Meteorologen warnen vor heftigen Gewittern

Blitz-Alarm! So schützen Sie sich vor den Naturgewalten

1 von 6
In Blitzen fließen Ströme von über 200 000 Ampere.
2 von 6
Die Notfallregel im Gewitter: klein machen und zehn Meter Abstand von Bäumen halten!
3 von 6
Von der Einschlagstelle breitet sich der Blitzstrom im Erdboden nach allen Richtungen aus. Eine Person nimmt mit den Beinen eine „Schritt“-Spannung auf – ein Teil des Blitzstroms fließt durch den Körper. Dies kann im Umkreis von 30 Metern lebensgefährlich sein.
4 von 6
Bei einem direkten Einschlag fließt der Blitzstrom über den Menschen. Er kann Verbrennungen, Bewusstlosigkeit bis hin zum Herzstillstand verursachen.
5 von 6
Wenn beispielsweise ein Baum getroffen wird, kann der Blitz auch auf Menschen überspringen – sogar dann, wenn sie mehrere Meter entfernt sind.
6 von 6
Wenn man Objekte aus Metall berührt, sich beispielsweise an einen Laternenpfahl anlehnt, dann fließt nach einem Blitzschlag ein Teil des Stroms über den Körper.

München - Blitz und Donner können lebensgefährlich sein. Im großen tz-Report erklärt Thomas Raphael, warum Blitze so tückisch sind und wie man sich davor schützen kann.

Sommer extrem im sonnigen Süden der Republik: In den nächsten Tagen wird die Gluthitze immer mal wieder von Weltuntergangswetter ertränkt, das uns eiskalte Schauer über den Rücken jagen kann. Die Meteorologen warnen vor heftigen Gewittern. Sie können urplötzlich und überall aufziehen, teils begrenzt auf ein enges Gebiet, besonders häufig am Alpenrand.

Es wird rumpeln und krachen – und öfter mal taghell. Dann nämlich, wenn Blitze durch den pechschwarzen Gewitterhimmel zucken. „Sie können lebensgefährlich sein“, weiß Thomas Raphael. Der Geschäftsführer des Ausschusses für Blitzschutz und Blitzforschung des Verbandes der Elektrotechnik (VDE) zählt zu Deutschlands erfahrensten Experten auf diesem Gebiet. Im großen tz-Report erklärt Raphael, warum Blitze so tückisch sind und wie man sich davor schützen kann.

Mythos Blitzschlag – er wird gespeist von geradezu galaktischen elektrischen Energiemengen, die sich in der Erdatmosphäre entladen. „Blitzströme erreichen 200.000 Ampere und mehr“, erläutert Blitzforscher Thomas Raphael im tz-Gespräch. Zum Vergleich: Eine Haushaltssteckdose ist auf 16 Ampere ausgelegt.

Bei einem Einschlag wirkt die Energie weniger als eine Tausendstelsekunde, aber dieser winzige Augenblick reicht aus, um schwere Schäden an Gebäuden und technischen Geräten zu verursachen. „Dünne Drähte schmelzen, leicht entzündliche Stoffe geraten in Brand oder explodieren“, beschreibt der Verband der Elektrotechnik (VDE) den Blitz-GAU. Und weiter: „Wenn der Blitz seinen Weg über feuchte Wände, Balken oder Bäume wählt, wird schlagartig Wasserdampf gebildet, der wie bei einer Explosion Dächer, Gebäude oder Bäume beschädigt. Durch Blitze verursachte Überspannungen können über Strom- und Telefonleitungen oder Kabelfernsehen ins Haus eindringen und dort elektrische Geräte beschädigen oder ganz zerstören.“

Besonders groß ist die Gefahr in den Sommermonaten – und speziell im Juli. Statistisch gesehen treffen an einem heftigen Gewittertag in Deutschland über 120.000 Blitze die Erde. Die Schäden beliefen sich laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft allein im vergangenen Jahr auf 340 Millionen Euro, im Bereich der Wohngebäude- und Hausratsversicherungen wurden 410.000 Schadensmeldungen registriert.

Aber Blitze können nicht nur viel Geld, sondern im schlimmsten Fall sogar das Leben kosten. „Bei uns in Deutschland sterben im Schnitt pro Jahr etwa fünf Menschen durch Blitzschläge, etwa 100 werden ins Krankenhaus eingeliefert und weitere 100 ambulant behandelt“, weiß VDE-Experte Raphael. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, vom Blitz getroffen zu werden. Am gefährlichsten ist der direkte Blitzschlag. „Wird ein Mensch direkt vom Blitz getroffen, steigt die Spannung im Körper auf einige Hunderttausende Volt“, erklärt Raphael. „Der weitaus größere Teil des Blitzstroms fließt nicht durch den Menschen, sondern auf der Körperoberfläche ab. Diesem Effekt ist es zu verdanken, dass etwa zwei von drei Personen einen direkten Einschlag überleben.“ Aber: Der Strom kann lebenswichtige Körperfunktionen wie das Zentrale Nervensystem und die Atmung lahmlegen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Kammerflimmern und einem Herzstillstand. Das Tückische: „Komplikationen können auch noch Stunden oder Tage nach dem Blitzschlag eintreten“, warnt Raphael. Deshalb werden Getroffene in der Regel zumindest einige Stunden lang ärztlich überwacht.

So wird das Wetter in München

Alarmsignale

  • Bei Wahrnehmung von Donner gefährdete Bereiche verlassen!
  • Folgt der Donner einem Blitz nach zehn Sekunden oder weniger: Lebensgefahr!
  • Wurde eine halbe Stunde lang kein Donner mehr wahrgenommen: Entwarnung!
  • Geschützte Bereiche aufsuchen!

Schutz bieten Gebäude (möglichst mit Blitzschutzsystem), Autos, Kabinen von Baumaschinen, Eisenbahn­wagen usw.

Schutz vor direkten Blitzschlägen

  • Unter Freileitungen, in der Nähe von Gebäuden und Masten.
  • Im Wald in der Mitte zwischen den Bäumen mit 10 m Abstand
  • In Bodenmulden, am Fuß eines Steinbruchs oder Felsvorsprungs.
  • Sich klein machen, in die Hocke gehen
  • Schutz vor Blitz­überschlägen: Abstand halten
  • Möglichst 10 Meter Entfernung von Bäumen (Stamm, Äste)
  • Mindestens ein Meter, besser drei Meter von Gebäuden, Metallmasten, Felswänden.
  • Mindestens 1 Meter, besser drei Meter von Metallzäunen, Weidezäunen, Brückengeländern.
  • Einzeln stehen, sich in Gruppen nicht berühren, Abstand ein bis drei Meter voneinander.

Schutz vor Schrittspannungen

  • Die Füße eng nebeneinander stellen.
  • Möglichst auf Asphalt oder Gehwegen bleiben.

Unbedingt meiden

  • Einzeln stehende Bäume, Baumgruppen, Waldränder, Bergspitzen, Masten oder Hütten aus Holz
  • Freie Flächen wie Fußballplätze, Golfplätze, Pferdeweiden oder Deiche
  • Auf der Erde liegen oder sich mit den Händen auf der Erde abstützen
  • In Gruppen stehen und sich gegenseitig berühren
  • Wandern, Baden, Tauchen, Wassersport

Straßenverkehr

  • Vom Fahrrad, Motorrad absteigen und Schutz suchen
  • Bei heftigem Gewitter mit dem Auto auf einem Parkplatz halten.

Andreas Beez

Auch interessant

Meistgesehen

Stadt
Acht Tipps wie Sie in München cool bleiben, wenn‘s heiß wird
Acht Tipps wie Sie in München cool bleiben, wenn‘s heiß wird
Neuperlach: 22-Jähriger stellt Öl auf den Herd und schläft dann ein
Neuperlach: 22-Jähriger stellt Öl auf den Herd und schläft dann ein
Stadt
Unsere Bilder des Tages
Unsere Bilder des Tages

Kommentare