"Blondinen und Schwarze gratis"

Eklat im NS-Dokuzentrum? So schildert das Opfer den Vorfall

München - Larissa S. erklärt, mit ihrem aus Peru stammendem Freund im NS-Dokumentationszentrum diskriminiert worden zu sein. Sie zeigt sich gegenüber der tz empört.

Das neue NS-Dokumentationszentrum in München meldet nach der Eröffnung am 1. Mai bereits mehr als 20 000 Besucher – und hat schon seinen ersten Skandal. Dabei geht es um eine wahrscheinliche Diskriminierung zweier Besucher. Die Direktion des Dokuzentrums hat eine rasche Aufklärung des Vorfalls zugesagt; sollten die Vorwürfe zutreffen, werde dies umgehend Konsequenzen haben.

Samstagnachmittag, Tag eins nach der Neueröffnung. Larissa S., die ihr langes blondes Haar offen trägt, will sich mit ihrem aus Peru stammenden Freund das Dokumentationszentrum am Königsplatz ansehen und sich über die unsäglichen Gräueltaten der Nazis informieren. Beim Betreten des Gebäudes wendet sich die 27 Jahre alte Frau an einen Mitarbeiter der Einrichtung, der die Besucher in Empfang nimmt. Sie will wissen, ob denn der Eintritt an diesem Tag tatsächlich frei sei. Die Antwort, die der Mann laut Larissa S. gibt, macht schlicht sprachlos: „Für Blondinen und Schwarze ist es heute gratis.“

„Überhaupt in der heutigen Zeit so angesprochen zu werden, ist ein absolutes Tabu“, empörte sich Larissa S. gegenüber der tz. An einem Ort, der unter anderem über Antisemitismus aufklären wolle, sei „eine deartige Bemerkung eine Unverschämtheit“. Letztlich sei es „schade, dass eine neu eröffnete Münchner Einrichtung dieser Art, die das Thema eigentlich mit viel Respekt und würdigender Atmosphäre behandelt, bei der Auswahl der Mitarbeiter nicht mehr Sorgfalt walten lässt“. Larissa S.: „Was sollen so ausländische Migranten von München denken?“

Der Leitung des Dokumentationszentrums ist der Vorfall hörbar peinlich. „Die Direktion hat sofort Kontakt mit der Besucherin aufgenommen und wird den Vorfall unverzüglich aufklären“, teilte das Dokumentationszentrum gestern mit. „Sollte es tatsächlich zu einer diskriminierenden Äußerung gekommen sein, wird dies Konsequenzen haben.“ An einem Erinnerungsort, der für Toleranz und ein friedliches Miteinander stehe, würden solche Verhaltensweisen „nicht geduldet“.

Das sieht auch der Chef der Firma so, die das NS-Dokumentationszentrum für die Betreuung der Besucher engagiert hat. „So ein Satz geht nicht“, sagte Otto Weiß vom Veranstaltungsdienst Paul Mayr der Süddeutschen Zeitung. Das gelte unabhängig vom Objekt, ganz besonders aber an einem so sensiblen Ort. Der Mitarbeiter müsse, sollte die Äußerung tatsächlich gefallen sein, mit Konsequenzen rechnen.

Der Veranstaltungsdienst Mayr bewacht mit seinen über 2000 Beschäftigten große Objekte wie die Allianz Arena, die Münchner Messe, den Gasteig und auch das Jüdische Museum in der Landeshauptstadt. Dort habe es noch nie Probleme gegeben, und für das NS-Dokumentationszentrum habe man „die Mannschaft gezielt ausgesucht“.

tz

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