Blitzeis-Unfälle in München

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München - München rutschte am Donnerstag buchstäblich durch den Feiertag: Regen verwandelte die Straßen und Gehsteige in spiegelglatte Gefahrenzonen. Kliniken, Polizei und Feuerwehr versorgten zahlreiche Unfallopfer.

Wer am Donnerstag aus der Haustür trat, war gut beraten, dies mit Vorsicht zu tun: Etwa gegen 9 Uhr, so meldet es das Wetteramt in München, setzte im Stadtgebiet Regen ein, der auf dem kalten Boden sofort gefror und vielen Fußgängern und Autofahrern zu schaffen machte.

Auf den Straßen im Stadtgebiet passierten bis 17 Uhr etwa 30 Unfälle – „größtenteils Blechschäden“, sagte eine Sprecherin der Polizei. Die Feuerwehr rückte bis zum Nachmittag 40-mal aus – „etwa 35 Personen haben sich bei Stürzen verletzt“, hieß es aus der Einsatzzentrale.

Fragt man in den Münchner Kliniken nach, scheinen es weitaus mehr Patienten gewesen zu sein. „Wir hatten gegenüber einem normalen Feiertag etwa zwei- bis dreimal so viele Menschen zu versorgen“, sagt Dr. Karl-Georg Kanz, Leiter der Notaufnahme in der Klinik der Ludwigs-Maximilians-Universität (LMU). „Die Leute rutschen aus, fallen auf die Hüfte, brechen sich den Schenkelhals, wir müssen operieren“, beschreibt er einen typischen Fall. „Vor allem bei älteren Menschen brechen die Knochen schnell.“ Bei Eisglätte seien aber auch junge Leute von solchen Knochenbrüchen betroffen, die man „in diesem Alter sonst nur bei Stürzen in alkoholisiertem Zustand“ sehe.

Am Morgen hat es zudem mehrere Unfälle außerhalb von München gegeben, darunter einen Busunfall bei Augsburg (siehe Bayern und Region), dessen Opfer Kanz und sein Team zu versorgen hatten.

Auch im Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität (TU) herrschte am frühen Nachmittag Stress: „Es ist sehr voll, wir haben einen Bruch nach dem anderen“, hieß es am Telefon aus der Notaufnahme.

Unterdessen versuchte der Winterdienst der Stadt, die Lage zu verbessern: „Der Eisregen war zwar erst für den Nachmittag angesagt, aber wir haben zum Glück schon am Vortag die Nebenstraßen gesplittet“, sagte Horst Schüller, der im Baureferat für den Winterdienst verantwortlich ist. „So konnten wir die gesamten Kräfte auf die Hauptstraßen konzentrieren.“ Für die nächsten Tage rechnet Schüller weiterhin mit Regen: „Wir beobachten die Temperatur und rücken bei Bedarf natürlich wieder aus.“

Auch das Wetteramt rechnet bis Samstagabend noch mit Regenfällen im Stadtgebiet, aufgrund der steigenden Temperaturen aber nicht mit Glatteis. „Das Problem war, dass der Boden in München noch knapp fünf Zentimeter tief gefroren war“, sagt der Meteorologe Dirk Mewes vom Wetteramt. Über dem Boden habe sich kalte Luft gesammelt, darüber Warmluft – normalerweise ist das umgekehrt. „So verwandelte sich der Schnee in der warmen Luft in Regen, der fiel in die kalte Luftschicht und gefror sofort“, erklärt Mewes. Für die nächsten Tage rechnet er mit mehr warmer Luft – „etwa neun Grad am Freitag, elf Grad am Samstag“. Dr. Kanz rät vor allem älteren Menschen, den Wetterbericht im Auge zu behalten und bei Glätte im Haus zu bleiben.

Ann-Kathrin Gerke 

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