200 Jahre: Augustinerkeller zwischen gestern und morgen

+
Der Augustinerkeller ist Münchens ältester Biergarten. Er wird gerade umgebaut.

München - Der Augustinerkeller ist Münchens ältester Biergarten - seit 200 Jahren wird hier ausgeschenkt. Die tz begibt sich auf Spurensuche und gratuliert herzlich zum Geburtstag.

Auf diesen Geburtstag stoßen wir gerne an: Die Biergärten feiern heute 200. Jubiläum! Am 4. Januar 1812 wurde den Bierbrauern erstmals erlaubt, auf ihren Lagerkellern auszuschenken - der Biergarten war geboren.

Das wird gefeiert: „200 Jahre Biergarten“ ist das Thema des Tourismusjahres 2012, das das Tourismusamt München mit Brauereien, Wirten und dem Tourismusverband München-Oberbayern organisiert. Heute fällt der Startschuss in Münchens ältestem Biergarten, dem Augustinerkeller. Um 11.30 Uhr zersägen Tourismus-Chefin Gabriele Weishäupl und Augustiner-Chef Jannik Inselkammer einen Eisblock - damit wurde früher das Bier gekühlt (siehe unten). Auch die Besucher dürfen sich beim Eisschneiden versuchen, zudem gibt’s 200 Liter Freibier, Blasmusik und Führungen durch den historischen Eiskeller mit Filmen.

Münchens ältester Biergarten, der Augustinerkeller in der Arnulfstraße, feiert heuer gleich zweimal: Der Biergarten wird 200 Jahre alt, und seit 150 Jahren gehört das Anwesen der Augustiner-Brauerei. Im Moment wird der Biergarten renoviert - im März soll alles fertig sein. Die tz hat sich auf der Baustelle umgesehen.

Augustinerkeller zwischen gestern und morgen

Das Wirtepaar Christian und Petra Vogler.

Ein riesiger Kran schwenkt auf dem Gelände, am Boden wuseln die Bauarbeiter: Der Umbau des Augustinerkellers in der Arnulfstraße geht in die heiße Phase. Die neuen Buden stehen schon! „Wir hatten Glück mit dem milden Winter - die Renovierung läuft schneller als geplant“, sagt Augustinerkeller-Wirt Christian Vogler. Die alten, zugigen Standl hatten die Bagger schon im Herbst abgerissen. Mittlerweile stehen schon die drei neuen Buden, auch das Dach ist schon drauf. Sie kriegen eine moderne Küche im Keller, damit die Mitarbeiter direkt vor Ort kochen können und warme Speisen wie Haxn und Knödl nicht mehr mit dem Handwagen in den Biergarten fahren müssen.

Das neue Holzfasskühlhaus steht ebenfalls schon. Hier haben künftig 30 Fässer à 200 Liter Platz, die die Besucher durch ein großes Fenster im Blick haben. Darunter entsteht eine weitere Damentoilette, damit sich an gut besuchten Sommertagen nicht alles vor der alten Anlage staut. Die alten Standl im Selbstbedienungsbereichbereich werden ebenfalls erneuert - Wirt Christian Vogler plant sogar eine direkte Verbindung der Hütten zum Gasthaus. Der Spielplatz soll neue Geräte auch für ältere Kinder bekommen. Auch das in die Jahre gekommene kultige Klohäusl mit den Pissoirs, die „Befreiungshalle“, wurde plattgemacht. Es soll aber im neuen Biergarten wieder einen Platz erhalten - inklusive Originalschild. „Wo es genau hinkommt, steht noch nicht fest“, sagt Vogler. Bis zur nächsten Biergartensaison soll der Umbau abgeschlossen sein: „Wir rechnen mit März.“

Das Bier wurde früher mit Natureis gekühlt

So sahen die Eiskeller aus.

Ein Sommer ohne kühle Mass im Biergarten? In Bayern einfach undenkbar. Doch früher mussten die Brauer im Winter hart arbeiten, um im Sommer frisches Bier verkaufen zu können. Moderne Kühlungen gab es damals noch nicht - die Fässer wurden mit Eis aus Seen und Flüssen gekühlt! Bier kann nur bei einerTemperatur von sieben bis acht Grad länger gelagert werden. Deshalb mussten die Brauer im Winter Eisvorräte anlegen. Außerdem war das Eis auch nötig, bestimmte Biere herzustellen - helles Bier etwa gärt am besten bei etwa fünf Grad. Das kühle Gut besorgten sich die Brauer von zugefrorenen Seen und Flüssen. Die Münchner Brauereien holten es bis zum ersten Weltkrieg aus den Kanälen am Schloss Nymphenburg - in milden Wintern sogar von der Zugspitze. Für die Angestellten ein Knochenjob: Mit Spezialsägen schnitten sie Blöcke aus dem Eis und schafften sie per Pferdewagen oder Eisenbahn in den Brauereikeller. „Durch die Luftzirkulation hielt das Eis das Bier so Monate kühl“, sagt Lukas Bulka vom Bier- und Oktoberfestmuseum. Das Schmelzwasser floss ins Grundwasser ab. Erst ab 1873 hatte die Prozedur ein Ende: Da erfand der Münchner Professor Carl von Linde die erste Kältemaschine.

Christina Schmelzer

Auch interessant

Kommentare