Kindesentziehung wird bestraft

Nur Bewährung für Allgäuer Islamistin

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Andrea B. wurde schwer bewacht in den Gerichtssaal geführt.

München - Sie wollte im Heiligen Krieg für Allah sterben – deshalb zog Verkäuferin Andrea B. (30) im Januar 2014 vom Allgäu nach Syrien und nahm ihre zwei kleinen Töchter (heute 4 und 7) mit. Dafür wurde sie nun vom Münchner Landgericht bestraft.

 Urteil im Terrorprozess: ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung. Aber nur wegen Kindesentziehung! Die Vorbereitung einer schwer staatsgefährdenden Straftat konnte ihr nicht nachgewiesen werden. Die Islamistin bleibt also weiter auf freiem Fuß.

„Ich wollte in Syrien nur humanitäre Hilfe leisten“, sagte Andrea B. aus – und stritt die Anklagevorwürfe ab. Mit schwarzer Bluse und türkisem Kopftuch erschien sie zum Prozess, sprach klar und eloquent. Als ginge es nur um eine Reise! Dabei lebte B. mit ihren Töchtern monatelang im Kriegsgebiet. „Mir wurde gezeigt, wie ich eine Kalaschnikow reinige und entsichere. Aber geschossen habe ich nie.“ Richter Norbert Riedmann glaubte, dass sie nur zur Verteidigung Waffen im Haus hielt. Diese legte sie aber sogar ihren kleinen Töchtern in den Schoß und machte davon Fotos. Laut Staatsanwältin Judith Henkel „schwer erträgliche Bilder“ – sie hatte drei Jahre Knast gefordert.

„Ich weiß, ich habe nicht den besten Ort für meine Kinder ausgesucht. Aber wir waren dort sicher“, behauptet Andrea B. Tatsächlich wechselte sie mit anderen Anhängern der Terrorgruppe Jabhat al-Nusra alle paar Wochen das Quartier – aus Angst vor Anschlägen durch den Islamischem Staat (IS). Täglich hörte sie, wie Bomben und Granaten explodieren. „Die Erde zitterte.“ Ein Schock für die Kinder! „Absolut unverantwortlich“, rügte der Richter.

Und dennoch: „Ich habe in Syrien viele Sachspenden verteilt. Verbandszeug, Gehhilfen und Blutdruckmessgeräte“, sagte B. An der Front sei sie nie gewesen. „Dort durften Frauen nicht hin. Um uns herum haben Männer nur die Straßen und Städte gesichert. Die Grenze zur Türkei war immer erreichbar.“

Erst im Mai 2014 kehrte sie nach Deutschland zurück. „Aber nur, weil sie ihre Kinder gefährdet sah“, glaubt ein Polizei-Fahnder. „Ich möchte wieder bei ihnen sein – und mich bei meiner Familie entschuldigen“, sagte Andrea B., die bereits neun Monate in U-Haft saß. Ihre Töchter leben mittlerweile bei Ex-Mann Fevzi Ü. (28). Das Sorgerecht hat Andrea B. verloren.

Auszüge aus Andrea B.’s Chatprotokollen

„Wenn die Ungläubigen kommen, schieße ich ihnen in den Kopf. Sie würden uns auch vergewaltigen oder den Kopf abschneiden.“

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„Allah weiß, was das Beste ist für uns. Wenn er mir meine Kinder nimmt, wird es richtig sein. Dann sehen wir uns im Paradies wieder.“

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„Wenn Assads Soldaten kommen, sprenge ich uns in die Luft. Sie werden mich nicht kriegen.“

Andreas Thieme

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