Augenzeugen: "Es hat fürchterlich gekracht"

Blauer Bock: Hier stürzte plötzlich die Decke ein

München - Aufregung im Hotel Blauer Bock: Im Frühstücksraum ist eine Rigips-Platte von der Decke gefallen. Lesen Sie hier einen Augenzeugenbericht

In dem 400 Jahre alten Altstadt-Gebäude gab es nicht die geringste Vorwarnung. Kein Knacken, kein Knistern – einfach nichts. So wurden Gäste und Mitarbeiter des Münchner Traditions-Hotels Blauer Bock am Viktualienmarkt am Dienstag in der Früh von den Ereignissen völlig überrascht: Während des Frühstücks krachten rund 50 Quadratmeter der abgehängten Decke in den Speisesaal! Vier der insgesamt 16 Gäste erlitten Kopfplatzwunden und Abschürfungen (siehe unten), zwei Kinder Schocksymptome. Das Restaurant bleibt vorerst geschlossen.

Es war glücklicherweise keine tragende Decke, sondern nur eine 1,25 Zentimeter dicke Rigips-Platte mit eingebauter Beleuchtung. Die verletzten Gäste – eine Italienerin (45), ein Ehepaar (70 und 75 Jahre) aus Coburg und ein Tourist (75) aus Oelde (Nordrhein-Westfalen) wurden auch von Metallteilen getroffen. Der Geschäftsführende Gesellschafter Stefan Grosse erklärte: „Wir durften den Raum auch noch nicht betreten. Wir haben unseren Gästen als kleine Wiedergutmachung Blumen in die Zimmer gestellt und sie zum Frühstück ins Café Rischart eingeladen. Wir sind sehr froh, dass nicht noch Schlimmeres geschehen ist.“ Für alle anderen Hotelgäste gibt es vorerst Frühstücks-Arrangements in den umliegenden Cafés. Der Hotelbetrieb läuft ansonsten normal weiter.

Nach dem Großeinsatz der Feuerwehr und des Rettungsdienstes haben jetzt die Sachverständigen das Wort. Die Kripo ermittelt wegen Baugefährdung und fahrlässiger Körperverletzung. Das Gebäude gehört der Gewofag und ist seit 2003 an die Hotelbetreiber verpachtet. Küchenchef im Blauen Bock ist Star-Koch Hans Jörg Bachmeier, ein Schüler von Eckart Witzigmann und Heinz Winkler.

Das Restaurant war nach Angaben der Gewofag im Jahr 2004 umgebaut worden. Den Auftrag dazu vergaben die Pächter. Die Ursache des Deckensturzes ist noch unklar.

Dorita Plange

„Alle haben geschrien“

Heinz und Dorothee K.  sahen, wie die Decke einstürzte

„Es hat fürchterlich gekracht, überall war Schutt und Staub. Eine einzige Staubwolke umgab uns und die Leute haben geschrien“, sagt Dorothee K. zur tz. Mit Ehemann Heinz (75) sitzt sie am Dienstagmorgen im Frühstücksraum im Hotel Blauer Bock, will sich gerade noch einen Orangensaft am Buffet holen und danach bei schönem Wetter die Stadt erkunden – plötzlich fängt die Decke in der Ecke gegenüber an einzustürzen. „Ich dachte, ich bin im Film“, berichtet die 71-Jährige. Wie in Zeitlupe stürzt die Rigips-Platte samt Metallstangen und Lichtern herunter – mehrere Gäste werden getroffen und sogar darunter begraben (siehe Text oben). „Wir hatten solches Glück, dass unser Tisch verschont blieb, fast wie ein Wunder.“

Das Ehepaar aus Mecklenburg-Vorpommern läuft sofort zu den Opfern. „Zusammen mit den anderen haben wir die Deckenteile angehoben, damit die verletzten Leute rauskrabbeln konnten. Ein älterer Herr blutete stark am Kopf“, sagt Heinz K. Es herrschte Chaos, die Gäste hätten vor lauter Staub heftig husten müssen. Panik sei jedoch nicht ausgebrochen: „Bis die Feuerwehr eintraf, haben wir uns gegenseitig geholfen.“

Vom Hotel erhielten die Gäste Gutscheine für das Café Rischart in der Innenstadt, denn das Restaurant im Blauen Bock bleibt bis auf Weiteres geschlossen. „Heute haben wir lieber unter freiem Himmel gefrühstückt“, sagte die Rentnerin am Mittwoch. Ihr Mann ist froh, dass die beiden unverletzt blieben: „Für uns ist der Deckeneinsturz kein Grund, nicht mehr in dem Hotel zu übernachten. So was kann überall passieren.“

Rubriklistenbild: © fkn

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