Klage gegen Klinikum rechts der Isar

Paralympics-Star Kober bricht vor Gericht zusammen

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Vor dem Prozess begrüßte der Neurologie-Chefarzt Bernhard Hemmer seine ehemalige Patientin. Dieser wurde offenbar die falsche Medikation während ihres Klinik-Aufenthalts verabreicht

München - Die Münchner Paralympics-Siegerin Birgit Kober (41) streitet seit Mittwoch vor dem Landgericht mit dem Klinikum rechts der Isar um Schmerzensgeld - und bricht dabei mehrmals zusammen.

Es sollte für sie der Tag der Gerechtigkeit werden – dann bricht sie mehrmals zusammen: Die Münchner Paralympics-Siegerin Birgit Kober (41) streitet seit Mittwoch vor dem Landgericht mit dem Klinikum rechts der Isar um Schmerzensgeld (hier geht's zum tz-Interview mit Kober). Ein Behandlungsfehler dort soll aus ihrer Sicht zu ihrer Behinderung geführt haben. Die Klinik sieht den Zusammenhang nicht – und auch ein Gutachter will ihn nicht bestätigen: Die Frau im Rollstuhl bricht in Tränen aus. Das Gericht unterbricht den Prozess, um sich zu beraten. Kober sagt in der Pause zu ihren Freunden: „Die wollen mich fertigmachen!“

Gold hat sie geholt bei den Spielen von London, zweimal – im Speerwerfen und Kugelstoßen. Eine starke Frau. Aber das Gericht ist nicht ihre Arena. Ob die Nervosität genau wie bei Olympia ist, fragt sie der Richter zu Beginn. „Nein“, sagt Kober, „Speerwerfen kenne ich. Das hier nicht.“

Dann sagt der Essener Neurologe Oliver Kastrup als Sachverständiger aus. Ja, bestätigt er zunächst, was Kober im Rechts der Isar widerfuhr, sei ein Behandlungsfehler gewesen, der durch erheblichen Organisationsmangel entstand. Der Münchnerin wurde 2007 ein Medikament gegen Epilepsie in vielfacher Überdosierung nach einem Anfall in die Adern gepumpt – über zehn Stunden, in mehreren Ampullen, selbst über den Schichtwechsel der Station. Grund war ein Schreibfehler! Kober erlitt eine Bewegungs- und Koordinationsstörung.

Aber Nein, sagt der Gutachter, ob die anhaltenden Lähmungen daherrühren, sei unklar. Kastrup sieht den Fall Kober vor dem Hintergrund ihrer Vorerkrankungen. Diese hätten schon früher Geh- und Bewegungsstörungen hervorgerufen. Die Vergiftung könne zwar mitverantwortlich für ihren Zustand sein. Dann wäre die Überdosis aber nur ein Mosaikstein. Auch könnten ihre Symptome wieder verschwinden.

Kastrup vermutet auch eine „psychische Symptomfixierung“ und empfiehlt verhaltenstherapeutische Maßnahmen. „Ich bin doch schon längst in therapeutischer Behandlung“, ruft Kober ihm zu. Nachdem der Richter die Verhandlung vertagt, bricht Kober in Tränen aus. „Wenn die entscheiden, ich habe nichts Körperliches, kann ich den Sport verlieren“, sagt sie. „Ich will nicht als Psycho hingestellt werden. Ich will nicht als Psycho gewinnen.“

Marie-Anne Hollenz

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