Eiszeit am Viktualienmarkt

Blumenhändler müssen ihre Ware wegwerfen

+
Kreuzworträtsel statt Kundschaft: Josef Hartl vom Blumenstandl Willand-Schäfer macht gerade kein Geschäft

München - Der Endlos-Winter schlägt nicht nur aufs Gemüt, sondern macht vor allem den Gärtnereien zu schaffen. Auch die Händler am Viktualienmarkt müssen ihre Ware wegwerfen!

Eiszeit in Bayern! Der Endlos-Winter schlägt nicht nur aufs Gemüt, sondern macht vor allem den Gärtnereien zu schaffen. Bei Dauergrau und Kälte kauft kaum ein Kunde Frühlingsblüher – und Tausende Blumen landen auf dem Kompost. Auch die Händler am Viktualienmarkt müssen ihre Ware wegwerfen!

Hier geht's zum aktuellen Wetterbericht

Besonders schlimm trifft es kleine Familienbetriebe wie das Blumen- und Pflanzenparadies Willand-Schäfer aus Bergkirchen, das auch am Viktualienmarkt ein Standl betreibt. Dick eingemummelt sitzt Verkäufer Josef Hartl (73) am Tisch und löst Kreuzworträtsel. Gerade mal drei Kunden waren bis zum Mittag da – viel zu wenig. „Bei der Kälte hat kein Kunde Lust, seinen Balkon oder Garten zu bepflanzen“, sagt der 73-Jährige.

Einen riesigen Container voll kältegebeutelter Frühblüher musste die Gärtnerei schon auf den Kompost werfen. „Das alleine waren etwa 3000 Pflanzen – so haben wir schon mehrere Tausend Euro verloren“, berichtet Hartl. Normalerweise steht das Standl um diese Jahreszeit voller Blumen, jetzt hat er nur fünf Paletten Veilchen und ein paar Sträuße dabei. Vor allem Vergissmeinnicht und Narzissen sind kälteempfindlich: „Wenn die einmal alles hängen lassen, sind sie nicht mehr zu retten.“

Tote Hose auch am Standl der Gärtnerei Huggler. „Statt wie sonst alle zwei Tage kriegen wir gerade höchstens zwei Mal die Woche neue Pflanzenlieferungen“, sagt Junior-Chefin Birgit Huggler (34). „Es fehlen einfach die Kunden.“ Ein paar Hundert verblühter Primeln musste sie schon wegwerfen. „Das ist bitter, vor allem, weil ich sie alle mit meinem Mann eigenhändig getopft habe.“ Besonders ärgerlich: Der verspätete Frühling vermiest nicht nur das Geschäft, sondern macht auch noch mehr Arbeit. Damit etwa die Stiefmütterchen von Birgit Huggler der Kälte standhalten, werden sie nach einer Woche am Standl umgepackt, in die Gärtnerei nach Landshut gefahren und dort aufgepäppelt. „Dabei decken die Einnahmen gerade so unsere Unkosten. Wir sind ein kleiner Familienbetrieb und leben davon – das ist hart.“

Auch die Gärtnerei Schuster ein paar Meter weiter bleibt auf ihren Frühblühern sitzen. „Unsere Gewächshäuser sind voll, weil nichts weggeht“, sagt Inhaber Hans-Herberth Schuster (68). Die Folge: Sommerblüher wie Geranien und Fuchsien müssen warten – das ganze Geschäft verschiebt sich. „Unser Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 30 Prozent“, sagt Schuster. Jetzt hofft er, dass nächste Woche endlich der Frühling kommt: „Wir merken jeden Sonnenstrahl.“

Christina Meyer

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Signalstörung bei der S1 ist behoben
S-Bahn: Signalstörung bei der S1 ist behoben
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Entmietung! Es ist derselbe Bauherr, der denkmalgeschütztes Haus abreißen ließ
Entmietung! Es ist derselbe Bauherr, der denkmalgeschütztes Haus abreißen ließ

Kommentare