Massaker am Traumstrand

Münchner fleht: Fasst den Mörder meiner Mutter!

Sie war eine schöne, optimistische Frau: Die Schneiderin Diana Ademi († 52) wollte ihr eigenes Mode-Label gründen. Im Juli starb sie im Kugelhagel eines Amokschützen. Kleines Foto: In tiefer Trauer Rudi D. Ademi

München - Die Modedesignerin Diana Ademi (52) ist am Traumstrand ermordet worden. Ihr Sohn hofft nun, dass der Fall endlich bekannt wird und fleht: Fasst den Täter!

Der mutmaßliche Dreifachmörder Delin H.

Als die Modedesignerin Diana Ademi (52) am Strand von Vlora/Albanien im Kugelhagel starb, war ihr Sohn Rudi (22) gerade am anderen Ende der Welt. Die langersehnte Reise nach Japan – dem Land seiner Träume, das ihn schon immer fasziniert hatte. Zwei Tage nach der Ankunft loggte sich der Münchner Berufsoberschüler am 29. Juli im Hotel in Kyoto ahnungslos bei Facebook ein. Der Schock über die neuesten Nachrichten aus der Heimat war zuviel. Nervenzusammenbruch, Notarzt, Krankenhaus. Innerlich erstarrt trat er schon am nächsten Tag mit seiner Freundin den Rückflug nach München an. Am Strand von Vlora – einem beliebten Badeort an der albanischen Adriaküste – war Rudis geliebte Mutter Diana am Nachmittag des 28. Juli gegen 15.30 Uhr als völlig unbeteiligte Touristin in ihrem Liegestuhl erschossen worden.

Die bildhübsche Schneiderin lebte in Friedrichshafen am Bodensee, arbeitete dort früher als Schlecker-Verkäuferin. Als sie ihren Job verlor, besann sich Diana auf ihre wahre Passion. Sie entwarf ihre eigene Mode-Linie, wollte in Kürze ein Atelier eröffnen. Kurz vor dem Neustart gönnte sie sich noch ein paar Tage Urlaub bei Verwandten in ihrer Geburtsstadt Vlora. Am 28. Juli ging sie zum Strand, machte es sich in einem der blau-weißen Liegestühle in der dritten Reihe bequem. Von dem Streit mehrerer junger Männer mit zwei Mädchen oben an der Küstenstraße bekam sie gar nichts mit. Plötzlich peitschte eine Maschinengewehrsalve über den Strand. Im Kugelhagel der Kalaschnikow starben Diana Ademi, der Jugendliche Serdi B. (17) und der zweifache Familienvater Sokol I. (34). Drei weitere Menschen wurden bei dem Massaker schwer verletzt.

Diana Ademi wurde nur 51 Jahre alt

Obwohl Diana Ademi deutsche Staatsbürgerin war, hat keine einzige deutsche Polizei- oder Justizbehörde den unfassbaren Fall bislang publik gemacht. Rudi D. Ademi: „Mir ist klar, dass die albanischen Behörden wenig Interesse daran haben, dass dieses Massaker in Deutschland publik wird. Die Badeorte an der Küste setzen schließlich auf deutsche Touristen.“ Aber: „Meine Mutter hätte gewollt, dass ihr Schicksal einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird. Ich finde erst wieder Ruhe, wenn der Mörder meiner Mutter zur Rechenschaft gezogen wurde. Und ich bitte die deutsche Justiz, meine Mutter nicht zu vergessen.“ Zuständig ist die Staatsanwaltschaft Ravensburg, die bereits ein Ermittlungsverfahren einleitete und am Mittwoch endlich umfangreiche Unterlagen (Tatort-Bilder, Haftbefehle, Vernehmungen etc.) von einem Verbindungsbeamten des BKA in Tirana bekam: „Das muss nun alles übersetzt werden“, bestätigte Erster Staatsanwalt Karl-Josef Diehl. Bislang fehlten auch belastbare Personalien des flüchtigen Mörders. Nun kann sich Diehl vorstellen, dass von Ravensburg aus ein europäischer Haftbefehl ausgeschrieben wird. Albanische, türkische, italienische und spanische Medien berichten seit Wochen ausführlich, zeigten schon kurz nach dem Massaker die Bilder von zwei Tatverdächtigen. Einer davon – Leo O. (18) – sitzt bereits in Haft. Nach Angaben der Polizei in Vlora wurden 55 Zeugen vernommen. Demnach wurden die Schwester und die Cousine von Leo O. (18) an jenem Nachmittag oberhalb des Strandes verbal von einigen Männern belästigt. Die 19-Jährige rief ihren Bruder an. Der lief sofort los und verständigte seinen Freund Delin H. (25), der eine Kalaschnikow besaß. Getrennt voneinander machten sich die Burschen auf den Weg. Als der 25-Jährige oberhalb des Strandes ankam, eröffnete er sofort das Feuer. Im Kugelhagel starben Familienvater Sokol I. (34) und der Jugendliche Serdi B. (17) – ebenso wie Diana Ademi. Im Liegestuhl wurde sie von einem Projektil hinter dem Ohr in den Kopf getroffen. Auch ihr konnte kein Arzt mehr helfen.

Leo O. sitzt in Haft. Seine Fingerspuren sind nicht auf dem Gewehr. Als Schütze gilt Delin H., nach dem in Albanien offiziell gefahndet wird. Angeblich gibt es Hinweise, dass er sich nach Griechenland abgesetzt hat.

In seinem Einzimmer-Apartment im Münchner Bahnhofsviertel verfolgt Rudi D. Ademi im Internet täglich die Ermittlungen. Die Bilder des idyllischen Strandes, an dem seine Mutter starb, tun ihm immer wieder weh. Er hat seine „Mami“ noch einmal gesehen, bevor sie am 31. Juli in Vlora beigesetzt wurde. Er hat sie immer so bewundert für ihren Mut, ihre Schönheit und ihren unerschütterlichen Optimismus. Dass sie nicht mehr da ist, kann Rudi auch vier Wochen danach noch gar nicht begreifen.

Er hat sich eine junge Hündin zugelegt: „Sie ist so lieb und so fröhlich – und sie gibt meinem Tag Struktur. Das tut mir gut“, sagt er. „Mamiko“ hat er sie genannt. Das ist japanisch und bedeutet „Kind der wahren Schönheit“. Und nein, es ist kein Zufall, dass das Wort Mami darin steckt. Der Kosename seiner Mutter, der er am Totenbett versprochen hat, dass ihr Tod nicht ungesühnt bleiben wird.

Dorita Plange

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