Die Konzertkritik

Beyoncé verzaubert die Olympiahalle

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"The Mrs. Carter Show" heißt die aktuelle Welttournee von Beyoncé.

München - Makelloses Aussehen, grandiose Stimme und beeindruckende Tanzeinlagen. Beyoncé hat am Mittwochabend in der Münchner Olympiahalle begeistert. Zur Konzert-Kritik.

Ganz am Schluss steht Beyoncé einfach nur da. Die Augen geschlossen, mit einem verträumten Lächeln auf den Lippen badet sie im Jubel der Menge. Und es scheint so, als sei inmitten einer durchinszenierten Show tatsächlich Platz für Emotionen. Als habe diese Frau, oft als „the hardest working woman in show business“ bezeichnet, einfach nur Spaß an ihrem Beruf.

Um es kurz zu machen: Mrs. Carter sieht auf der Bühne genauso makellos aus wie in ihren glamourösen Videos. Ihre Stimme ist grandios – auch ganz ohne technische Hilfe wie bei der Vereidigung von Barack Obama. Und tanzen kann sie auch! Es wäre also gar nicht nötig, wirklich den kompletten Baukasten für moderne Popspektakel auszuschlachten: Konfettiregen, Nebel, Feuerwerk, Videowürfel, eine schwebende Videowand, acht Musikerinnen, drei Background-Sängerinnen mit beeindruckenden Resonanzkörpern, ein Haufen durchtrainierter Tänzer und ein knappes Dutzend verschiedene Outfits. Das alles hat man so oder ähnlich schon mal gesehen, doch Beyoncé bastelt aus diesen Zutaten ein aufregendes Gesamtkunstwerk: irgendwo zwischen Videoanimation, Tanztheater und Popkonzert.

Tja. Es gibt so viel zu sehen, dass die Fans, die sich vor dem Konzert mit „La ola“ eingestimmt hatten, fast überwältigt wirken. Spätestens bei „Why Don’t You Love Me“ möchte man ihnen zurufen: Hört auf, mit Euren Handys verwackelte Videos zu machen und fangt an zu tanzen! Sogar Beyoncé selbst scheint ein wenig ungehalten und fordert mehrfach zu mehr Einsatz der zahlenden Kundschaft auf. Sie ist mehr Begeisterung gewohnt: In London hat sie unlängst gleich sechs Mal die O2-Arena gefüllt. In der Olympiahalle bleibt in der Arena noch Platz.

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Der Bann bricht, als die Sängerin an einer Art Ankerhaken durch die Halle fliegt, um hinten auf einer kleineren Bühne das Spektakel etwas herunterzufahren. Mrs. Carter spielt mit ihrem Publikum, das nun fleißig mitsingt („to the left, to the left“). Zur Belohnung gibt den Destiny’s-Child-Klassiker „Survivor“. Dass die Videoleinwand am Ende Probleme bereitet? Egal. Beyoncé singt lieber ein Tribut an Whitney Houston („I Will Always Love You“). Fast ohne Schnickschnack. Spätestens jetzt ist es ein richtig gutes Konzert.

Mike Schier

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