Bleiben Sie gesund, Frau Bürgermeisterin! Das Geburtstags-Interview

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Christine Strobl wird 50

München - Endlich gibt es für Christine Strobl (SPD) mal wieder einen Grund zum Feiern, denn am Mittwoch hat sie Geburtstag! Zu ihrem 50. traf die tz sie zum Interview.

Es ist ein runder Geburtstag, weshalb OB Christian Ude Mitte des Monats zu einem Empfang zu Ehren seiner Stellvertreterin lädt. Strobl hatte in den vergangenen Jahren andere Sorgen als den herannahenden Fuchzger: Im September 2009 wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Es folgten Operation, Chemotherapie und Bestrahlungen – Behandlungen mit allen Nebenwirkungen, die die Bürgermeisterin tapfer ertrug. Sechs Jahre zuvor war ihr Ehemann bei einer Wanderung tot zusammengebrochen – plötzlich war sie allein mit den Kindern Maria und Michi, heute 12 und 16 Jahre alt. Mit Hilfe ihrer Mutter, heute 79, schaffte die damalige Stadträtin trotzdem den Alltag. Lange Zeit galt Christine Strobl, die 2005 als Nachfolgerin von Bürgermeisterin Gertraud Burkert gewählt wurde, als mögliche künftige Oberbürgermeisterin. Seit Oktober 2010 ist sie aus dem Rennen, das hat sie selbst so entschieden. Sie liebt aber ihr Amt als zweite Bürgermeisterin unserer Stadt, in dem sie für die Bereiche Soziales, Sport, Schulen und EDV zuständig ist. Die tz wünscht alles Gute. Bleiben Sie gesund, Frau Bürgermeisterin!

Barbara Wimmer

 

 

Frau Strobl, Sie haben eine schwere Zeit hinter sich. Hat da der 50. Geburtstag, dem viele Frauen mit gemischten Gefühlen entgegensehen, noch eine besondere Bedeutung?

Christine Strobl: Für mich ist es ein Geburtstag wie jeder andere. Die große Zäsur in meinem Leben hatte nichts mit dem Alter zu tun: Das war die Krebs-Diagnose vor eineinhalb Jahren. Da relativiert sich vieles.

Wie geht es Ihnen jetzt?

Strobl: Wirklich gut, mal abgesehen von der Erkältung, die mich ausgerechnet jetzt ereilt hat. Letzte Woche hatte ich meine zweite Krebs-Nachuntersuchung – und Gott sei Dank ist alles gut. Vor diesen Terminen wächst unweigerlich die Nervosität. Am schlimmsten ist die kurze Zeitspanne nach der Mammografie, wenn man auf das Ergebnis wartet.

Wie sieht die weitere Therapie aus?

Strobl: Die nächsten fünf Jahre regelmäßige Untersuchungen und Medikamente, die auch Nebenwirkungen haben. Zum Beispiel muss ich zirka 1500 Tabletten einer bestimmten Sorte nehmen.

Arbeiten Sie wieder soviel wie früher?

Strobl: Ich habe auch während der Therapie meistens ganz normal gearbeitet. Und jetzt bin ich schon wieder bei gut 50 Wochenstunden. Mir gelingt es aber besser als früher, auch mal eine Terminanfrage abzulehnen. Außerdem schaffe ich es öfter, wirklich eine Mittagspause einzulegen. Es ist ungesund, wenn man sich wie in einem Hamsterrad fühlt. Die Wochenenden halte ich mir so gut es geht frei.

Wie sehen die Wochenenden aus?

Strobl: Am Samstag stehen der Großeinkauf für die Woche und Haushaltsarbeiten an. Oft unternehme ich auch etwas mit den Kindern, z.B. gehe ich gerne mit meiner Tochter Maria zum Reiten. Im Winter war es wunderbar, übers verschneite Land zu traben.

Hat die Erkrankung Ihre Sicht auf Dinge verändert?

Strobl: Teilweise schon. Ich rege mich nicht mehr so schnell auf – meistens. Und ich setze meine Prioritäten klarer: Meine Freunde sind wichtig, und die oberste Priorität haben meine Kinder. Das heißt nicht, dass ich nicht weiterhin Politik mit Leidenschaft mache.

Stichwort Politik: Im Oktober haben Sie ihrer Partei erklärt, dass Sie nicht für eine OB-Kandidatur zur Verfügung stehen. War’s die richtige Entscheidung?

Strobl: Ich habe mir das reiflich überlegt und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich mir diese Belastung nicht zumuten will. Auch für die SPD hätte es ja ein gewisses Risiko bedeutet, wenn sie mich ins Rennen geschickt hätte. Klar kann es jedem passieren, dass er erkrankt. Aber wenn jemand schon eine Krankheitsgeschichte hat, ist es doch was anderes.

Ihre Ankündigung hatte einen beschleunigenden Effekt: Erst trat Wirtschaftsreferent Dieter Reiter auf den Plan, vor kurzem Brigitte Meier. Wie sehen Sie das SPD-interne Bewerberfeld?

Strobl: Alle Vier haben politische und Führungserfahrung: Dieter Reiter und Brigitte Meier leiten Referate, Alexander Reissl die Rathausfraktion und Uli Pfaffmann ist Vorsitzender der Münchner SPD und Landtagsabgeordneter. Also: alle vier sind geeignet. Ich bin gespannt, wer das Rennen macht.

Wäre es nicht Zeit, dass München eine Oberbürgermeisterin bekommt? In Frankfurt regiert seit Jahren Petra Roth (CDU)!

Strobl: Klar würde mich das freuen, gerade als Sozialdemokratin – und es gab ja wirklich auch eine Zeit, wo ich das gerne selbst gewesen wäre. Aber Ende muss der oder die antreten, mit dem die SPD die größten Chancen hat.

Auch Ihre Position als 2. Bürgermeisterin steht ja 2014 zur Disposition...

Strobl: Stimmt. Das hängt zunächst von meiner Partei ab. Ich hoffe, dass die SPD mich auf Platz 2 der Liste setzt, und dann, dass es die Mehrheitsverhältnisse erlauben, dass ich weitermachen kann.

Wie feiern Sie den 50.?

Strobl: Eigentlich gar nicht – ich gehe mit der der Familie zum Essen. Eine große Party wollte ich nicht planen. Es stand ja noch dieser Untersuchungstermin an, von dem ich nicht wusste, wie er ausgeht. Später gibt es einen städtischen Empfang. Allerdings mache ich mir selber und meiner Tochter ein Geschenk: Nächste Woche sind wir in Österreich, beim Reiten und Skifahren.

Lebenslauf

Christine Strobl wurde in München geboren. Abitur am Theresiengymnasium, dann Studium der Politikwissenschaft, Germanistik und Geschichte an der LMU. Anschließend war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. 1990-2005 ehrenamtliche Stadträtin (SPD). Im Dezember 2005 und im Mai 2008 zur zweiten Bürgermeisterin gewählt. Zielsetzung: „Alle sollen sich in München wohl und geborgen fühlen. Dafür gilt es, die kommunale Daseinsvorsorge mit ihren vielfältigen Leistungen zu sichern – von Kinderbetreuung über den öffentlichen Verkehr bis hin zu den Krankenhäusern.“

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