Benno Führmann in der Hauptrolle

Film über Wiesn-Attentat im Landtag

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Benno Führmann spielt Ulrich Chaussy.

München - Im Bayerischen Landtag gab es jetzt eine Filmpremiere zu einem politisch hochbrisanten Thema: "Der blinde Fleck", der vom Oktoberfest-Attentat 1980 und dessen Aufarbeitung handelt.

Eine Premiere des Münchner Filmfests im Bayerischen Landtag – und das, noch ehe das Filmfest begonnen hat: Das gab’s noch nie. Dass dem mit u. a. Heiner Lauterbach und Benno Fürmann hochkarätig besetzten Spielfilm "Der blinde Fleck" diese Ehre zuteil wurde, liegt am brisanten, leider wieder hochaktuellen Thema: rechtsextremer Terror – und wie der Staat bei dessen Aufdeckung und Verhinderung versagte. In diesem Fall geht es um das Oktoberfest-Attentat von 1980, bei dem 13 Menschen starben.

Fast schon symbolisch war es da, dass Bayerns Innenminister Joachim Herrmann direkt von seiner Befragung beim NSU-Untersuchungsausschuss zur Premiere des ersten Spielfilms über die Wiesn-Tragödie kam. „Ich habe auch einen sehr persönlichen Zugang zu dem Thema, was ich noch nie erzählt habe“, so Herrmann. „Denn als Jugendlicher in Erlangen war ich Nachbar von Shlomo Lewin und Frieda Poeschke, die 1980 von einem Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann ermordet wurden.“

Jener Wehrsportgruppe Hoffmann, die, wie der Film zeigt, auch im Hintergrund des Attentats offenbar die Fäden zog. Doch weil Franz Josef Strauß in der Endphase seines Wahlkampfs gegen Helmut Schmidt fürchtete, dass ihm der Rechts-Terror schaden könnte, wurde Gundolf Köhler der Öffentlichkeit als „Einzeltäter“ verkauft – wider besseren Wissens der Ermittler.

Der Hartnäckigkeit des BR-Hörfunkjournalisten Ulrich Chaussy ist es zu verdanken, dass diese Vertuschung öffentlich gemacht wurde – und der Spielfilm zeigt eindrucksvoll, wie Chaussy, gespielt von Benno Fürmann, mehr als 30 Jahre hartnäckig nachbohrte, um wenigstens ein kleines Stück der Wahrheit ans Licht zu bringen. Der bescheidene und völlig uneitle Journalist hätte es sich nicht träumen lassen, mal als Filmheld auf der Leinwand zu lassen, wie er im Gespräch mit der tz erzählte. „Eigentlich planten wir, ein Doku-Drama zum Oktoberfest-Attentat zu machen. Aber weil es schon eine Dokumentation dazu gab, hatten BR und Arte die Idee, einen Spielfilm über diesen ‚Verrückten‘ zu drehen, der 30 Jahre hartnäckig dieser Sache nachgeht.“

Heiner Lauterbach, der im Film den dubiosen Staatsschutzleiter Hans Langemann spielt, zeigte sich pessimistisch, dass ein Film mit solch einem ernsten Thema viel Publikum bekommen werde. „Aber es ist wichtig, in einer Demokratie solche Dinge aufzudecken. Gut, dass wir es im Bayerischen Landtag tun“, so Lauterbach.

Neben Lauterbach spielen Nicolette Krebitz, August Zirner, Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl bei dem Film mit, der ab 16. Januar 2014 ins Kino kommt.

Klaus Rimpel

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