Das bittere Aus für den Pflegestammtisch

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Der Pflegestammtisch in besseren Tagen: In einem rappelvollen Saal im Löwenbräukeller versuchen Besucher noch einen Platz zu finden.

München - Der Münchner Pflegestammtisch – er ist Vergangenheit. Das gaben die Initiatoren Claus Fussek und Christiane Lüst am Sonntag überraschend bekannt.

Das monatliche Treffen der Pflegeszene wird ab sofort eingestellt, erklärten die Initiatoren. Und das aus Mangel an Interesse: Zum letzten, dem 90. Treffen waren nur noch 30 Personen gekommen. Insider sind sich schon jetzt sicher: Die Institution wird München fehlen!

Im September des Jahres 2002 wurde der Pflegestammtisch ins Leben gerufen. Hunderte Menschen drängten damals in einen kleinen Raum im Löwenbräukeller, für die Redner gab es nicht einmal ein Mikrofon. „Das war irre. Mit diesem Andrang hatten wir einfach nicht gerechnet“, entschuldigten sich die Initiatoren später. Schon beim nächsten Mal zog das Treffen um, in einen größeren Saal.

Claus Fussek mit Schirmherr und Kabarettist Dieter Hildebrandt.

Zudem war schnell klar: Auf den Pflegestammtisch schienen viele Pfleger sowie Angehörige von Heimbewohner nur gewartet zu haben: Jeden Monat wurde einmal über Probleme in der Szene gesprochen – vom schlechten Verdienst der Kräfte, der Überforderung bis hin zu unterernährten Patienten. Bisher gab es keine Möglichkeit, diese Missstände offen anzusprechen. Der Pflegestammtisch machte es möglich.

Zum meistbesuchten Treffen kamen übrigens 1400 Menschen. Und auch so mancher Heimleiter besuchte den Treff, um Nöte und Probleme der Angestellten zu erfahren. Der Chef der Münchenstift, Gerd Peter, nannte den Pflegestammtisch, daher auch „eine sehr wichtige und sinnvolle Veranstaltung“. Eine, die es nun nicht mehr gibt.

Armin Geier

Daten und Fakten zur Pflege

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt rasant: Laut Bundesamt für Statistik sind derzeit fast 2,3 Millionen Menschen im Land pflegebedürftig. Rund 75 Prozent von ihnen werden Zuhause von Angehörigen versorgt, der Rest stationär in Heimen. In München leben gut 25 000 Menschen, die auf Pflege angewiesen sind. Rund 7000 von ihnen werden in den Pflegeheimen in der Stadt versorgt. Analysen zeigen, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2020 auf fast 30 000 steigen wird. Der Pflegestammtisch war – neben der Beschwerdestelle der Stadt München und den Alten- und Servicezentren – eine wichtige Anlaufstelle für Angehörige.

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