Bizarrer Streit um Urne: Togal-Boss ein Jahr nicht beigesetzt!

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Günther J. Schmidt (†91) starb vor einem Jahr – erst jetzt wird seine Urne beigesetzt.

München - Seit dem Tod von Togal-Boss Günther J. Schmidt im Dezember 2009 tobte nicht nur ein Streit ums Erbe, sondern auch um seine Urne. Erst jetzt - ein Jahr später - wird er auf dem Westfriedhof bestattet.

Günther J. Schmidt (†91) galt als Lebemann: Er liebte die Frauen, feierte gerne und war für Späßchen zu haben. Ob der Togal-Boss hierüber hätte lachen können? Seit seinem Tod vor einem Jahr tobt nicht nur ein Streit ums Erbe, sondern auch um seine Urne! Erst jetzt findet sie auf dem Westfriedhof die letzte Ruhe.

Die Einäscherung hatte am 21. Dezember, genau fünf Tage, nachdem der Münchner bei einer Herzoperation auf dem OP-Tisch verstorben war, stattgefunden. „Da dachten wir, dass die Beisetzung eine Woche darauf stattfinden würde“, erzählt die Künstlerin Sis M. Koch, die von 1960 bis 1968 mit Schmidt liiert war, der tz. Aber daraus wurde nichts. „Da mussten erst etliche Juristen beschäftigt werden.“

Denn das Privatleben des Geschäftsmannes, der es mit der Togal-Classic-Schmerztablette und dem Efasit-Fußpflegeprogramm zu viel Geld gebracht hatte, war etwas kompliziert. Von vielen Gespielinnen ist in Society-Kreisen die Rede. In der Gedenk-Anzeige am Wochenende in der tz wird dies noch deutlich (siehe rechts). Darin sind erwähnt: Doris Barbara Perlick, Lebensgefährtin, und Sis M. Koch, Muse. Das Problem: Der Sohn Michael J. Reitmeier, der die Anzeige aufgegeben haben soll, ist unehelich und soll nie anerkannt worden sein. Wer also hat hier das Recht, über den Ort der Ruhe zu entscheiden? Perlick spricht von einem „Mächteziehen“, Koch von „Streit“ und einer „Sauerei“.

Die Wahrheit über diesen Zwist ist schwer auszumachen, genauso wie über den Erbstreit (es ist davon die Rede, dass Schmidt kurz vor seinem Tod Testamente untergeschoben worden sein sollen). Kommt die Asche ins Familiengrab des unehelichen Sohnes am Westfriedhof oder auf einen anderen Friedhof? Zweiteres soll unter anderem seine Stiftung, die vor allem Tier- und Kinderheime unterstützt, gewollt haben. „Ich hätte gerne gehabt, dass er ein eigenes Grab in Bogenhausen, direkt hinter seinem Togal-Werk, bekommen hätte,“ sagt Doris Perlick. „Aber dort dürfen nur deutsche Staatsbürger hin und das ging wegen seines Wohnsitzes in der Schweiz nicht.“ Jetzt ist dies ohnehin kein Thema mehr. „Ich habe dem Sohn, egal ob ehelich oder unehelich, stattgegeben.“

Ein Jahr stand die blaue Urne mit goldenem Lorbeer-Kranz am Ostfriedhof, am Mittwoch kommt sie ins Familiengrab des Sohnes im Westfriedhof. Schmidt selber hätte es wohl so gewollt: Er hat das Grab immer besucht, auch sein Name steht schon auf der Tafel.

Zum Abschluss des Durcheinanders ist noch irgendwo ein Fehler unterlaufen: Eigentlich hätte die Beisetzung nicht am Mittwoch, sondern am Donnerstag, also genau am Todestag, stattfinden sollen. Aber zumindest da sind sich die Damen jetzt einig: „Hauptsache, er hat endlich seinen wohlverdienten Frieden.“

Nina Bautz

Für die Urnen-Bestattungen gibt es keine Fristen

Ein Jahr bis zur Beisetzung – „das ist ausgesprochen ungewöhnlich“, so der Kommentar des Leiters der städtischen Bestattung Peter Kotzbauer. „Dass Verwandte aber mehrere Monate warten, ist keine Seltenheit. Entweder sie melden sich gar nicht, weil sie sich nicht für die Verwandten interessieren, sie streiten sich untereinander oder sie wollen einfach noch Zeit bis zum endgültigen Abschied verstreichen lassen.“ Möglich sei dies, weil das Bayerische Bestattungsgesetz bei Urnenbestattungen keine Fristen setzt. Die Urne darf aber – anders als in den meisten anderen Ländern– das Krematorium nicht verlassen. Eine Hinterstellungsgebühr (am Ostfriedhof kostet ein Jahr 21 Euro) wird dennoch fällig. Kotzbauer: „Bei der Erdbestattung aber sieht das Gesetz eine Frist von vier Werktagen vor, die nur wegen triftiger Gründe verlängert wird.“

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