Ex-Fischerstüberl-Wirt trauert um seine Frau

Die bewegende Geschichte hinter dieser Todesanzeige

Diese Traueranzeige ist am Mittwoch erschienen

München - Der ehemalige Fischerstüberl-Wirt Heribert Kandler hat seine Frau verloren. Er hat für sie eine Traueranzeige geschaltet, die ihr gefallen hätte – „und die so besonders ist, wie sie es war.“

Heribert Kandler (63) hat seine Frau verloren (den Gips trägt er wegen eines Hundebisses)

Am Ende konnte Heribert Kandler (63) seiner geliebten „Mäusi“ nur noch die Hand halten und ihr auf dem letzten Weg Wärme spenden. Gehört hat ihn seine Iris nicht mehr. Viel zu schnell hat sie die Krankheit mit 62 Jahren dahingerafft. Das Letzte, was der ehemalige Wirt des bekannten Fischerstüberls für sie tun kann: eine Traueranzeige zu schalten, die ihr gefallen hätte – „und die so besonders ist, wie sie es war.“

Die Anzeige zeigt ein farbiges Foto von Iris aus jungen Jahren. Strahlend und mit einem bunten Blumenkleid. Daneben steht nur: „Ich bin nicht mehr“, darunter das Sterbedatum: Freitag 19. Juli 2013, 22.34 Uhr. Kein Name, kein Spruch, kein Wort zur Trauerfeier. In der tz erklärt der Ehemann, warum er das so wollte.

Das Ehepaar in glücklichen Tagen

47 Jahre gehen Heribert und Iris ihren Weg gemeinsam. „Wir kennen uns seit unserer Zeit am heutigen Pestalozzigymnasium“, erzählt er der tz. 29 Jahre sind die beiden verheiratet. In der ersten Zeit sind sie sehr aktiv: Er 25 Jahre lang als Wirt der Kultkneipe in der Lindwurmstraße, sie als Modegrafikerin. Gemeinsam bereisen sie die ganze Welt. In den letzten Jahren genügen sich die beiden selbst, genießen die Ruhe in ihrem Lochhausener Häusl mit Garten und Hund. „Den Eingang hat meine Frau zu den Festtagen immer aufwändig geschmückt, die Leute sind immer extra bei uns vorbei gegangen.“

Iris lebt die letzten Jahre zurückgezogen – um ihr diese Ruhe auch nach dem Tod zu geben, erwähnt ihr Mann auch die Beerdigung in der Todesanzeige nicht. „Lebensfroh war sie trotzdem bis zuletzt.“ Genau diese Freude am Leben macht der Münchnerin aber auch zu schaffen. „Sie ist oft daran verzweifelt, dass die Menschen irgendwann gehen müssen, dass dann einfach alles vorbei ist. Da hat sie dann immer gesagt: ‚Eines Tages bin ich auch nicht mehr.‘“ Daher auch der Satz in der Anzeige: „Ich bin nicht mehr.“

Dass der Tod auch ihr so nahe ist, wollte Iris nicht wahrhaben. Schon vor fünf Jahren beginnen bei ihr die ersten Probleme mit der Leber, auch wegen der starken Medikamente, die sie nach schlimmen Entzündungen nehmen muss. „Aber nach ein paar Tagen im Krankenhaus war sie immer wieder fit“, erinnert sich Heribert.

Todesanzeigen der Verlagsgruppe im Internet: trauer.de

Vor eineinhalb Wochen bei einer Punktion wegen einer möglichen Lebertransplantation in Großhadern holt sie die Realität ein. Es kommt zu einer inneren Blutung, gleichzeitig streikt die Leber, immer mehr Wasser lagert sich ein. Künstliches Koma. „Meine Frau hat mal 44 Kilo gewogen, am Ende war der ganze Körper voll Wasser und der Bauchraum voll Blut – sie wog 85 Kilo.“ Die Ärzte schalten alles ab bis auf die Beatmung. Kurz darauf macht Iris ihren letzten Atemzug.

Nach so vielen gemeinsamen Jahren muss Heribert nun lernen, ohne seine Frau zu leben. „Jetzt ist meine Mäusi wirklich nicht mehr."

Nina Bautz

auch interessant

Meistgelesen

Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager

Kommentare