gibt’s im Landkreis Ebersberg.

Das Alter: In München gibt’s wegen der niedrigen Geburtenquote und der vielen Zugezogenen, die erst im arbeitsfähigen Alter herziehen, die wenigsten Einwohner unter 18 Jahren (14,5 Prozent). Die meisten Jungen gibt’s mit 25,5 Prozent in Ebersberg. Die wenigsten älteren Mitbürger über 65 Jahre leben in Freising mit 15,1 Prozent, die meisten in Miesbach mit 21,6 Prozent. In München sind 18 Prozent über 65 Jahre alt.

Bei denen, die ein Homeoffice haben, gibt es große Unterschiede: In München gehen 8,6 Prozent ihrer Tätigkeit von zu Hause aus nach, in den Landkreisen Ebersberg und Starnberg dagegen arbeitet fast jeder Dritte von zu Hause (32,4 Prozent). Bei den Pendlern, die zum Arbeitsplatz in eine andere Region fahren, liegt Ebersberg mit 73,4 Prozent vorne, Bad-Tölz-Wolfratshausen hat unter den Landkreisen die geringste Quote. In München mit seinem großen Angebot an Arbeitsplätzen fährt nur fast jeder fünfte (19,5 Prozent) weite Wege zur Arbeit. Interessant: Wegen der vielen Pendler, die rein kommen und der geringen Zahl der Pendler, die rausfahren, halten sich in der Stadt München tagsüber über 1,5 Millionen Menschen auf!

nba/ swa/ ra

Wachsende Armut: Ude warnt vor Zuwanderung

Was kommt da auf die Stadt zu? OB Christian Ude (SPD) nannte die Zuwanderung seine „brisanteste Überlegung“ zum Schluss seiner mehr als einstündigen Rede zum Haushalt der Stadt: „Sie wird den Stadtrat noch Jahrzehnte beschäftigen.“ Der OB warnt dabei zum einen vor dem Zuzug der Reichen mit ihren Milliarden, die das Wohnen immer teurer machen. Ude meint zum anderen aber vor allem die „Armutswanderung“.

Zusammengenommen sagt der OB: „In München haben wir das Gefühl, dass wir langsam des Guten zu viel Abbekommen: Zuzug vom Land, Zuzug aus anderen Bundesländern, Zuzug aus anderen Ländern Europas, Flüchtlinge aus aller Welt, Fachkräfte aus aller Herren Länder.“ Im vergangenen Jahr seien die meisten Zuwanderer aus aus den EU-Beitrittsländern im Osten gekommen – Rumänien, Polen, Bulgarien – sowie aus den südlichen Krisenländern Griechenland, Italien und Spanien. Die Türkei komme überhaupt nicht mehr vor

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Unter den Zuwanderern seien zwar Fachkräfte. „Aber ein großer Teil ist wenig qualifiziert und arm. Das ist eine der Ursachen, warum wir es mit wachsender Armut in der Stadt zu tun haben und mitwachsender Wohnungsnot.“ Am 1. Januar bekommen Rumänen und Bulgarien in der EU die volle Freizügigkeit, sie können sich dann völlig unbeschränkt niederlassen.

Ude sieht die Hände gebunden. Das sei kein Versagen der Stadt. „Gerade die gute Wirtschaftslage und hohe Sozialstandards lösen den Zuzug armer Menschen aus.“ Die Spaltung der Stadtgesellschaft in preistreibenden Reichtum und ohnmächtige Armut werde zunehmend als bedrohlich empfunden.

Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) glaubt, dass die Zuwanderung ab 2014 zumindest nicht dramatisch steige. Sie kündigt an, dass die Stadt nur Nothilfe leisten könne – Wärmestuben, medizinische Versorgung in Notfällen und den Schutz der Kinder. „Alles weitere müssen die Zuwanderer selber besorgen.“

David Costanzo

Ausländeranteil München + Region

München20,9 %
Landkreis Dachau10,3 %
Landkreis Ebersberg7,8 %
Landkreis Erding6,3 %
Landkreis Freising10,2 %
Landkreis Fürstenfeldbruck8,7 %
Landkreis Landsberg am Lech4,8 %
Landkreis München11,4 %
Landkreis Starnberg9,1 %
Landkreis Miesbach7,5 %
Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen7,0 %
Bayern8,2 %

Er braucht eine Stunde zur Arbeit

Alexandros Petrigis (42, verheiratet) lebt in der Isarvorstadt in einer

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Zwei-Zimmer-Wohnung zur Miete. Nach seinem Universitäts-Abschluss erlernte er den Beruf des Bankkaufmannes. Vor 13 Jahren kam Petrigis aus Griechenland nach Deutschland und fand über die Zeitarbeit in seine jetzige Festanstellung. Seinen täglichen Arbeitsweg quer durch München legt er mit der U-Bahn zurück und braucht eine Stunde. Er besitzt ein MVV-Monatsticket.

Pendeln oder Arbeiten von zuhause aus

GebietArbeit im OrtHome OfficeEinpendlerAuspendler
München596.95051 340354.670144.900
Landkreis Dachau21 170513031 01056 950
Landkreis Ebersberg18 120587032 23050 110
Landkreis Erding22 430608038 22049 290
Landkreis Freising30 890610052 16061 900
Landkreis Fürstenfeldbruck28 750747039 35077 650
Landkreis Landsberg am Lech19 100551021 30041 280
Landkreis München43 53013610158.410119.660
Landkreis Starnberg23 050747034 50041 810
Landkreis Miesbach19 020464025 49030 860
Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen25 670625026 82038 770
Bayern2.916.720462.3903.388.5103.608.080

München: Abiturienten-Sieger!

Wie schaut’s mit der Bildung aus (siehe Tabelle unten)? In der Stadt München ist der Anteil der (Fach-)Abiturienten mit 48,4 Prozent am höchsten. Unter den Landkreisen hat Starnberg die meisten (42,2 Prozent), während im Landkreis Erding nur 22,5 Prozent der über 15-Jährigen eine Hochschulreife haben.

Entsprechend höher ist in Erding der Anteil der Haupt- und Volksschulabsolventen (43,8 Prozent) beziehungsweise derjenigen mit Mittlerer Reife (28,2 Prozent). In München allerdings gaben nur 20,5 Prozent Mittlere Reife als höchsten erreichten Abschluss an.

Die meisten Einwohner mit 15 Jahren ohne Schulabschluss (da fallen auch künftige Abiturienten darunter) gibt’s in München mit 6,2 Prozent, die wenigsten im Landkreis Miesbach mit 4,8 Prozent. Damit liegen alle Umlandregionen, auch München, unter dem bayernweiten Durchschnitt von 6,3 Prozent.

Auch bei den Erwerbslosen führt München die Tabelle an: Mit 2,1 Prozent ist der Wert für die Stadt höher als in den Landkreisen. Hier liegt der Anteil zwischen 1,2 Prozent in Dachau, Freising und Miesbach und 1,6 Prozent in Starnberg. Der bayernweite Schnitt der Erwerbslosen liegt bei 1,7 Prozent.

Schulabschlüsse der über 15-Jährigen

Ohne AbschlussHauptschuleMittlere Reife(Fach-)Abitur
München73 370292.260240.500568.560
Landkreis Dachau720049 13029 47030 140
Landkreis Ebersberg515035 98027 53036 020
Landkreis Erding569045 76029 43023 500
Landkreis Freising819051 23033 83042 700
Landkreis Fürstenfeldbruck937058 64044 78058 650
Landkreis Landsberg am Lech483037 06025 18026 630
Landkreis München12 96071 75065 690113.900
Landkreis Starnberg532029 09027 65045 390
Landkreis Miesbach386033 42019 08023 250
Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen556040 72025 15028 590
Bayern663.8904.630.7202.534.4102.757.030

David Costanzo

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