Kultiges Projekt in Flussnähe

Münchens erste Brücken-Boazn: Früher Klo-Häuschen an der Isar - Demnächst urige Kneipe

Die Bar Boazn unter der Ludwigsbrücke neben dem Müller’schen Volksbad, die Betreiber Selcuk Durmaz und Yilmaz Demir
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Die Bar Boazn unter der Ludwigsbrücke neben dem Müller’schen Volksbad, die Betreiber Selcuk Durmaz und Yilmaz Demir.

Zwei Münchner bauen die ehemalige Bedürfnisanstalt in einem Brückenpfeiler der Ludwigsbrücke zur Kneipe „Boazn“ um. Das Projekt sucht an der innenstädtischen Isar seinesgleichen.

München - Schon als Kind hatte Yilmaz Demir die Ludwigsbrücke fest im Blick. Damals konnte der 45-Jährige nicht ahnen, dass ihn das Bauwerk, auf das er von der elterlichen Wohnung aus schaute, sein halbes Leben beschäftigen würde. Jetzt ist er fast am Ziel: In wenigen Wochen will er seine „Boazn“ in einem Pfeiler der Ludwigsbrücke eröffnen.

Die einstige Toilettenanlage am Volksbad ist bereits entkernt und umgebaut. „Es ist der erste innerstädtische Gastrobetrieb an der Isar“, freut sich der Unternehmer, der früher viel Eventgastronomie mit aufgebaut hat.

München: Aus Klo-Häuschen am Deutschen Museum wird die „Boazn“

„Boazn – Öffentliche Bedürfnisanstalt“ steht auf einem Emblem auf der massiven kupferummantelten Bar, dem Herzstück des Lokals. „Eine Kneipe unter der Brücke kann nur Boazn heißen“, sagt Demir. Der Kerngedanke des Konzepts hat auch die Stadt überzeugt. Vor rund fünf Jahren bekamen Demir und sein Partner Selcuk Durmaz den Zuschlag. Das Interesse an dem Filetstück unter der Isarbrücke war riesig.

Warum sie den Zuschlag bekamen? Demir kann nur mutmaßen: „Unser Konzept würdigt die Historie des Ortes und setzt sich mit den baulichen Herausforderungen auseinander.“ Und die sind immens. Zur Entkernung musste das Gestein in Handarbeit abgetragen werden. „Wir konnten wegen der Enge nicht mit schwerem Gerät anrücken.“ Auch Platz für Wassersilos gab es nicht. „Die Boazn ist wohl die einzige Münchner Kneipe, die mit Isarwasser gebaut wurde.“ In Decke und Wände haben die Baumeister ein Regenrinnensystem mit Auffangbecken integriert, damit Wasser von oben ablaufen kann.

Früher Bedürfnisanstalt, bald Kneipe: die „Boazn“ in der Ludwigsbrücke.

Der glänzende Werkstoff wird im Inneren der „Boazn“ zum Blickfang: Träger und Rohre wurden mit Kupfer ummantelt. Kupferketten unter dem Holztresen sind als Aufhänger für Weinkübel vorgesehen, um Platz zu sparen in dem nur 60 Quadratmeter großen Raum. An Wänden und Decke will Demir Münchner Motive anbringen lassen, „von der Stilistik her ein bisschen wie Banksy, aber mit Münchner Persönlichkeiten“. Karl Valentin und Eisner sind in der neuen Kneipe in Haidhausen schon gesetzt.

Neue Kneipe in München: „Boazn“ soll kein Schickimicki-Treff werden

Die „Boazn“ soll kein Schickimicki-Treff werden, das ist den Unternehmern wichtig. „Wir wollen einen Ort schaffen, der zum Verweilen einlädt. Wo jeder gemütlich sein Bier oder seinen Wein trinken kann, aber zu fortgeschrittener Stunde auch mal auf den Tischen tanzt“, sagt Demir. Auch die Speisekarte ist schlicht gehalten – es dominiert die Knolle. „Die Ofenkartoffel ist in der Türkei ein Nationalgericht und hat auch in Bayern eine lange Tradition“, sagt der gebürtige Türke, dessen Herz fast noch kräftiger für München* schlägt. „Ich bin ein Isarkind. Und das hier ist mein Herzensprojekt.“

Die Öffnungszeiten stehen noch nicht fest, zum Wochenende hin könne es aber schon bis in die frühen Morgenstunden gehen. „Es gibt ja keine Nachbarn.“ (Daniela Pohl) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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