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Biber in München: Nager haben Hunger - und fällen Bäume an der Isar und der Würm

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Von: Claudia Schuri

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Das Werk des Bibers: An der Brudermühlbrücke haben die Tiere mehrere Bäume gefällt.
Das Werk des Bibers: An der Brudermühlbrücke haben die Tiere mehrere Bäume gefällt. © Stanuschewski

Der Biber ist wieder heimisch in München – und knabbert gerade im Winter fleißig Bäume an. Naturschützer freuen sich trotzdem über die Rückkehr der pelzigen Nager.

München - Gefällte Bäume und angeknabberte Stämme überall am Flaucher. Und an der Brudermühlbrücke liegen gleich mehrere Bäume nebeneinander am Boden. „Was ist da los?“, fragen sich derzeit viele Spaziergänger an der Isar. Die Antwort: Der Biber hat Hunger! „Im Winter gibt es kaum andere Nahrung, deshalb müssen die Biber auf Bäume und Rinde zurückgreifen“, erklärt Angela Burkhardt-Keller, Biberexpertin beim Bund Naturschutz. Im Sommer dagegen genießen die Tiere oft Gräser, Kräuter und andere Pflanzen. „Und weil alles grün ist, fällt es dann auch nicht so auf, wenn sie an einem Baum nagen“, sagt Burkhardt-Keller.

Biber-Familien wieder in München: Bürger wegen gefällter Bäume besorgt

Ein Biber schaut aus dem Wasser hervor. Auch in München sind die Tiere wieder heimisch.
Der Biber ist eine streng geschützte Art - und inzwischen auch in München wieder heimisch. © Felix Heyder/dpa

Sie schätzt, dass es etwa 80 bis 100 Biber in der Stadt gibt. Ihre Zahl ist stabil. „Alle Reviere sind besetzt“, berichtet sie. Biber leben im Familienbund. „Mit ungefähr zwei Jahren müssen die Jungen im Frühsommer das Revier verlassen und sich ein eigenes suchen.“ Weil die Zahl der Reviere begrenzt ist, kann sich auch die Biber-Population nicht unbeschränkt vergrößern. Immer wieder kommt es zu Revierkämpfen. Übrigens: Wenn die Jungen ausziehen, sind die Chancen auch am größten, die putzig aussehenden Tiere in der Dämmerung beobachten zu können.

In München leben rund 20 Biber-Familien. Geschätzt drei davon sind zwischen der Großhesseloher Brücke und dem Deutschen Museum heimisch. Auch im Englischen Garten, im Pasinger Stadtpark und im Schlosspark Nymphenburg haben sich die Tiere angesiedelt. „Die Größe der Reviere hängt vom Nahrungsangebot ab“, erklärt Burkhardt-Keller.

Die Biber vernichten sicher nicht den Baumbestand

Bund Naturschutz-Expertin Angela Burkhardt-Keller

Biber sind eine geschützte Art. Doch viele Bürger sind wegen der gefällten Bäume besorgt. Angela Burkhardt-Keller beruhigt: „Die Biber sind keine Bedrohung und vernichten sicher nicht den Baumbestand.“ Bäume, die auf keinen Fall angenagt werden dürfen, würden mit Drahtgittern geschützt. Und: „Biber bevorzugen Baumarten, die schnell wachsen wie Weiden und Pappeln“, sagt sie.

Konflikte gibt es an einigen Orten in Bayern auch, weil Biber Wasser aufstauen. „In München ist das kein Problem“, sagt Burkhardt-Keller. Mit der Stauung würden die Tiere dafür sorgen, dass die Biberburg unter Wasser liegt. „Das ist bei der Isar und der Würm sowieso schon der Fall, erklärt sie. Die Expertin freut sich über die Tiere. „Biber leisten viel für den Umwelt- und Artenschutz“, sagt sie. „Sie sind Lebensraumgestalter. Biberreviere beherbergen oft Arten, die normalerweise in Auwäldern sind.“

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