Und das schon am Vormittag

Blitzer-Marathon: Sie hat's zweimal erwischt

München - Tag 1 des „Blitz-Marathons“: Münchens Autofahrer mussten auf insgesamt 44 Radarfallen im Stadtgebiet achten, rund 200 Polizisten waren im Einsatz. Anna S. (Name geändert) hat es um halb zehn Uhr morgens bereits zweimal erwischt.

Einmal beim Olympia-Einkaufszentrum mit 20 Stundenkilometer zu schnell. Das zweite Mal eben jetzt auf der Schleißheimer Straße auf Höhe des Goldschmiedplatzes im Hasenbergl. Statt der erlaubten 50 war sie 68 Kilometer pro Stunde gefahren. „Ich habe gestern auf Facebook gelesen, dass heute der Blitz-Marathon startet, mich aber nicht weiter darüber informiert“, sagt sie aus ihrem dunkelgrauen Golf heraus. Die junge Frau hat erstaunlich gute Laune. Sie ist gerade auf dem Weg zu einer Wohnungsbesichtigung und spät dran. Trotzdem lächelt sie freundlich, als ihr Daniel Ebert, Leiter der Anhaltestelle, den kleinen rosa Quittungszettel über 25 Euro Bußgeld in die Hand drückt.

Pechvogel Anna S.: Die Frau hat es beim „Blitz-Marathon“ in München am Donnerstagmorgen gleich zweimal erwischt.

Anna S. ist die dritte Autofahrerin, die seit 8 Uhr an der Messstelle an der Schleißheimer Straße geblitzt worden ist. Es herrscht wenig Verkehr, die Fahrzeuge im Stadtgebiet scheinen grundsätzlich langsamer unterwegs zu sein. Das Polizeiaufgebot ist dafür umso größer. Einige 100 Meter, bevor sich die Straße am Goldschmiedplatz teilt, steht das Messfahrzeug, ein auf den ersten Blick unscheinbar wirkender silberner Opel Astra – wäre da nicht die rote Kamera, die aus dem Heckfenster herausleuchtet.

Der Bußgeld-Katalog für Temposünder

Der Bußgeld-Katalog für Temposünder

Ebert beobachtet mit einem Fernglas die auf ihn zu kommenden Fahrzeuge. Über Funk hält er Kontakt zur Kollegin im Messfahrzeug. „Ich versuche festzustellen, ob die Fahrer mit dem Handy telefonieren oder sie angeschnallt sind“, sagt der Beamte dem Münchner Merkur. „Oft kommt man durch Kleinigkeiten auf größere Verstöße.“

So ist es bei dem Lkw mit zwei Anhängern und Augsburger Kennzeichen. Ebert hatte den Mann angehalten, weil er sich nicht angeschnallt hatte. Bei den Kontrolle stellte sich heraus, dass er keinen Fahrzeugschein vorzeigen konnte und die Ladung nicht gesichert war. Strafe: 70 Euro.

Teresa Pancritius

tz-Besuch in den Raser-Hochburgen

Und schon wieder einer. „Ich wusste von der Aktion, aber ich kannte die Strecke nicht!“ Die Frau in ihrem BMW X3 muss zahlen. 25 Euro. Sie ist 15 km/h zu schnell gefahren – 45 km/h in einer 30er-Zone in Gauting. tz-Besuch in den Blitzerhochburgen rund um München: Allein in Gauting kontrollierte die Polizei Donnerstag an sieben Stellen, in Gröbenzell sogar an neun! Nicht gleichzeitig, sondern im Wechsel. Der Grund: Es war jeweils nur ein Radar-Laser vorhanden. Insgesamt wurde am Donnerstag in Bayern an 1500 Stellen geblitzt. 24 Stunden lang.

Die BMW-Fahrerin nimmt es gelassen: „Eigentlich finde ich die Blitzer-Aktion ganz gut. Ich glaube aber nicht, dass sie langfristig vom Rasen abhält.“ Mit dieser Meinung ist sie nicht alleine. „Ich finde es gut, dass an Schulen und Kindergärten kontrolliert wird“, sagt eine Land-Rover Fahrerin, die gerade ihre Tochter aus dem Kindergarten abholt. Auch sie zweifelt aber an der langfristigen Wirkung. Zahlen muss auch sie – 25 Euro. Punkte gibt es dafür nicht, die meisten Raser zahlen sofort in bar. Überrascht war von der groß angekündigten Aktion übrigens kaum jemand. Bis auf eine ältere Dame in einem VW. „Ich wusste nichts. Ich lese keine Zeitung!“

Florian Fussek

Rubriklistenbild: © Kurzendörfer

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