Er starb im Alter von 87 Jahren

Blacky und Gundel: Hand in Hand bis in den Tod

+
Hand in Hand sind sie über 60 Jahre gemeinsam durchs Leben gegangen: Gundel und Blacky Fuchsberge

München - Es gab einfach nichts mehr zu kämpfen. Am Ende hat Blacky einfach losgelassen und den Lebensfaden reißen lassen – nach einem schönen allerletzten Abend.

Seine Frau Gundel hielt er an der Hand. Sie hatte ihm als „seine Regierung“ doch 60 Jahre lang stets den richtigen Weg gezeigt, und er war doch auch immer stolz, „Pantoffelheld“ sein zu dürfen. Aber bei Tagesanbruch gab es nur noch einen Weg und einen Plan – den des Himmels: Um halb zwei Uhr früh bekam Joachim Fuchsberger (87) Atemnot, der Arzt war gleich da – aber alles Kämpfen war umsonst, Blackys Kraft war zu Ende und er wollte in kein Krankenhaus mehr.

Da konnte auch die Hand von Gundel nichts mehr ausrichten, die immer geholfen und von der er immer gesagt hatte: „Wenn ich die nicht hätte, gäb es mich schon lange nicht mehr.“ Gundel hat mit ihrem Blacky gekämpft und gelitten – bis zum letzten Augenblick. Gestern, um halb elf Uhr vormittags, wollte Blackys müdes Herz nicht mehr. Es war ein friedliches Ende und Gundel heldenhaft wie eine Ritterin, obwohl sie doch schon ihr einziges Kind Thommy verloren hatte – am 14. Oktober werden es vier Jahre.

Gundel war tapfer und gefasst den ganzen Tag – ihr erster Tag ohne Blacky. Schwager Otmar Fuchsberger ist ihr beigestanden, auch ihr Freund Peter ­Pongratz sowie Blackys „Vizesohn“ Dr. Wolfgang Reitzle und dessen Frau­ Nina Ruge. Vielleicht ist es ein schöner Gedanke, dass Blacky jetzt wenigstens im selben Reich wie Thommy ist, aber so recht an die Existenz Gottes glauben mochte Joachim Fuchsberger nie. Inzwischen weiß er bestimmt schon Näheres und macht schon wieder Witze ...

Blacky hatte gern seinen Spaß – das Leben hatte es ja auch weitgehend gut gemeint. Was war Blacky doch für ein gut aussehender, strahlender, eloquenter und humorvoller Entertainer! Showmaster und Schauspieler, Schlagertexter und Dokumentarfilmer. Alles, was er angefangen hatte – außer ein Immobiliengeschäft – ,es wurde zu Gold. Wie übrigens auch der Moment, als er der Liebe seines Lebens, Gundula Korte, begegnete. Sie zu kriegen war übrigens das härteste Stück Arbeit seines Lebens. Ihrem Willen hat er sich seither stets gern gebeugt, und in diesen fast 22 000 Nächten ihres Lebens haben sie sich bis zum Einschlafen immer die Hand gehalten. Was für eine Liebe!

In Australien hatten sie eine zweite Heimat – traumhafte Wohnsitze in Sydney und Tasmanien. Das waren glückliche Tage in grandioser Natur! Sie waren finanziell unabhängig – sie hatten die große Freiheit! Denn nie mehr, so hatte sich Fuchsberger als 14-jähriger Flakhelfer im Krieg geschworen, werde er sich jemals wieder fremdbestimmen lassen. Jeden Befehl empfand er damals als Vergewaltigung, am Ende geriet er in Gefangenschaft.

Aber selbst dieses Unglück wurde vergoldet, denn Regisseur Paul May entdeckte den gebürtigen Stuttgarter als Schauspieler, nachdem er schon einige Zeit als Bergmann, als Monteur von Setz- und Druckmaschinen, als Werbeleiter und schließlich als Sprecher beim Bayerischen Rundfunk gearbeitet hatte. 1953 sollte Fuchsberger seine Kriegserfahrung möglichst echt in den 08/15-Filmen darstellen, die Rolle des Gefreiten Asch machte ihn schließlich als Schauspieler berühmt.

Und dann lief ihm eben die Gundel über den Weg, die ihre Laufbahn als Schauspielerin aufgab, um ihrem Mann als Managerin zur Seite zu stehen. Da war sie unschlagbar! Genial. „Sie hat mir geholfen, ein Leben lang die richtigen Entscheidungen zu treffen“, wurde Fuchsberger niemals müde zu betonen.

Weil er also bis vor wenigen Jahren wirklich auf der Sonnenseite des Lebens stand, hatte Joachim Fuchsberger auch die auf der Schattenseite nie vergessen: 30 Jahre lang war er als ehrenamtlicher Botschafter für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, im Einsatz, zuletzt, als die Kraft weniger wurde, als Ehrenbotschafter. Seine Hilfsbereitschaft war enorm – kein Weg war ihm für Kinder in Not zu weit, kein Einsatz zu gefährlich, keine Spendengala zu anstrengend.

Nur zwei Pläne sind in Fuchsbergers Leben nicht aufgegangen: Er wollte mit Gundel am 2. Dezember seine diamantene Hochzeit feiern – und noch einmal so richtig auf den Putz hauen. Und er wollte zusammen mit seiner Frau sterben, damit nicht einer das Leid des Verlassenen erleben müsste. Diese Wünsche sind Wünsche geblieben. Gundel wird es wieder mit Haltung und tapfer tragen, wie alles – sie war Fuchsbergers Stärke und Kraft.

Was ihm die Leute einmal nachsagen sollen, das hat Blacky schon zu Lebzeiten gesagt – in Erinnerung an seine Zeit im Bergwerk: „Von den Kumpels habe ich gelernt, was Kameradschaft bedeutet: Deshalb würde es mich freuen, wenn man von mir sagt: Er war ein Kumpel.“

Für Gundel und die zwei erwachsenen Enkel war er aber noch viel mehr!

Ulli Schmidt

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Kommentare