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Billig-Job-Debatte: Wer was verdient

München - Der Streit um Billiglöhne bei der Stadt und ihren Tochterunternehmen geht weiter. Doch zahlen die privaten Arbeitgeber im Vergleich zur Stadt tatsächlich so schlecht? Wir machen den Vergleich!

Wie berichtet beschäftigen die Stadtwerke über 30 Leiharbeiter als Busfahrer und suchen auch über 55 Tram- und U-Bahnfahrer bei Leiharbeitsfirmen. Langfristig wollen sie eine Tochtergesellschaft gründen, um Busfahrern 17 Prozent weniger Lohn zahlen zu müssen.

Die CSU wittert Verrat des rot-grün dominierten Rathauses und seiner Unternehmen an den Beschäftigten: Fraktions-Chef Josef Schmid hält es für „besonders verwerflich, sind doch die SWM/MVG als städtisches Unternehmen besonders dem Sozialen verpflichtet, wie Christian Ude nicht müde wird, bei jeder sonstigen Gelegenheit zu betonen.“

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Wird die Stadt zur Billigjob-Firma?

Stadtwerke: Streit um Billig-Jobs

Ude hatte die Pläne der SWM, eine Tochterfirma mit 17 Prozent niedrigeren Löhnen zu gründen, verteidigt. Und der für die Stadtwerke zuständige Wirtschaftsreferent Dieter Reiter, auch als künftiger OB-Kandidat der SPD gehandelt, hüllt sich in Schweigen: „Dabei handelt es sich nach Einschätzung des Referates primär um Fragen, die zwischen den Tarifparteien zu klären sind und deshalb in Anbetracht der Tarifautonomie vom Betreuungsreferat nicht zu kommentieren sind“, lässt er ausrichten.

Privat oder öffentlich: Die Gehaltstabelle

Deutlicher wird da der Münchner SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann: „Die Gründung von Tochtergesellschaften, die das klare Ziel haben, die Tarifverträge auszuhebeln, halten wir für unangemessen. Ein festes, anständiges Einkommen, Tarifschutz und Kündigungsschutz sind Grundbestandteile sozialdemokratischer Beschäftigungspolitik, wie sie in aller Regel auch von der Landeshauptstadt München praktiziert wird.“

Doch zahlen die privaten Arbeitgeber im Vergleich zur Stadt tatsächlich so schlecht? Die tz verglich die Einkommenslisten verschiedener Berufsgruppen städtischer Unternehmen mit denen der Privatwirtschaft und kam dabei zu erstaunlichen Ergebnissen: In der Privatwirtschaft verdient der Arbeitnehmern nicht automatisch weniger als bei kommunalen Unternehmen. Etwa Krankenpfleger können in privaten Kliniken durchaus deutlich mehr verdienen als in den städtischen. Auch Müllfahrer sind unter Umständen in Privatunternehmen besser dran als die städtischen Kollegen.

Die privaten Busunternehemen hingegen zahlen außerhalb Münchens ihren Fahrern weniger als die MVG. Doch innerhalb der Stadtgrenzen fahren auch Privatfirmen im Auftrag der MVG. Deren Fahrer verdienen mehr als ihre MVG-Kollegen!

Johannes Welte

Gleiche Arbeit, unterschiedliche Löhne

Für die gleiche Arbeit gibt es nicht immer das gleiche Geld: Bislang zahlte die MVG ihre Busfahrer nach dem Tarifvertrag TV-N, Einstiegsgehalt: 1906 Euro, Maximalgehalt: 2667 Euro. Dazu kommen 132 Euro Schichtzulage. Die Leiharbeiter verdienen nur rund 1600 Euro. Private Busunternehmer zahlen außerhalb der Stadt im Tarif LBO zwischen 1737 und 1923 Euro. Die privaten Linienbusbetriebe, die innerhalb der Stadt fahren, zahlen sogar mehr, als die MVG bislang zahlte: Zwischen 2159 und 2403 Euro. Schichtzulagen gibt es nicht.

Die privaten Klinik-Gehälter beziehen sich auf den Haustarifvertrag des Rhönklinikums für Pasing und Perlach. Generell gilt: Im öffentlichen Dienst gibt es eine Jahresleistung in Höhe eines knappen Monatsgehaltes und zusätzliche Altersversorgung. Das ist im Privatbereich nicht selbstverständlich.

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