Agent sucht den Nervenkitzel

BND-Spion vor Gericht: Er fand die Verstecke nicht

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Steht wegen Spionage und Bestechlichkeit vor Gericht: BND-Mitarbeiter Markus R. muss sich für seine Taten verantworten.

München - Der wegen Spionage und Bestechlichkeit angeklagte BND-Spion gibt nicht nur dem Richter am Oberlandesgericht Rätsel auf. Vor einer Zusammenarbeit mit der CIA kniff er.

Er war kein mutiger Agent. Sondern eher ein James Bond für Arme!

Das zeigte am Freitag der dritte Verhandlungstag gegen Markus R. (32), der wegen Spionage und Bestechlichkeit angeklagte Ex-Mitarbeiter des Bundesnachrichten-Dienstes (BND). Vor dem Oberlandesgericht offenbarte er sein klägliches Handeln, mit dem er seinem Leben einen Kick geben wollte.

So hatte der US-Geheimdienst CIA versucht, ihn zu einem echten Spion fortzubilden. Markus R. wurde dafür in ein Hotel nach Wien eingeladen, das als geheimer US-Stützpunkt galt. Seine Aufgabe: Er sollte dort lernen, zu observieren. Doch R. sagte ab – weil er Angst bekam! „Ich fand das zu heikel, jemanden im Hotel zu treffen. Mir war das zu viel im Vergleich zur Dokumentenübergabe.“

Seitenlanger Wut-Brief an BND-Chef geschrieben

Offenbar war der Bürokaufmann ein Mensch, der lieber aus dem Verborgenen arbeitete. Das zeigte auch ein seitenlanger Wut-Brief, den er an den BND-Präsidenten geschrieben, dann aber niemals abgeschickt hatte. Darin prangerte er die Arbeitsweise der Behörde an, verunglimpfte seine eigene Anstellung als „verschwendete Jahre“ und prophezeite sogar die Auflösung des Bundesnachrichtendienstes.

Motiv für sein Handeln waren die Lust auf Nervenkitzel und Abenteuer. „Dafür haben Sie Ihr Land verraten?“, fragte Bundesanwalt Wolfgang Siegmann. „Ja“, erwiderte der Hilfs-Agent. Seine Spitzel-Tätigkeit sei ihm sogar wichtiger gewesen als seine Freundin. „Der Geheimdienst war spannender“, gab er zu.

Ob seine Dokumenten-Weitergabe tatsächlich der Spionage dienlich war, konnte Markus R. nicht sagen. Er hatte es zumindest angenommen, weil der CIA viel Geld an ihn zahlte – insgesamt 95 000 Euro. Allerdings hatten ihm die Geldübergaben Probleme bereitet: Nicht immer fand er die geheimen Verstecke.

Angela Walser

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