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Blindflug: So sehr lenken Smartphones am Steuer wirklich ab

München - Die Polizei München warnt davor, das Smartphone am Steuer zu benutzen. In einem Test zeigt sich: Wer nur kurz drauf schaut, kann genauso gut auch mit Augenbinde fahren.

Etwa jeder zehnte Unfall in Deutschland wurde laut einer aktuellen Studie des Versicherungskonzerns Allianz Deutschland verursacht, weil der Autofahrer nicht auf den Straßenverkehr achtete, sondern mit dem Handy oder dem Navigationsgerät beschäftigt war. Damit wurden mehr schwere Unfälle durch Ablenkung verursacht als durch Alkohol: 346 Menschen kommen pro Jahr durch Ablenkung im Straßenverkehr ums Leben. Durch alkoholbedingte Unfälle sterben 256.

„In München gab es heuer 16 nachgewiesene Unfälle, bei denen der Auto- oder Radfahrer abgelenkt war“, sagt Michael Reisch, Polizeihauptkommissar in der Verkehrsabteilung des Münchner Präsidiums. Elfmal nutzten Fahrer das Smartphone, viermal Kopfhörer, und einmal programmierte ein Autofahrer das Navi. Die Dunkelziffer der Unfälle, die durch Ablenkung entstehen, ist nach Angaben der Polizei wesentlich höher.

Liest oder schreibt ein Autofahrer während des Fahrens eine Kurznachricht, steigt das Unfallrisiko laut Polizei um das 164-Fache. „Das Texten von Nachrichten entspricht in Bezug auf die Fahrtauglichkeit einer Alkoholisierung von einem Promille“, erklärt Reisch. Wer bei Tempo 50 nur eine Sekunde lang auf sein Handy schaut, legt eine Strecke von rund 14 Metern im Blindflug zurück. 18 Prozent der Autofahrer gaben laut Reisch zu, dass sie während des Fahrens Nachrichten lesen, und zehn Prozent, dass sie welche schreiben.

Wird ein Auto- oder Fahrradfahrer mit Smartphone erwischt, wird es richtig teuer: 60 Euro Bußgeld werden fällig, zudem gibt es einen Punkt in Flensburg. Fahrradfahrer zahlen 25 Euro. Das Bundesverkehrsministerium arbeitet derzeit an einer Änderung der Verordnung. Künftig sollen Autofahrer bei einem Verstoß gegen das Handy-Verbot mit 100 Euro büßen und Fahrradfahrer mit 55 Euro. Außerdem soll das Verbot ausgeweitet werden auf Tablets, E-Book-Reader und Videobrillen. Laut Straßenverkehrsordnung dürfen Handys nur benutzt werden, wenn das Fahrzeug steht und der Motor aus ist. Wird das Handy als Navi benutzt, muss es – wie das Navi – vorher programmiert werden.

Handy am Steuer: Für Verkehrssünder wird's teurer 

Handy am Steuer
Das neue Punktesystem für Verkehrssünder ist beschlossene Sache. Ab 1. Mai 2014 wird für Autofahrer so einiges anders werden. Telefonieren am Steuer kostet dann 60 Euro (vorher 40 Euro). © dpa
Winterreifen
Auch bei fehlenden Winterreifen stehen 60 Euro im Bußgeldkatalog. © pa/obs/Nokian
Nebel
Bei erheblicher Sichtbehinderung durch Nebel, Schnee oder Regen müssen Autofahrer außerhalb geschlossener Ortschaften das Abblenddlicht einschalten. © dpa/dpaweb-tz
Abblendlicht Auto
Wer außerhalb geschlossener Ortschaften am Tag ohne Abblendlicht fährt, kassiert 1 Punkt in Flensburg und 60 Euro. © dpa-mzv
Autobahn
Wer auf der Autobahn wendet bekommt 2 Punkte. © dpa
Polizei Kontrolle Autobahn
Im neuem Punktesystem werden Delikte je nach Schwere mit 1, 2 oder 3 Punkten bewertet. Der Führerschein wird nach 8 statt 18 Punkten entzogen.  © dpa
Promille
Mit 3 Punkten werden auch fahrlässige Tötung oder Trunkenheit im Verkehr erfasst. © dpa
Haltezeichen
Wer das Haltezeichen eines Polizisten nicht befolgt, zahlt in Zukunft 70 statt 50 Euro. © dpa
Umweltzone
Das Einfahren in eine Umweltzone ohne erforderliche Plakette kostet 80 statt 40 Euro, dafür gibt es keinen Punkt mehr. © dpa

Rubriklistenbild: © Screenshot YouTube

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